Von Insolvenzwelle verschont

Chinesischer Konzern übernimmt deutschen Maschinenbauer – was bedeutet das für die Mitarbeiter?

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Ein chinesisches Börsenunternehmen erwirbt einen Maschinenbauer aus Baden-Württemberg. Ein Ende des Betriebs ist somit abgewendet.

Albstadt – Erst vor kurzem wurde ein traditionsreicher Familienbetrieb aus Rheinland-Pfalz von indischen Investoren übernommen – eine ähnliche Situation ergibt sich nun für ein kleines Maschinenbau-Unternehmen aus Baden-Württemberg: die Firma SMS Maschinenbau aus Tailfingen bei Albstadt gehört ab sofort einem chinesischen Unternehmen. Der Kaufvertrag wurde von den Verantwortlichen am 8. Mai unterzeichnet.

Anders als beim Fahrzeugbauer Orten aus Bernkastel-Kues, der vom indischen Konzern Trentar Mobility GmbH aus strategischen Gründen übernommen wurde, ging es beim Tailfinger Konzern um weitaus drastischere Gründe: Die SMS Maschinenbau GmbH hatte am 1. Mai wegen finanziellen Schwierigkeiten ein sogenanntes Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung eröffnet.

Chinesischer Investor übernimmt alle 74 Mitarbeiter

Abhilfe kommt nun von Hengerda New Materials Co., Ltd. aus Fujian in China. Der börsennotierte Neuinvestor übernimmt den Geschäftsbetrieb nach mehreren Wochen Verhandlungen. Ändern wird sich dadurch kurzfristig gar nicht so viel: Alle 74 Mitarbeiter von SMS Maschinenbau werden nach Angaben des Insolvenzverwalters PLUTA, der die Firma aus Tailfingen berät, vollständig übernommen. Auch der Gründer und bisherige Geschäftsführer Norbert Schmitz bleibt dem Betrieb demnach in beratender Rolle erhalten.

Der vom Amtsgericht Hechingen bestellte Sachwalter Martin Mucha freute sich über die Einigung: „Gemeinsam haben wir eine Lösung gefunden, die die Zukunft des Betriebs sichert, Arbeitsplätze erhält und Gläubigerinteressen wahrt – das ist keine Selbstverständlichkeit.“ Auch PLUTA-Rechtsanwalt Stefan Warmuth betonte, die nun erzielte Investorenvereinbarung biete SMS Maschinenbau die Chance, weiter langfristig am Markt zu agieren.

Der Region Albstadt bleibt ein Maschinenbau-Unternehmen erhalten: Die SMS Maschinenbau GmbH kann ihren Betrieb in Tailfingen fortführen.

Maschinenbau aus Tailfingen und Fujian seit 1995

Die SMS Maschinenbau GmbH wurde 1995 gegründet und spezialisiert sich auf die Entwicklung und Herstellung von Profil- und Gewindeschleifmaschinen. Das Know-How zur Steuerungs- und Schleiftechnik wird neben Neumaschinen auch für sogenannte Retrofits, also die Modernisierung und Nachrüstung von bestehenden Anlagen, eingesetzt. Neben deutschen Mittelständlern beliefert sie auch den europäischen und asiatischen Markt.

Die CNC-Technik, wie bei dieser Maschine auf der IHM in München, nutzt auch SMS Maschinenbau für seine Gewindeschleifmaschinen.

