Nach zweiter Insolvenz

Traditionsbäckerei mit fünf Filialen stellt den Betrieb ein – alle Mitarbeiter werden gekündigt

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Ende August hatte eine deutsche Traditionsbäckerei zum zweiten Mal Insolvenz angemeldet. Nun steht für die fünf Filialen und die Angestellten ein bitteres Ende bevor.

Stuttgart – Auch das traditionelle Handwerk hat seit vielen Monaten unter der Wirtschaftslage zu leiden. Die traditionsreiche Bäckerei Konditorei Mäschle GmbH & Co. KG mit Sitz in Laupheim (Kreis Biberach, Baden-Württemberg) hatte am 27. August am Amtsgericht Ravensburg Insolvenz angemeldet. Das Gericht berief den Rechtsanwalt Michael Wahl von der bundesweit tätigen Kanzlei PLUTA zum Insolvenzverwalter des über 100-jährigen Unternehmens. Der Betrieb in den Filialen wurde seitdem fortgesetzt und auch die Kunden konnten wie gewohnt einkaufen. Nun musste der Insolvenzverwalter aber eine traurige Nachricht verkünden.

Diese 12 bekannten Unternehmen aus Baden-Württemberg gibt es nicht mehr

Eine Schlecker-Filiale im Jahr 2001.
Wer erinnert sich noch an Schlecker? Die Drogeriekette aus Ehningen (Donau) galt in der Hochphase als größte in ganz Europa.  © IMAGO/Enters
Eine ehemalige Schlecker-Filiale in Hamburg-St. Pauli.
Nach der Insolvenzanmeldung 2012 wurde die Kette zerschlagen und alle noch bestehenden Schlecker-Filialen geschlossen. © IMAGO/Jürgen Ritter
Der frühere Chef der Firma FlowTex, Manfred Schmider, sitzt am 14.01.2013 in Mannheim (Baden-Württemberg) im Gerichtssaal des Landgerichts.
Die Schlecker-Insolvenz schlug hohe Wellen und so auch der Skandal um die Firma Flowtex aus Ettlingen.  © Uwe Anspach/dpa
Akten zum FlowTex-Betrugsskandal stehen am Dienstag (26.07.2005) vor Beginn der Urteilsverkündung in einem Verhandlungssaal des Karlsruher Landgerichts.
Flowtex handelte auf betrügerische Weise mit Maschinen und verursachte einen Milliardenschaden. Im Jahr 2000 wurde die Firma aufgelöst. © Uli Deck/dpa
Jacken hängen an einer Kleiderstange.
Skandale und Insolvenzen sind aber nicht die einzigen Gründe für das Verschwinden von Unternehmen. (Symbolfoto) © IMAGO/Michael Bihlmayer
Verschiedene Dornier-Flugzeuge stehen am Dienstag (01.07.2009) im Dorniermuseum in Friedrichshafen am Bodensee.
Die Friedrichshafener Dornier-Werke wurden beispielsweise zum Teil in die EADS (heute Airbus SE) integriert.  © Patrick Seeger/dpa
Blick auf den Standort von Airbus Defence and Space in Immenstaad am Bodensee (Aufnahme mit Drohne).
Die militärische Luftfahrt, Raumfahrt, Wehr- und Systemtechnik von Dornier ist heute Teil von Airbus Defence and Space. © Felix Kästle/dpa
Die Feuerwehr-Geräte-Fabrik C. D. Magirus in Ulm (Ausschnitt aus einem Briefkopf)
Die Feuerwehr-Geräte und Nutzfahrzeugfabrik Magirus in Ulm wurde 1949 von Deutz übernommen und gehört heute zu Iveco.  © Stadtarchiv Ditzingen
Fahnen wehen am 20.03.2014 in Köln (Nordrhein-Westfalen) vor dem Eingang des Motorenwerkes der Deutz AG.
Der Kölner Motorenbauer Deutz trägt bis heute das Logo von Magirus, ein als Silhouette des Ulmer Münsters stilisiertes M.  © Henning Kaiser/dpa
Die von Heinrich Siegle gegründete Farbenfabrik G. Siegle & Co. in Stuttgart um 1865.
Die bedeutende Stuttgarter Farbenfabrik G. Siegle & Co. GmbH fusionierte 1873 mit der BASF.  © Gemeinfrei
Das Firmenlogo vor der Hauptverwaltung des Mobilfunk-Zwischenhändlers Debitel in Stuttgart-Vaihingen (Archivfoto).
