Zweite Krise innerhalb weniger Jahre

Chinesisches Elektroauto-Startup: Überlebenskampf trotz Absatzrekorden

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Der Absatz des chinesischen Autobauers wächst, erfüllt aber offenbar nicht die Erwartungen. Der Firmenchef sieht das Überleben als oberstes Ziel.

Shanghai – Auf dem Markt für Elektroautos in China tummeln sich zahlreiche große und kleine Hersteller. Wie t-online berichtet, konkurrieren 129 Marken im sogenannten NEV-Segment – das umfasst reine Elektroautos, Plug-in-Hybride, Fahrzeuge mit Range Extender und Brennstoffzellen-Fahrzeuge – um Kunden. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens AlixPartners sollen bis 2030 nur noch 15 davon übrig sein.

Chinesische Autobauer Nio kämpft ums Überleben: Zweite Krise innerhalb weniger Jahre

Eines der Unternehmen auf der Verliererseite könnte Nio sein. Der E-Autobauer steckte bereits vor wenigen Jahren in einer tiefen Krise. Laut einem Bericht der Computerbild handelte das Unternehmen Anfang 2020 mit der ostchinesischen Millionenstadt Hefei eine Finanzspritze in Höhe von über zehn Milliarden Yuan (1,3 Milliarden Euro) aus.

Nun droht dem Unternehmen erneut die Pleite. So lassen sich zumindest Äußerungen von William Li deuten. Im Rahmen der Vorstellung des neuen ES8 sprach der Nio-CEO davon, dass das Unternehmen um das Überleben kämpfe und dies derzeit oberste Priorität habe.

Nio-Chef William Li sieht den Überlebenskampfs des E-Autobauers als oberste Priorität an.

Der Nio-CEO erklärte auch die Hintergründe der deutlichen Preissenkung für die neue Generation seines Flaggschiff-SUVs. „Wir haben den Preis des ES8 dorthin gebracht, wo er sein sollte“, sagte er laut CarNewsChina. Die Preisanpassung sei keine kurzfristige Maßnahme, sondern das Ergebnis der Anpassungsfähigkeit von Nio.

Chinesische Autobauer Nio kämpft ums Überleben: Preissenkung stößt auf Kritik von Bestandskunden

Die dritte Generation des 2018 eingeführten ES8 kann seit Ende August vorbestellt werden und kostet mit einer 100-kWh-Batterie ab 416.800 Yuan (etwa 49.800 Euro). Damit ist er rund 25 Prozent günstiger als das Vorgängermodell. Die BaaS-Version (Battery as a Service), bei der die Batterie nicht im Preis inbegriffen ist, kostet 308.800 Yuan (36.900 Euro). Der endgültige Einführungspreis am Nio Day Ende September könnte sogar unter 300.000 Yuan (gut 35.800 Euro) liegen.

Ein strikter Sparkurs macht die Preissenkung möglich. So seien Lieferantenverträge neu verhandelt und die Beschaffungskosten gesenkt worden, erklärte Li. Zudem seien die Kosten für Forschung und Entwicklung auf mehrere Modelle verteilt worden. Vor allem die Einsparungen durch den neuen Shenji-NX9031-5-nm-Chip, der den Nvidia Orin X des Vorgängers ersetzt, betonte der CEO. Dadurch habe man „wirklich viel Geld gespart”.

Li ging auch auf die Kritik von Bestandskunden an den neuen, niedrigeren Preisen ein. „Nio muss das Gesamtbild im Blick behalten, denn das Überleben ist das Wichtigste.“ Die neue Preisgestaltung verletze vielleicht kurzfristig die Gefühle einiger bestehender Kunden, langfristig werde diese Preisstrategie Nio jedoch dabei helfen, „die Wettbewerbsfähigkeit auf dem hart umkämpften Markt zu stärken“.

Chinesische Autobauer Nio kämpft ums Überleben: Absatz liegt hinter den Plänen

Für das neue Modell benötigt Nio einen guten Verkaufsstart. Denn die Zahlen für das erste Halbjahr verheißen nichts Gutes, wie eine Aufstellung von CarNewsChina zu den Auslieferungen verschiedener Start-ups und den Prognosen für das Gesamtjahr zeigt. Demnach beabsichtigt Nio, in diesem Jahr insgesamt 440.000 Fahrzeuge zu verkaufen, nach 230.000 Einheiten im Jahr 2024. In den ersten sechs Monaten wurden aber nur 114.150 Fahrzeuge abgesetzt, was lediglich rund 26 Prozent der für das Gesamtjahr erwarteten Verkäufe entspricht.

Allerdings stehen andere Hersteller noch schlechter da. So hat IM Motors im ersten Halbjahr erst 18,4 Prozent des erwarteten Gesamtjahresabsatzes erzielt. Bei HIMA lag die Quote bei 20,4 Prozent. Mit Xpeng gibt es nur einen Hersteller, der seine Auslieferungsziele übertrifft.