Mit Hengerda New Materials haben die Schwaben zumindest eins gemeinsam: das Gründungsjahr. Denn auch der chinesische Konzern wurde 1995 ins Leben gerufen. Er ist auf Metallschneidewerkzeuge spezialisiert, verzeichnet einen Jahresumsatz von über 70 Millionen Euro, beschäftigt mehr als 800 Mitarbeiter und ist seit 2021 an der Shenzhener Börse notiert. Den hohen Wachstumsanspruch hat das Unternehmen auch mit Blick auf SMS Maschinenbau. Director Junfeng Fang erklärte, er sehe viel Potenzial: „Unsere Investition ist langfristig ausgelegt und wir werden in den Standort in Baden-Württemberg investieren.“

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Die Zentrale der Schwarz-Gruppe, derSchwarz Finanz und Beteiligungs GMBH & Co. KG und derLIDL Stiftung & Co. KG in Neckarsulm.
Sagt Ihnen die Schwarz-Gruppe etwas? Der Mischkonzern ist mit 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Marijan Murat/dpa
Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Weltweit bekannt sind die Discounter Lidl und Kaufland, die zur Schwarz-Gruppe gehören, aber dennoch Konkurrenten sind.  © Christian Johner/dpa
Die Hinterhof-Werkstatt von Robert Bosch, die er in den Jahren 1897 bis 1901 in der Kanzleistraße 22 in Stuttgart betrieb.
In diesem Hinterhof in Stuttgart wurde der größte Industriekonzern Baden-Württembergs gegründet. Wissen Sie welcher?  © Robert Bosch GmbH
Das Logo des Industriekonzerns Bosch ist an der Hauptverwaltung zu sehen.
Richtig: Die Robert Bosch GmbH mit weltweit 417.900 Mitarbeitern.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Werk der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 1908.
Wir bleiben historisch: Daimler-Motoren-Gesellschaft, Daimler-Benz, DaimlerChrysler, Daimler AG und heute... © Mercedes-Benz AG – Communications
Der Besuchereingang an der Mercedes-Benz Konzernzentrale in Stuttgart-Untertürkheim.
... Mercedes-Benz Group: Der Stuttgarter Autokonzern mit weltweit rund 175.000 Mitarbeitern darf hier nicht fehlen.  © Corporate Communication (MS/CC)
Die Stadt Friedrichshafen liegt am Bodensee, während im Hintergrund die Alpen in der Schweiz und in Österreich zu sehen sind.
Von Stuttgart an das Bodenseeufer: Hier hat ein weiterer global bedeutender Technologiekonzern seinen Hauptsitz.  © Felix Kästle/dpa
Das Forum der ZF Friedrichshafen wird von der Abendsonne angestrahlt.
Die ZF Friedrichshafen ist mit über 161.600 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer der Welt.  © Felix Kästle/dpa
Blick auf Gebäudeteile der Firmenzentrale des Software-Unternehmens SAP in Walldorf.
Darüber hinaus hat auch das wertvollste Unternehmen Europas seinen Sitz in Baden-Württemberg.  © Uwe Anspach/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
Genau, die SAP: der Softwarekonzern beschäftigt weltweit mehr als 109.000 Mitarbeiter. Nun geht es aber zurück in die Industrie.  © Uwe Anspach/dpa
Ein Mitarbeiter putzt vor der Präsentation den Mercedes-Stern des neuen Fernverkehrs-Lkw eActros 600.
Mercedes hatten wir doch schon in der Liste! Richtig, es gibt aber noch ein Unternehmen, das dieses legendäre Logo tragen darf.  © Jonas Walzberg/dpa
Ein Mercedes-Benz Lastwagen steht vor der Zentrale von Daimler Truck.
Daimler Truck gilt mit rund 102.900 Mitarbeitern als größter Nutzfahrzeughersteller der Welt.  © Bernd Weißbrod/dpa
Influencerin Pamela Reif (l) kassiert in einer dm Filiale für einen guten Zweck.
Na gut, ein Export-Schlager aus Karlsruhe darf auch nicht fehlen. Und damit ist nicht Influencerin Pamela Reif gemeint.  © Christoph Schmidt/dpa
