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Zuletzt hatte Wirtschaftsministerin Reiche Diskussionen über die Zukunft der Einspeisevergütung angeheizt. Ein Solarverband hat nun weitere Vorschläge.
Hamburg – Der Bundesverband des Solarhandwerks will Debatten über ein mögliches Ende staatlicher Förderungen ein Ende setzen. „Die EEG-Vergütung gehört endlich abgeschafft, damit wir einen Weg aus der Diskussion über Förderungen finden”, sagte der Verbandsvorsitzende Peter Knuth dem Münchner Merkur von IPPEN.MEDIA. Besonders Förder-Diskussionen, dass Erneuerbare und ganz speziell die Photovoltaik „zu sehr“ gefördert werden, würden wenig bringen. „So argumentieren viele Politiker, die gegen die Erneuerbaren sind”, sagte Knuth.
Reiche will Einspeisevergütung streichen – was das bedeuten würde
Bislang erhalten alle, die Solarstrom auf dem Dach erzeugen und in das Netz einspeisen, für 20 Jahre pro Kilowattstunde einen festen Betrag. Dieser variiert nach Größe der Anlage, Art der Einspeisung und Zeitpunkt der Inbetriebnahme. Es gibt mehr Geld pro Kilowattstunde, wenn der gesamte erzeugte Strom ins Netz geht, statt nur der Überschuss nach Selbstverbrauch. Die Vergütung wird nach und nach gesenkt. Wer die Anlage im kommenden Jahr ans Netz bringt, bekommt weniger als derjenige, der jetzt startet.
Vom 1. August 2025 bis zum 31. Januar 2026 gibt es 7,86 Cent/kWh für Teileinspeisung und 12,47 Cent/kWh für Volleinspeisung bis 10 kWp Leistung. Für größere Anlagen (z.B. 10-40 kWp) sind die Sätze niedriger, wie 6,80 Cent/kWh bei Teileinspeisung.
Solarverband will Förderdiskussionen beenden – und Ausbau für Energiemodelle vorantreiben
Die Einspeisevergütung sollte aus Sicht des Bundesverbands des Solarhandwerks weniger Priorität haben. Stattdessen setzt Knuth auf einen Ausbau anderer Modelle, wie den Mieterstrom und Stromspeicherung. „Wenn man die EEG-Vergütung abschafft, muss man auf der anderen Seite die Attraktivität von Solaranlagen weiterhin aufrechterhalten. Da fehlen aus meiner Sicht neue Geschäftsmodelle“, kritisierte Knuth.
Ein Beispiel wäre bidirektionales Laden, um das gesamte Stromnetz zu entlasten. Knuth erklärt: „Mit einem Elektroauto kann ich das Fahrzeug mit Solarstrom laden und diese gespeicherte Energie zu einem späteren Zeitpunkt im Haus nutzen oder die Wärmepumpe betreiben.” Technisch sei der Vorgang schon lange möglich, dennoch gebe es nicht die Möglichkeit, das E-Auto als mobilen Speicher zu nutzen. Die Logik verstehe Knuth nicht.
Abschaffung der Einspeisevergütung: Solarverband schlägt Alternativen vor
Auch Möglichkeiten zur gemeinschaftlichen Mitnutzung des Solarstroms müssten ausgebaut werden. „Ein weiteres interessantes Modell sind Energiegemeinschaften, wie sie es schon seit geraumer Zeit in Österreich gibt. Das heißt, ich kann meinem Nachbarn einen Teil meines Solarstroms verkaufen, wenn ich Überschuss habe“, so Knuth. Dafür müsse man sowohl beim Prosumer als beim Consumer Messsysteme installieren.
„Die Messsysteme messen, wie viel Energie von meiner PV-Anlage in das Gemeinschaftsnetz geflossen ist und das andere, wie viel das andere Mitglied dieser Gemeinschaft entnommen hat. Dann muss dazwischen eine Abrechnung erfolgen. Am Netz selber muss nichts verändert werden.“ In Deutschland gebe es Ansätze dazu und laufe unter dem Begriff Energy Sharing. „Passieren tut hier nichts“, moniert Knuth.
Unter ‚Energy Sharing‘ wird in Deutschland die gemeinschaftliche Stromerzeugung und -verbrauch in räumlichem Zusammenhang, jedoch einschließlich der Nutzung des öffentlichen Stromnetzes, verstanden. In Deutschland gibt es dazu noch kein abgeschlossenes Gesetz, allerdings hatte die Ampel-Koalition 2024 einen Entwurf vorgelegt.
„Andere Interessen als Energiewende“ – Solarverband kritisiert Reiche
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will künftig die Einspeisevergütung streichen, da sich neue, kleine PV-Anlagen auf dem Markt rechnen. Gegenüber der Augsburger Allgemeinen stellte Reiche klar, dass es an der Einspeisevergütung für bestehende Solaranlagen nicht ändern will – diese stehen unter Bestandsschutz.
Unmittelbar nach der Forderung kam Widerstand und Kritik aus der Energiebranche. Statt „schädliche Debatten“ über eine Drosselung des Energiewende-Tempos bei der Photovoltaik zu führen, sollte die Bundesregierung anstehende Aufgaben der Energiewende konsequent angehen, forderte der Bundesverband Solarwirtschaft.
Auch Knuth geht mit der neuen Wirtschaftsministerin hart ins Gericht. „Man spürt bei Frau Reiche sehr stark, dass sie ganz andere Interessen vertritt, als die Energiewende. Sie will primär neue Gaskraftwerke bauen und die Themen Dezentralisierung und Versorgungsmöglichkeiten über den Mieterstrom werden weniger priorisiert. ”
Energiewende kommt „ins Stocken“ – Solarverband in Sorge
Die Energiewende komme aktuell ins Stocken, wenn man sich die Zubauzahlen der Photovoltaikanlagen anschaut. „Wie wollen wir die Verpflichtung, die Deutschland gegenüber der EU hat, erreichen? Wir hängen ja jetzt schon bei den Ausbauzielen hinterher“, klagte Knuth.
Der Photovoltaik-Zubau in Deutschland fiel im Januar 2025 mit 1,1 Gigawatt (GW) laut Angaben der Bundesnetzagentur geringer aus als erwartet. Demnach wurde ein Nettozubau von 1.123 Megawatt (MW) festgestellt. Im März 2025 fielen die Zubauzahlen ebenfalls niedrige aus: Die neu installierten Leistungen von geschätzten 787,2 Megawatt verzeichnen den schwächsten Zuwachs seit Dezember 2022.
Grundsätzlich liegt der im Erneuerbare-Energien-Gesetz festgelegte Ausbau der Solarenergie gut im Plan. Laut dem Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) sind inzwischen etwa 107,5 Gigawatt an Leistung installiert, bis 2030 sollen es 215 Gigawatt werden. Doch das Wachstum verliert an Schwung. „Der Strombedarf wächst und die Solarisierung von Dächern, Fassaden und Freiflächen darf nicht nachlassen. Die Hälfte des Weges ist geschafft, doch die nächste Etappe ist kein Selbstläufer“, sagte BSW-Solar-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig zur Deutschen Presse-Agentur.
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