- VonMax Schäferschließen
Die Bürgergeld-Nullrunde sei „nicht hinnehmbar“, laut einem Sozialverband. Die Bildungsleistungen seien „realitätsfern“. Kinder aus ärmeren Verhältnissen fallen zurück.
Frankfurt – In vielen Bundesländern startet das neue Schuljahr, doch die Ausgangslage der Schülerinnen und Schüler ist stark unterschiedlich. Dabei haben Kinder aus armen Verhältnissen Nachteile – besonders, wenn sie im Bürgergeld sind. Ihren Familien fehlt das Geld für den Schulbedarf und – wenn nötig – Nachhilfe. Die Leistungen für Bildung und Teilhabe sollen dabei helfen – doch sie sind nicht ausreichend. Davor warnt nun der Sozialverband VdK.
Kinder aus Bürgergeld-Familien bei Bildungschancen im Nachteil – Problem verschärft sich
Dessen Präsidentin Verena Bentele verwies in einer Mitteilung auf die steigenden Preise bei Schul- und Lehrbüchern. Laut dem Statistischen Bundesamt sind diese im Juni 2025 um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Die Teuerung war damit stärker als der Anstieg der Verbraucherpreise, die im selben Zeitraum um zwei Prozent teurer geworden sind. Immerhin: Bei anderen Schulmaterialien fiel die Steigerung geringer aus. Bei Schulheften und Zeichenblöcken lag das Wachstum moderat bei 0,3 Prozent. Produkte wie Füller, Stifte oder Farbkästen sind um 1,7 Prozent teurer geworden.
„Für Kinder aus einkommensschwachen Haushalten verschärft sich dadurch ein strukturelles Problem“, warnte Bentele jedoch. „Ihre Teilhabe an Bildung wird zunehmend erschwert.“ Dabei hob sie das Bürgergeld hervor: „In der Grundsicherung reichen die derzeitigen Regelsätze und die ergänzenden Bedarfe im Bildungs- und Teilhabepaket vielfach nicht aus.“ Sie seien „realitätsfern, veraltet und nicht an die Lebensrealität der Menschen angepasst“, so das Urteil der Sozialverbandschefin.
Bürgergeld-Regelsatz sieht nur sehr wenig für Bildung vor
2025 hat es beim Bürgergeld eine sogenannte Nullrunde gegeben, der Regelsatz ist im Vergleich zu 2024 also gleich geblieben. Auch kleine Preissteigerungen machen damit einen Unterschied. Auch 2026 bleiben die Regelsätze nach Erwartung von verschiedenen Fachleuten gleich.
Der Bürgergeld-Regelsatz enthält zwar einen Anteil für Bildung, doch dieser ist mit 0,36 Prozent angegeben, was bei 563 Euro für Alleinlebende 2,03 Euro entspricht. Da der Regelsatz jedoch ohnehin knapp bemessen ist und laut einer Umfrage des Vereins Sanktionsfrei die Hälfte der Eltern zugunsten ihrer Kinder auf Essen verzichtet, ist das jedoch nicht ausreichend, weil es für den täglichen Bedarf genutzt werden muss.
Leistungen für Bildung und Teilhabe soll Bildung von armutsbetroffenen Kindern sichern
Ergänzend haben Familien und Alleinerziehende mit Kindern die Möglichkeit, die Leistungen für Bildung und Teilhabe zu nutzen. Diese Option steht Bürgergeld-Beziehenden, aber auch Erwerbstätigen mit geringen Einkommen zu, die Kinderzuschlag erhalten. Die Leistungen aus dem sogenannten Bildungspaket zahlt die jeweilige Kommune aus. Das sieht etwa die Erstattung von Nachhilfestunden vor.
Entscheidender ist dabei der Zuschuss für den persönlichen Schulbedarf. Dabei erhalten die Bedürftigen für ihr Kind zum 1. Februar und 1. August jeweils einen Zuschuss. Im Kalenderjahr 2025 beträgt dieser insgesamt 195 Euro – wobei 130 Euro für das erste, und 65 Euro für das zweite Schulhalbjahr gezahlt werden.
Schulbedarf-Zuschuss bleibt wegen Bürgergeld-Nullrunde gleich: „Verstärkt Benachteiligung“
Der Zuschuss wird mit der jeweiligen Fortschreibung des Regelbedarfs angepasst. Bedeutet jedoch: Wenn es eine Nullrunde beim Bürgergeld gibt, bleibt auch die Unterstützung für Schulsachen gleich, unabhängig von der Preisentwicklung. „Eine weitere Nullrunde bei der Höhe der Regelsätze und damit auch bei den Schulbedarfen ist nicht hinnehmbar“, warnte deshalb Bentele.
Die drohende Bürgergeld-Nullrunde verstärke laut Bentele „die seit Jahren bestehende Benachteiligung von Kindern aus einkommensschwachen Familien und trifft sie doppelt: durch sinkende Kaufkraft und eingeschränkte Teilhabechancen.“ Dabei gibt es bereits jetzt Kritik an der Höhe der Leistungen für Bildung, sie reichten „hinten und vorne nicht“, hatte etwa Wolfgang Büscher, Sprecher der Arche Kinderstiftung, IPPEN.MEDIA gesagt.
Chancen für Kinder verschlechtern sich, je länger der Bürgergeld-Bezug dauert
Dabei sind die Chancen der Kinder aus Bürgergeld-Familien schon jetzt geringer. Sie haben häufig schlechtere Abschlüsse, machen seltener eine Ausbildung, wie eine Auswertung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt. Der Trend verstärkt sich, je länger die Familie vom Bürgergeld abhängig war. Damit besteht die Gefahr, dass sie selbst in die Erwerbslosigkeit rutschen.
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