„Autogipfel sollte man absagen“

Fatales Urteil für Merz-Plan: „E-Auto-Prämie bringt uns nicht weiter“

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Die Bundesregierung will den Umstieg auf E-Mobilität durch Förderprogramme vorantreiben. Eine völlig überflüssige Maßnahme, findet Autopapst Dudenhöffer.

Berlin – Die Kaufprämie für E-Autos kommt: Die Bundesregierung hat sich darauf geeinigt, besonders Haushalte mit kleinem und mittlerem Einkommen mit Förderungen zu unterstützen. Der Kaufanreiz soll den Umstieg auf klimaneutrale Mobilität ermöglichen. Finanziert werden soll die Prämie durch Zuschüsse (drei Milliarden Euro bis 2029) aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) und durch Mittel aus dem EU-Klimasozialfonds. So steht es in dem gemeinsamen Beschlusspapier, der auch IPPEN.MEDIA vorliegt.

Doch bereits jetzt regt sich Widerstand. Autopapst Ferdinand Dudenhöffer erklärt, warum diese Ansätze der Bundesregierung falsch sind und warum der Autogipfel abgesagt werden sollte.

Merz-Regierung will Prämie für E-Autos – Autopapst Dudenhöffer: „Bringt uns nicht weiter“

„Die E-Auto-Prämie klingt nett, aber sie bringt uns nicht weiter“, sagte Dudenhöffer. Für einen Umstieg auf E-Mobilität brauche es vor allem niedrigere Produktionskosten in Deutschland. Größter Kostenfaktor sind die Batterien. Hersteller kämpfen laut Dudenhöffer hierzulande mit hohen Logistikkosten. „Strom ist unbezahlbar und Lohnnebenkosten machen allen Unternehmen schlaflose Nächte“, so der Autopapst.

„Deshalb ziehen die Autozulieferer ins Ausland. Statt eine große Reform anzugehen, um die Lohnneben- und Produktionskosten zu senken, geben wir nur Geld aus“, sagte Dudenhöffer. Dudenhöffer gibt zu bedenken, dass die Kosten eines Audi E5 in China bei 28.000 Euro liegen, während ein Audi-A6 Sportback e-tron mit ähnlichen Leistungen in Deutschland über 65.000 Euro kostet.

Die Bundesregierung will den Umstieg auf E-Mobilität durch Förderprogramme vorantreiben. 

Vor allem müsse die Bundesregierung Deutschland wettbewerbsfähiger machen. „Derzeit sind wir dabei, Deutschland zu deindustrialisieren“, warnte der Wirtschaftswissenschaftler. Deutschland müsse mehr Autos im Ausland verkaufen. „Die EU ist unser Markt, China ist enorm wichtig. Deutschland muss seinen Automarkt mehr öffnen, dann geht es mit dem Elektroauto noch flotter voran. Hierzulande werden weniger als drei Prozent aller zugelassenen Fahrzeuge verkauft.“

Diskussion um Verbrenner-Aus ist laut Dudenhöffer wenig zielführend

Auch die Diskussion um das Verbrenner-Aus hält Dudenhöffer für wenig zielführend. Damit verunsichere man nur die Verbraucher und Investoren. Unabhängig von der Diskussion hält er eine Umsetzung bis 2035 für realistisch, da Deutschland schon jetzt 100 Prozent technologieoffen sei. „Beispielsweise erreichte der Anteil der E-Autos bei den Neuwagenzulassungen im September 2025 20 Prozent. Zudem wird das E-Auto für Verbraucher günstiger, der Preisunterschied zwischen E-Autos und Verbrennern beträgt derzeit im Mittel knapp 2.000 Euro. Das ist fast nichts.“

Im Gegensatz zu den Förderprogrammen konnten sich die Spitzen von Union und SPD beim Thema Verbrenner-Verbot vorerst nicht auf eine gemeinsame Position verständigen. Allerdings seien die Beteiligten „in der Debatte schon sehr weit gekommen“, sagte SPD-Chef Lars Klingbeil nach den Beratungen des Koalitionsausschusses am Donnerstagmorgen in Berlin. CSU-Chef Markus Söder bekräftigte, dass er weiterhin die EU-Vorgabe ablehne, ab 2035 de facto keine neuen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr zuzulassen.

„Wir sind uns einig, dass wir Arbeitsplätze erhalten wollen“, betonte Söder. „Über den Weg dahin, da gibt es noch Unterschiede“, fügte er aber hinzu. „Das starre und strikte Aus des Verbrenners 2035 ist aus unserer Sicht der falsche Weg“, bekräftigte der CSU-Chef.

Zukunft der Autoindustrie beim Autogipfel – „Werden nur Steuergelder verteilt“

Über die Zukunft der Autoindustrie soll heute auch auf dem Autogipfel diskutiert werden. „Für uns steht vorne, dass wir einen starken Automobilsektor wollen“, sagte Finanzminister Lars Klingbeil mit Blick auf den Gipfel. Auch das Bekenntnis zu den Jobs dort „muss bei uns ganz vorne stehen“, hob er hervor. Mit Blick auf die EU-Vorgaben plädierte der SPD-Chef für „mehr Flexibilität“ und zusätzliche Technologieoptionen auf dem Weg bis 2035. Dazu werde die Koalition nach dem an diesem Donnerstag angesetzten Autogipfel „zügig eine Positionierung festlegen“.

Dudenhöffer geht nicht davon aus, dass der Autogipfel viel bringen wird. „Wir brauchen auch keinen Autogipfel, wo nur Steuergelder verteilt werden. Den Gipfel sollte man absagen, er ist kontraproduktiv. Die Bundesregierung muss endlich arbeiten!“

Rubriklistenbild: © Andreas Gora/Imago

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