Deutsche gehen immer später in Rente – Trend bei einer Gruppe besonders deutlich
VonMax Schäfer
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Die Deutschen arbeiten immer länger und gehen immer später in Rente. Besonders eine Gruppe arbeitet deutlich länger. Trotzdem gibt es Streit um die Regelaltersgrenze.
Berlin – Die Deutschen gehen immer später in Rente. Im vergangenen Jahr sind versicherte Beschäftigte mit durchschnittlich 64,7 Jahren aus dem Erwerbsleben ausgeschieden und in den Ruhestand gewechselt. Im Vergleich zu 2023 ist das Renteneintrittsalter damit weiter um durchschnittlich 0,3 Jahre angestiegen, wie aus dem am Donnerstag, 28. August, veröffentlichten Jahresbericht der Deutschen Rentenversicherung (DRV) hervorgeht.
Deutsche gehen immer später in Rente: Besonders Frauen arbeiten länger
Die Entwicklung spiegelt damit den Anstieg der gesetzlichen Regelaltersgrenze. Diese steigt derzeit schrittweise an – bis sie 2031 die Zielmarke von 67 Jahren erreicht. Diese gilt zuerst für den Jahrgang 1964. Im vergangenen Jahr lag das reguläre Rentenalter dagegen bei 66 Jahren und vier Monaten. In den kommenden Jahren steigt es um jeweils zwei Monate. Im Jahr 2000 lag das Durchschnittsalter laut dem Portal Ihre-Vorsorge.de bei 62,3 Jahren.
Nicht das Renteneintrittsalter, jedoch die Zahl der bis dahin gesammelten Beitragsjahre, ist besonders bei Frauen deutlich gestiegen. 2004 kamen sie laut Ihre-Vorsorge.de auf durchschnittlich 26,3 Versicherungsjahre. 2024 sind es bereits 37,7 Jahre. „Ein wichtiger Grund für den Anstieg ist besonders die erhöhte Erwerbsbeteiligung westdeutscher Frauen“, erklärt die DRV den Anstieg. Dennoch falle sie weiterhin geringer aus als bei den ostdeutschen Frauen.
Trotz längerer Arbeitszeit: Ökonomen und Politiker fordern späteren Rentenbeginn
Eine weitere Ursache für den längeren Versicherungszeitraum ist der Wegfall der Möglichkeit, die Altersrente bereits ab dem 60. Lebensjahr zu beziehen. Weitere Gründe sind laut Einschätzung der Fachleute die „erhöhte Anrechnung von Kindererziehungszeiten durch die sogenannte Mütterrente sowie das Anheben der Altersgrenzen“.
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Trotz der Entwicklung und obwohl die Zielmarke von 67 Jahren noch nicht erreicht ist, steht die Regelaltersgrenze für die gesetzliche Rente erneut zur Debatte. Viele Fachleute wie der Sachverständigenrat für die wirtschaftliche Entwicklung – die umgangssprachlichen Wirtschaftsweisen – sprechen sich für eine Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung aus. Perspektivisch ist damit die Rente mit 70 Jahren in Aussicht.
Merz-Regierung streitet um Rente mit 70 – setzt aber offiziell auf Freiwilligkeit und Anreize
Auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte sich für ein späteres Rentenalter ausgesprochen. In der Koalition gibt es jedoch Widerstand – von Seiten der SPD. Finanzminister Lars Klingbeil hatte die Forderung als „Schlag ins Gesicht für viele“ bezeichnet. „Man sollte mal hinausgehen zu den Menschen ins Land, die als Dachdecker auf dem Dach stehen, die als Pflegekräfte arbeiten, die als Erzieherin arbeiten und sich wirklich kaputt machen und die schon Schwierigkeiten haben, bis 67 zu kommen“, hatte der SPD-Chef gesagt.
Im Koalitionsvertrag hält die Regierung unter CDU-Chef Friedrich Merz als Bundeskanzler damit an den bisherigen Altersgrenzen fest – genau wie an den Modellen für langjährig und besonders langjährig Versicherte, der umgangssprachlichen „Rente mit 63“. Statt die gesetzliche Regelaltersgrenze zu verschieben, setzt die Koalition auf Freiwilligkeit. Um Rentnerinnen und Rentner zum Arbeiten zu bewegen, soll es steuerliche Anreize geben. Konkret plant die Regierung, dass Gehälter bis 2000 Euro im Monat steuerlich freizustellen.