Die Stuttgarter Debitel AG ist seit 2008 Teil der Freenet AG. Das ursprüngliche Unternehmen wurde 2011 aufgelöst.  © Bernd Weißbrod/dpa
Die Schokoladenfabrik von Roth in der Bahnhofstraße in Stuttgart (heute Heilbronner Straße) im Jahr 1895 als Abbildung auf einem Briefkopf.
Apropos Stuttgart. Die Landeshauptstadt galt mit Unternehmen wie Roth (1841-1942) einst als bedeutende Schokohochburg.  © gemeinfrei
Schokolade der Marke Moser-Roth, die von Aldi vertrieben werden.
Die Handelsmarke Moser-Roth besteht bis heute, das ursprüngliche Unternehmen wurde aber 1942 aus politischen Gründen stillgelegt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Frontansicht des ehemaligen Eszet-Werkgebäudes in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 2012.
Eine weitere bedeutende Schokoladenfabrik in Stuttgart war die Firma Eszet - Staengel & Ziller (1857-1975).  © Stephan Klage/Wikipedia/CC BY-SA 3.0
Eszet Schnitten in verschiedenen Geschmackrichtungen.
Das bekannteste Produkt, die Eszet-Schnitten, werden bis heute von Stollwerck hergestellt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Ritter Sport Schokolade Schokoladentafel.
Von den Stuttgarter Schokoladenherstellern existiert heute nur noch Alfred Ritter, mit der Marke Ritter Sport.  © IMAGO/Markus Mainka
Luftbild, aus einem Flugzeug aufgenommen, vom der Innenstadt von Karlsruhe mit dem Schloss.
Nicht süß, aber nahrhaft war das ungesäuerte Brot, das die Matzenfabrik Strauss von 1863 bis 1936 in Karlsruhe herstellte.  © Uli Deck/dpa
Hinweisschild verweist im Karlsruher Stadtteil Neureut auf den früheren Standort der Matzenfabrik Strauß.
Die Firmengeschichte endete 1936, weil der letzte Besitzer, Semy Strauß, aufgrund der Bedrohung durch die Nationalsozialisten nach Palästina emigrierte.  © Chrischerf/Wikipedia/CC BY-SA 4.0
Porsche-Gründer Ferdinand Porsche in einem Sportwagen des Stuttgarter Autobauers.
Eine andere Firmengeschichte begann dagegen erst, weil die Nationalsozialisten von Ferdinand Porsche neben einem „Volkswagen“ auch einen „Volkstraktor“ wollten.  © Porsche/dpa
Ein Porsche-Traktor mit ZF-Getriebe in der historischen Sammlung der ZF Friedrichshafen AG.
Die Porsche-Diesel-Motorenbau GmbH stellte von 1956 bis 1963 in Friedrichshafen-Manzell Traktoren mit Dieselmotor her.  © Felix Kästle/dpa
Das Logo der Luxusautomobilmarke Maybach.
Mythos Maybach: Das ursprüngliche Unternehmen existierte von 1909 bis 1966. Erst in Bissingen (Enz), dann in Friedrichshafen.  © IMAGO/Mollenhauer
Maybach-Motorenproduktion im Daimler-Benz-Werk in Berline-Marienfelde.
1960 übernahm Daimler-Benz die Firma Maybach und vereinigte sie mit dem konzerneigenen Großmotorenbau.  © IMAGO/Eventpress Herrmann
Das Logo der MTU ist auf einer Zylinderkopfabdeckung der MTU-Baureihe 2000 angebracht, die gerade zusammenmontiert wird.
Seit 1969 ist die frühere Maybach-Motorenbau GmbH als MTU Friedrichshafen die Kernmarke von Rolls-Royce Power Systems.  © Felix Kästle/dpa
Der neue Mercedes-Maybach SL Monogram Series.
2002 reaktivierte DaimlerChrysler die Marke Maybach. Die Tradition wird seit 2014 unter der Marke Mercedes-Maybach fortgesetzt.  © Mercedes-Benz AG Communications
Das Logo des Autozulieferers Allgaier ist an einem Gebäude am Unternehmessitz zu sehen.
Der traditionsreiche Autozulieferer Allgaier Automotive soll nach einer Insolvenz Ende 2025 geschlossen werden.  © Marijan Murat/dpa