Von Audi bis Jaguar: Diese Autos wurden 2024 bereits eingestellt

Renault Megane in Blau
Renault Mégane: Seit knapp 30 Jahren bauen die Franzosen den Kompaktwagen. Er ist damit ein absoluter Dauerbrenner. Doch für den Verbrenner ist nun Schluss! Die elektrische Version mit dem Namenszusatz E-Tech darf jedoch weiterleben. © Renault
Ein Renault Zoe.
Renault Zoe: Obwohl der Kleinwagen rein elektrisch unterwegs ist, sind seine Tage nach knapp zehn Jahren gezählt. Damals war der Zoe eines der ersten elektrischen Massenmodelle. In seine Fußstapfen tritt Ende des Jahres der 5. Damit verabschiedet Renault ein Modell und holt den Namen eines anderen sehr erfolgreichen Pkw wieder zurück. © Renault
Kia e-Soul.
Kia e-Soul: Und auch ein weiterer Wegbereiter der Elektromobilität verschwindet vom deutschen Markt. Und auch hier füllt ein anderes Modell die Lücke. Der Kia EV3 soll den e-Soul beerben. Die Gründe liegen auf der Hand: Der EV3 ist günstiger und bietet mehr Leistung als der e-Soul. Mit der veralteten Technologie und dem unkonventionellen Design war der e-Soul in Deutschland nie besonders beliebt. 2023 wurden lediglich 556 Einheiten in Deutschland verkauft. © Kia
Smart ForTwo EQ.
Smart ForTwo EQ: Der Abschied des Kleinstwagen kommt alles andere als unvorbereitet. Er ist die Folge der Neuausrichtung der Marke an sich. Nach 25 Jahren ist seit Ende März endgültig Schluss. Ein neuer Zweisitzer ist aber in Planung und könnte 2026 auf den Markt kommen. © Mercedes-Benz
Mitsubishi Space Star.
Mitsubishi Space Star: Mit dem Japaner stirbt ein weiterer Kleinwagen den Modelltod. Mitsubishi begründet das Aus des Space Star mit steigenden Anforderungen an Assistenzsysteme und Cybersicherheit. © Mitsubishi
Volvo S60
Volvo S60: Ein kompletter Abschied ist das eigentlich nicht. Denn der S60 soll ab 2025 in China und der Türkei weiter angeboten und gebaut werden. In Deutschland ist er dann jedoch nicht mehr erhältlich. Der Kombi V60 hingegen vermutlich schon. © Volvo
Ein Peugeot 508 Hybrid lädt an einer Wallbox
Peugeot 508: Und auch bei den Franzosen muss ein Mittelklassemodell gehen. Mit dem 508 trat Peugeot gegen den VW Passat und den Audi A4 an. Anfang 2023 spendierte man dem 508 noch einmal ein Facelift. Hier erwischt es neben der Limousine aber auch den Kombi. Diese gibt es schon jetzt nur noch als Plug-in-Hybride. Ende des Jahres ist dann Schluss. © Peugeot
Maserati Levante
Maserati Levante: Im Jahr 2016 war der Levante der erste SUV der Nobelmarke aus Italien. Sieben Jahre später heißt es frei nach Andrea Bocelli: Time to say Goodbye. Die Produktion lief bereits im März aus. Einen Nachfolger soll es ab 2027 geben. Natürlich rein elektrisch! © Maserati
Ein Jaguar F-Type.
Jaguar F-Type: Mit einem finalen Sondermodell schicken die Briten den Sportwagen in seinen wohlverdienten Ruhestand. Das letzte Exemplar wird im Markenmuseum ausgestellt. Doch auch andere Modellreihen werden nur noch abverkauft. Jaguar stellt nämlich konsequent auf Elektro um und verkauft vorerst keine Neuwagen mehr. © Jaguar
Audi R8
Audi R8: Sportwagen kann man auch in Ingolstadt. Das hat Audi mehrfach beweisen und mit dem R8 im GT-Bereich zahlreiche Rennen und Titel gewonnen. Und auch auf der normalen Straße war der Sportwagen eine Ikone. Im März 2024 verließen die letzten Exemplare die Manufaktur Böllinger Höfe in Heilbronn. Insgesamt wurde der R8 seit 2006 45.949 Mal gebaut.  © Audi

Chinesische Autobauer Nio kämpft ums Überleben: Trotz steigender Absätze bleibt ein Nettoverlust

Auch die von Nio veröffentlichten Geschäftszahlen für das erste Quartal sind wenig vielversprechend. Demnach stieg der Absatz in den ersten drei Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 40,1 Prozent auf 42.094 Fahrzeuge. Da dieses Plus vor allem der günstigeren Marke Onvo zu verdanken war, erhöhte sich der Gesamtumsatz jedoch nur um 21,5 Prozent auf rund zwölf Milliarden Yuan (1,46 Milliarden Euro).

Dennoch meldet das Unternehmen für die ersten drei Monate einen Nettoverlust von 6,75 Milliarden Yuan (818 Millionen Euro). Das sind 30,2 Prozent mehr als im ersten Quartal 2024. Die Zahlen für das zweite Quartal will das Unternehmen am 2. September veröffentlichen.

Rubriklistenbild: © Johannes Neudecker/dpa

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