„Wir verlieren Mitarbeiter“

Streit um Einspeisevergütung: Solarfirma warnt vor Insolvenzen und Entlassungswellen: „Darf nicht sein“

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Wirtschaftsministerin Reiche stellt die Förderung für neue, private Solaranlagen auf den Prüfstand. In der Energiebranche kommt das nicht gut an – nun werden Maßnahmen eingeleitet.

Hamburg – Die Energiebranche warnt im Zuge der Diskussionen über eine Abschaffung der EEG-Vergütung vor Insolvenzen und Entlassungen in der Solarbranche. „Wir haben schon sehr viele Insolvenzen in der Solarbranche oder auch Entlassungen und diese Entlassungswelle darf einfach nicht weitergehen“, sagte Peter Knuth, der Vorsitzende des Bundesverbandes des Solarhandwerks e.V., im Gespräch mit IPPEN.MEDIA.  

„Wir haben jahrelang dafür gearbeitet, dass die Energiewende voranschreitet und jetzt verlieren wir wieder Mitarbeiter, die sich in das Thema eingearbeitet haben. Wenn diese Fachkräfte einmal raus aus der Branche sind, kann man sie nur schwer wiedergewinnen.“

Reiche hinterfragt Einspeisevergütung – Branche warnt vor Folgen: „Genau das darf nicht sein“

Problem für die Firmen aus der Solarbranche ist, dass bestimmte Förder-Diskussionen die Menschen verunsichern und es dadurch zu Verzögerungen bei wichtigen Projekten kommen kann. Dadurch könnten Aufträge wegbrechen. „Viele Verbraucher sind verunsichert, warten lieber ab, wie sich das Ganze entwickelt und verschieben Projekte um ein Jahr nach hinten. Genau das darf nicht sein“, warnte Knuth.

Die Bundesregierung hat die EnWG-Novelle verabschiedet. Verbände mahnen nun: Es fehlten Vereinfachungen für Anbieter und Nutzer. Sie fordern Nachbesserungen. (Montage)

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte jüngst eine Abschaffung der EEG-Vergütung für neue, private Solaranlagen in Aussicht gestellt. Diese bedürften keiner Förderung – die Preise für Anlagen und Speicher seien deutlich gesunken, sagte Reiche der Augsburger Allgemeinen.

Die Vielzahl von nicht steuerbaren, kleinen Solaranlagen speise unkontrolliert ein und setze das Netz unter Stress. „Deshalb sollten PV-Anlagen mit Stromspeichern verbunden und steuerbar sein, am Markt teilnehmen und ihren Strom vermarkten“, so Reiche. An der Einspeisevergütung für bestehende Solaranlagen stehen unter Bestandsschutz, daran will die CDU-Politikerin auch weiterhin nichts ändern. Unmittelbar nach der Forderung hagelte es scharfe Kritik und noch immer reißen diese nicht ab.

Nach Forderung von Merz-Regierung zu Solaranlagen: Energiebranche verschickt Schreiben

Sollte die Bundesregierung der Forderung von Wirtschaftsministerin Reiche (CDU) nachkommen, könnte es zu einem Verlust von Arbeitskräften kommen. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass Arbeitsplätze aufgrund der Aussagen von Wirtschaftsministerin Reiche gefährdet sind“, sagte Knuth, der auch Mitbegründer und Geschäftsführer des Unternehmens enerix ist.

Enerix hat nach Verkündung von Reiches Energieplänen Schritte eingeleitet, um Druck auf die Bundesregierung auszuüben und anderen Solarteuren beizustehen. „Vor ein paar Tagen haben wir eine Aktion gestartet und verschieden Musteranschreiben vorbereitet, welche Mitglieder des BDSH oder auch andere Solarteure an das Wirtschaftsministerium, an ihre regionalen Abgeordneten oder an die Regionalpresse schicken können“, so Knuth. „Zahlreiche Schreiben wurden schon verschickt.“ Er habe bereits Rückmeldungen erhalten, dass sich einige regionale Bundestagsabgeordneten bei den Solarteuren nach Erhalt des Schreibens zurückgemeldet hätten.

Energiebranche kritisiert Merz-Regierung für „politische Rhetorik“ bei Förder-Diskussionen

Die Solarbranche ist schon länger angeschlagen. Grund für die Krise ist mitunter die Flutung des europäischen Marktes mit chinesischen Waren. Knapp 5,3 Millionen Photovoltaikanlagen sind in Deutschland auf Dächern, Balkonen, Freiflächen und teilweise auch auf Gewässern installiert. Die meisten kommen aus China. Das asiatische Land produziert mit staatlichen Subventionen zu deutlich niedrigeren Preisen. 

Knuth fordert deshalb von der Merz-Regierung ein Umdenken in der Energiepolitik. „Statt die dringend notwendigen Zukunftsmodelle wie einen beschleunigten Smart-Meter-Rollout, bidirektionales Laden von E-Autos oder Energiegemeinschaften nach österreichischem Vorbild umzusetzen, sorgt diese politische Rhetorik dafür, dass Vertrauen und Nachfrage wegbrechen“, kritisierte der Energieunternehmer. (bohy)

Rubriklistenbild: © M. Gann/Blickwinkel/Political-Moments/Imago

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