VonPatrick Freiwahschließen
Handelt es sich bei der Wärmepumpe um die Heizmethode der Zukunft? Die öffentliche Debatte wird befeuert von Halbwahrheiten, findet der Chef eines großen deutschen Heizungsbauers.
München - Das jüngst beschlossene neue Heizungsgesetz verspricht umfangreiche Förderungen für jene Personen, welche ihre Energieversorgung auf eine Wärmepumpe ein- oder umstellen. Doch ist die Heizmethode nicht unumstritten: In der öffentlichen Debatte gibt es auch Stimmen, welche die Subventionen der KfW kritisch sehen und die Heizmethode nicht für eine fortschrittliche Technologie im Sinne von Nachhaltigkeit halten. Der Chef von Vaillant, einem großen deutschen Heizungsbauer, nahm in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Stellung.
Für Norbert Schiedeck sind Wärmepumpen eine äußerst effiziente Möglichkeit der Energiegewinnung: „(...)Wärmepumpen können aus einer Einheit elektrischer Energie die vierfache Energiemenge an Wärme zum Heizen erzeugen – eine sehr effiziente und umweltfreundliche Technologie.“ Er bezeichnet gegenüber der Zeitung die Wärmepumpe als „Schlüsseltechnologie“ bei der Energiewende, wohingegen Meldungen über fehlende Effizienz und Nachteile bezüglich Stromverbrauch ihm zufolge „Unsinn“ seien.
Wärmepumpen für Chef von Heizungsbauer „Spielball politischer Debatten“
Für Vaillant-Chef Schiedeck ist die Wärmepumpe nicht nur bei Neubauten das geeignete Mittel, auch bei Bestandsbauten würde sich der Einbau von Wärmepumpen lohnen. Bei der Betrachtung der Alternativen würde man feststellen, dass die Wärmepumpe „in den meisten Fällen die beste Lösung zur CO2-freien Beheizung von Gebäuden“ ist. Während es im Ausland angeblich derartige Diskussionen über die Tauglichkeit von Wärmepumpen nicht gebe, sei diese Heizform hierzulande zum „Spielball politischer Debatten“ geworden.
Ob das damit zu tun hat, dass die deutsche Bevölkerung die höchsten Strompreise in Europa stemmen muss? Gut möglich. Etwas zurückhaltend klingt die Einschätzung des Geschäftsführers, wenn er sagt, dass es sich für „bis zu 70 Prozent der Gebäude“ um eine umweltfreundliche Lösung handele. Auch Hybridheizungen mit grünem Gas seien seiner Meinung nach passabel - an kälteren Tagen wird die Wärmepumpe von einer Gasheizung unterstützt, wodurch sich der CO2-Ausstoß erheblich reduzieren soll.
Effizienz einer Wärmepumpe: Verbraucherzentrale erläutert Einschränkung
Im Kaufverhalten sehen Heizungsbauer wie Vaillant durchaus die Wirkung der anhaltenden Debatten und Unsicherheit bei den Verbrauchern. „Mittel- und langfristig gehe ich aber von einer weiter steigenden Marktnachfrage aus“, prognostiziert Schiedeck. Ohne zielgerichtete Förderung seitens Staat hält der Verantwortliche dieses Unterfangen offenbar für unrealistisch.: „(...)Der Unterschied zwischen Strom- und Gaspreis muss unbedingt so gestaltet sein, dass der Betrieb einer Wärmepumpe für den Verbraucher einen wirtschaftlichen Vorteil darstellt.“
Wie ist es um die Effizienz einer Wärmepumpe bestellt, wenn es nach der Verbraucherzentrale geht? Es komme auf die jeweilige Anlage an, in Verbindung mit der energetischen Situation des Hauses: „Wärmepumpen gewinnen Wärme aus der Umgebungsluft, dem Grundwasser oder dem Erdreich. Das macht ein System aber noch nicht klimafreundlich. Denn Wärmepumpen brauchen viel Strom und dieser kommt immer noch zum großen Teil aus klimaschädlichen Kohlekraftwerken.“
Je mehr Strom aus erneuerbaren Energien generiert wurde, desto klimafreundlicher wird den Experten zufolge jedes Gerät. Im Hinblick auf Preis und Kosten einer Wärmepumpe gilt: „Viele Gebäude müssten vor dem Umstieg erst energetisch saniert werden“ - sonst würde sich die Maßnahme kostentechnisch keineswegs rentieren. Es komme also letztlich auf den Einzelfall an.
Wärmepumpe: Vaillant-Chef über Mega-Deal der Konkurrenz
Der deutsche Konkurrent Viessmann sorgte kürzlich für Aufsehen, weil der Anbieter sein Wärmepumpen-Geschäft in einem Milliarden-Deal an einen US-amerikanischen Konzern verkaufte. Für Vaillant ist eine Veräußerung dieser Sparte offenbar kein Thema, bekundet Schiedeck. Stattdessen soll der Absatz von Wärmepumpen auch künftig eine große Rolle spielen: „Unser Ziel ist es, auch nach der Wärmewende der führende Heizungsanbieter in Europa zu sein“, führt er in der F.A.Z. aus.
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Die Konkurrenz aus Asien analog zu anderen Branchen wie der Autoindustrie fürchtet der Vaillant-Verantwortliche eigenen Angaben zufolge nicht: „Der größte Teil einer Wärmepumpe ist reine Heizungshydraulik, und die beherrschen die europäischen Hersteller und Installationsbetriebe seit Jahrzehnten.“
Derweil warnt der Chef von Stromgigant Eon: „Der Strompreis wird sich auf immer mehr Güter auswirken.“ (PF)
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