Die Traditionsbäckerei Mäschle hatte bereits im vergangenen Jahr einen Antrag auf ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung gestellt, das vom Amtsgericht Ravensburg im September 2024 in ein Regelverfahren umgewandelt wurde. In diesem Fall konnten die Experten von PLUTA eine Lösung finden, allerdings mit deutlich weniger Filialen als zuvor. Eine solche ist laut einer Mitteilung der Kanzlei vom 28. Oktober 2025 im zweiten Insolvenzverfahren nicht gelungen, weshalb der Betrieb Anfang November eingestellt und allen Mitarbeitern gekündigt werden muss.

Traditionsbäckerei Mäschle muss Betrieb einstellen – allen Mitarbeitern wird gekündigt

Aus der vorherigen Sanierung ging die Traditionsbäckerei mit lediglich sechs Filialen hervor, in der aktuellen Mitteilung ist die Rede von nur noch fünf Bäckereien. Zwei davon befinden sich am Hauptsitz in Laupheim und jeweils eine weitere in Schemmerhofen, Warthausen (beide Kreis Biberach) sowie im Ulmer Stadtteil Eggingen. Da eine dauerhafte Fortführung dieser Filialen aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich ist, wurde beschlossen, den Betrieb Ende Oktober einzustellen. „Unter Vollkostenbedingungen erzielt die Bäckerei Verluste“, erklärt Insolvenzverwalter Wahl. „Daher müssen alle fünf Filialen zum Monatsende geschlossen werden.“

Die Gläubiger stimmten dieser Entscheidung demnach bei einer Versammlung am Montag, 27. Oktober, einstimmig zu. Die Mitarbeiter wurden am Dienstagvormittag im Rahmen einer Mitarbeiterversammlung informiert, dass ihre Arbeitsverhältnisse bis zum Monatsende gekündigt werden müssen. Bei Mäschle sind derzeit an den fünf Standorten rund 50 Mitarbeiter beschäftigt, der Betrieb in den Filialen soll noch bis Ende Oktober fortgeführt werden.

Die Traditionsbäckerei Mäschle konnte nicht erneut aus der Insolvenz gerettet werden. (Symbolfoto)

Finanzielle Lage hat sich seit Insolvenzanmeldung nicht zum Besseren gewandt

Als Grund für die Insolvenz der Bäckerei Konditorei Mäschle GmbH & Co. KG wurden im August Liquiditätsschwierigkeiten angegeben. Die Lage hat sich seitdem offenbar nicht zum Besseren gewendet. „Der Betrieb erwirtschaftet monatlich Verluste und kann die laufenden Kosten nicht decken“, heißt es in der Mitteilung von PLUTA. „Unter den gegebenen Umständen bleibt keine andere Option, als den Geschäftsbetrieb einzustellen.“ Erst im März musste auch eine andere Traditionsbäckerei aus Baden-Württemberg den Betrieb nach einer Insolvenzanmeldung ganz einstellen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/onemorepicture/Thorsten Wagner

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