Eine dm-Filiale in Homburg, Saarland.
Sondern dm. Die Drogeriemarktkette gilt mit 4.100 Filialen und knapp 90.000 Mitarbeitern als größte der Welt. © IMAGO/Lobeca
Eine Zweigstelle von Würth in Kempten im Allgäu, Bayern.
Wenn wir schon bei Superlativen sind: Auch das weltgrößte Unternehmen für Befestigungstechnik hat seinen Sitz im Ländle.  © IMAGO/imageBROKER/Manfred Bail
Der Konzernsitz der Würth-Gruppe in Künzelsau, Baden-Württemberg.
Würth: Aus einem Schraubenhandel in Künzelsau entwickelte sich ein Weltkonzern mit heute über 88.000 Mitarbeitern. © IMAGO/Arnulf Hettrich
Arnd Franz, der Vorstandsvorsitzende des Automobilzulieferers Mahle, betrachtet bei der Bilanz-Pressekonferenz am Stammsitz in Stuttgart ein Gravel-Bike mit einem Mahle Antrieb.
Ein bekannter Fahrrad-Hersteller aus Baden-Württemberg? Nein, hier geht es um den Antrieb.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen.
Autozulieferer Mahle, der natürlich nicht nur Fahrrad-Antriebe baut, beschäftigt weltweit knapp 70.000 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Die Werkszentrale von Freudenberg in Weinheim.
Freudenberg? Hier geht es nicht um die bayerische Gemeinde, sondern um einen echten Hidden Champion. © Ronald Wittek/dpa
: Ein Putzgerät der Marke Vileda liegt im Showroom des Technologiekonzerns Freudenberg.
Der Freudenberg-Konzern beschäftigt mehr als 52.000 Mitarbeiter und ist vor allem für die Marke Vileda bekannt.  © Uwe Anspach/dpa
Eine Firmenlogo des Baustoffkonzerns „Heidelberg Materials“, ehemals „HeidelbergCement“, ist an einem vor der Firmenzentrale geparkten Betonmischer angebracht.
Von Reinigungsprodukten zum weltgrößten Baustoffhersteller? So ist das halt mit Listen, die nach Mitarbeiterzahl geordnet sind.  © Uwe Anspach/dpa
Firmenzentrale des börsennotierten Baustoffkonzerns Heidelberg Materials in Heidelberg, Baden-Württemberg.
Heidelberg Materials, ehemals unter anderem HeidelbergCement, beschäftigt rund 51.000 Mitarbeiter auf fünf Kontinenten.  © IMAGO/Udo Herrmann
Eine Mitarbeiterin geht im Lager des Pharma-Großhändlers Phoenix in Gotha (Thüringen) zwischen Regalen entlang.
Und was wird hier gelagert? Schrauben, Werkzeuge? Nein, Pharmazubehör - und Ausrüstung.  © Martin Schutt/dpa
Ein Firmenschild mit dem Unternehmenslogo steht vor der Firmenzentrale des Pharmahändlers Phoenix.
Der Pharmagroßhändler Phoenix Pharma mit Hauptsitz in Mannheim beschäftigt über 48.000 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa
Das Logo des Optikkonzerns Zeiss auf Flaggen vor dem Firmensitz (links). Das Wappen von Sportwagenbauer Porsche (rechts).
Weitere große Unternehmen sind Zeiss (rund 46.000 Mitarbeiter) und der Sportwagenbauer Porsche (mehr als 42.000 Angestellte).  ©  IMAGO/CHROMORANGE & Marijan Murat/dpa

SMS Maschinenbau bleibt von Insolvenz-Welle verschont

Für SMS Maschinenbau ist die Übernahme aus China ein echter Segen: Damit wird das Ende des Betriebs verhindert – ein Schicksal, das zurzeit mehrere Unternehmen aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ereilt. Etwa die Familienmetzgerei Kübler oder der Möbelhersteller Nolte. Besonders im Maschinenbau-Sektor mussten in den vergangenen Monaten zahlreiche Firmen aus dem Südwesten Insolvenz anmelden und Mitarbeiter entlassen, beispielsweise die J.G. Weisser Söhne GmbH, der Maschinen- und Anlagenbauer Matec oder die Sauter Feinmechanik GmbH.

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