Anders als beim Fahrzeugbauer Orten aus Bernkastel-Kues, der vom indischen Konzern Trentar Mobility GmbH aus strategischen Gründen übernommen wurde, ging es beim Tailfinger Konzern um weitaus drastischere Gründe: Die SMS Maschinenbau GmbH hatte am 1. Mai wegen finanziellen Schwierigkeiten ein sogenanntes Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung eröffnet.
Chinesischer Investor übernimmt alle 74 Mitarbeiter
Abhilfe kommt nun von Hengerda New Materials Co., Ltd. aus Fujian in China. Der börsennotierte Neuinvestor übernimmt den Geschäftsbetrieb nach mehreren Wochen Verhandlungen. Ändern wird sich dadurch kurzfristig gar nicht so viel: Alle 74 Mitarbeiter von SMS Maschinenbau werden nach Angaben des Insolvenzverwalters PLUTA, der die Firma aus Tailfingen berät, vollständig übernommen. Auch der Gründer und bisherige Geschäftsführer Norbert Schmitz bleibt dem Betrieb demnach in beratender Rolle erhalten.
Der vom Amtsgericht Hechingen bestellte Sachwalter Martin Mucha freute sich über die Einigung: „Gemeinsam haben wir eine Lösung gefunden, die die Zukunft des Betriebs sichert, Arbeitsplätze erhält und Gläubigerinteressen wahrt – das ist keine Selbstverständlichkeit.“ Auch PLUTA-Rechtsanwalt Stefan Warmuth betonte, die nun erzielte Investorenvereinbarung biete SMS Maschinenbau die Chance, weiter langfristig am Markt zu agieren.
Die SMS Maschinenbau GmbH wurde 1995 gegründet und spezialisiert sich auf die Entwicklung und Herstellung von Profil- und Gewindeschleifmaschinen. Das Know-How zur Steuerungs- und Schleiftechnik wird neben Neumaschinen auch für sogenannte Retrofits, also die Modernisierung und Nachrüstung von bestehenden Anlagen, eingesetzt. Neben deutschen Mittelständlern beliefert sie auch den europäischen und asiatischen Markt.
Mit Hengerda New Materials haben die Schwaben zumindest eins gemeinsam: das Gründungsjahr. Denn auch der chinesische Konzern wurde 1995 ins Leben gerufen. Er ist auf Metallschneidewerkzeuge spezialisiert, verzeichnet einen Jahresumsatz von über 70 Millionen Euro, beschäftigt mehr als 800 Mitarbeiter und ist seit 2021 an der Shenzhener Börse notiert. Den hohen Wachstumsanspruch hat das Unternehmen auch mit Blick auf SMS Maschinenbau. Director Junfeng Fang erklärte, er sehe viel Potenzial: „Unsere Investition ist langfristig ausgelegt und wir werden in den Standort in Baden-Württemberg investieren.“
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SMS Maschinenbau bleibt von Insolvenz-Welle verschont
Für SMS Maschinenbau ist die Übernahme aus China ein echter Segen: Damit wird das Ende des Betriebs verhindert – ein Schicksal, das zurzeit mehrere Unternehmen aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ereilt. Etwa die Familienmetzgerei Kübler oder der Möbelhersteller Nolte. Besonders im Maschinenbau-Sektor mussten in den vergangenen Monaten zahlreiche Firmen aus dem Südwesten Insolvenz anmelden und Mitarbeiter entlassen, beispielsweise die J.G. Weisser Söhne GmbH, der Maschinen- und Anlagenbauer Matec oderdie Sauter Feinmechanik GmbH.