VonSteffen Herrmannschließen
Im Tarifstreit mit der Lokführergewerkschaft GDL will die Deutsche Bahn in der ersten Runde ein Angebot vorlegen, wie aus Kreisen zu hören ist.
Wenn die Verhandlungsteams der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL an diesem Donnerstag zum ersten Mal in Berlin aufeinandertreffen, stehen die Zeichen auf Streik. GDL-Chef Claus Weselsky hat in den vergangenen Wochen keine Zweifel daran gelassen, dass er schnell eine Urabstimmung unter den Mitgliedern durchführen will. Streiks in der Advents- und Weihnachtszeit wären die Folge.
Das will die Deutsche Bahn verhindern. Am Donnerstag wird sie der Lokführergewerkschaft und ihrem Chef Weselsky deshalb ein Angebot vorlegen, wie die FR aus Kreisen erfuhr. Ein Angebot in der ersten Runde eines Tarifkonflikts ist ungewöhnlich, üblicherweise tasten sich beide Seiten im ersten Treffen ab.
„Das beste Friedensangebot wäre ein Angebot bei den Verhandlungen am 9. November, das auf unsere Forderungen eingeht“, hatte Weselsky im FR-Interview mit Blick auf Streiks in der Weihnachtszeit gesagt. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass die Deutsche Bahn alle Forderungen der GDL erfüllen wird.
Deutsche Bahn und Gewerkschaft GDL verhandeln von Freitag an
Die Gewerkschaft fordert 555 Euro mehr pro Monat sowie eine Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 3000 Euro. Der Tarifvertrag soll zwölf Monate laufen. Außerdem soll die Wochenarbeitszeit von 38 auf 35 Stunden sinken – bei vollem Lohnausgleich. Damit will Weselsky den Beruf attraktiver machen.
DB-Personalvorstand Martin Seiler hatte die GDL-Forderungen zurückgewiesen und vorgerechnet, dass sie Kostensteigerungen von mehr als 50 Prozent für den Staatskonzern bedeuteten. Außerdem müsste die Bahn „im Schichtdienst rund 10 000 Mitarbeiter zusätzlich einstellen“, sagte Seiler kürzlich in Berlin.
Lokführergewerkschaft GDL konkurriert mit größerer EVG
Zunächst ist nur ein Verhandlungstermin zwischen Bahn und GDL angesetzt. Die Gewerkschaft vertritt rund 10 000 Beschäftigte. Ihre Tarifverträge gelten in 18 Betrieben der Deutschen Bahn.
Die GDL konkurriert mit der deutlich größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) innerhalb der Deutschen Bahn um Mitglieder. Die EVG hatte im Frühjahr und Sommer mit der Deutschen Bahn einen neuen Tarifvertrag ausgehandelt. Dabei kam es zu mehreren Streiks, erst eine Schlichtung konnte den Tarifstreit beenden.
