VonJana Stäbenerschließen
Erzieherinnen und Pflegekräfte sind häufiger krankgeschrieben als Beschäftigte anderer Branchen, zeigen exklusive Krankenkassen-Daten von 2024.
Pflegekräfte sind im Vergleich zu Beschäftigten anderer Branchen überdurchschnittlich oft krank. Von 1000 Beschäftigten in nichtmedizinischen Gesundheits- und Pflegeberufen waren 2024 jeden Tag durchschnittlich 72 Personen krankgeschrieben (7,2 Prozent). Drei Personen mehr als in anderen Berufsgruppen. Das zeigen Daten der Krankenkasse DAK, die BuzzFeed News Deutschland von Ippen.Media vorab exklusiv vorliegen.
Rund 76.000 Menschen dieser Berufsgruppe sind bei der DAK versichert. Zu ihr gehört zum Beispiel die Altenpflege, die auch in den Auswertungen der AOK und der Barmer bei den Krankheitstagen immer wieder weit oben landet. Daten der IKK classic, die BuzzFeed News Deutschland exklusiv vorliegen, bestätigen einen ähnlich hohen Krankenstand in nichtmedizinischen Gesundheits- und Pflegeberufen (7,9 Prozent).
Die überdurchschnittlich vielen Krankschreibungen in Pflegeberufen haben laut Vera Lux, der Präsidentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK) verschiedene Ursachen, sagt sie BuzzFeed News Deutschland. Atemwege, Psyche und Bewegungsapparat seien in diesem Beruf „am stärksten belastet“.
Pflegeverbands-Präsidentin warnt vor „psychischen und physischen Belastungen“
„Die anhaltende Personalnot führt zu einer Verdichtung der Arbeit und damit zu enormen psychischen und physischen Belastungen, weshalb Kollegen und Kolleginnen krankheitsbedingt ausfallen“, sagt Lux BuzzFeed News Deutschland. 2024 zeigten sich zudem immer noch die „Nachwirkungen der Corona-Pandemie, die für das Pflegepersonal eine enorme Belastung war“.
Die Krankmeldungen seien ein Ausdruck von Verantwortungsbewusstsein: „In der Pflege ist es unerlässlich, auch bei leichten Symptomen zu Hause zu bleiben, um Patienten und Patientinnen vor Infektionen zu schützen“, sagt die DBfK-Präsidentin. Es sei „wichtig und dass Pflegende nicht aus Pflichtbewusstsein krank zur Arbeit kommen, sondern auf die eigene Gesundheit achten“, sagt Lux und betont vor diesem Hintergrund die Wichtigkeit von betrieblicher Gesundheitsförderung in Pflegeberufen.
Krankenkassen-Daten: Berufsgruppen, die 2024 am häufigsten krank waren
Direkt hinter den pflegenden Berufen folgen laut DAK-Daten 2024 mit 6,9 Prozent Krankstand die Berufsgruppen Erziehung, soziale, hauswirtschaftliche Berufe und Theologie mit rund 189.000 Versicherten und Berufe zur Metallerzeugung und Bearbeitung mit rund 61.100 Versicherten. Bei der IKK classic liegt der Krankenstand der Versicherten, die im Bereich Erziehung und sozialen Berufen beschäftigt sind, sogar bei 8,1 Prozent.
Die Arbeit in Kitas könne dem Körper und der Psyche zusetzen, sagt Maike Finnern, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sie spricht bei BuzzFeed News Deutschland von einem „Trilemma“ aus Ansteckungsrisiko durch den täglichen Kontakt der Kita-Beschäftigten mit Infektionen, der psychischen Belastung durch Stress, Personalmangel und einer hohen Verantwortung für die Kinder sowie einer hohen körperlichen Belastung, auch durch Lärm.
„All diese Faktoren wirken jeden Tag auf die Kollegen und Kolleginnen ein und führen zu einem hohen Erschöpfungsgrad“, sagt Finnern. Die GEW fordere seit Jahren die Umsetzung eines Kita-Qualitätsgesetzes, das bundeseinheitliche Standards für die pädagogische Arbeit regele, unter anderem eine bessere Fachkraft-Kind-Relation sowie mehr Zeit für pädagogische Vor- und Nachbereitung.
Bei der IKK classic sind die Berufsgruppen anders sortiert. Das liegt an Versichertenstruktur als handwerkliche Krankenversicherung. Nichtmedizinische Gesundheits- und Pflegeberufe landen auf Platz zehn, Erziehung, soziale, hauswirtschaftliche Berufe und Theologie auf Platz fünf.
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