- VonStephanie Schoenschließen
Der Umweltbonus als Förderung für Elektroautos wurde gestrichen. Neue Kaufanreize fehlen momentan. Bietet das Elektroauto dennoch finanzielle Vorteile?
Berlin – Das Elektroauto ist immer noch ein heiß diskutiertes Thema. Echte Fans setzen weiterhin auf Elektromobilität, obwohl sie jetzt beim Kauf nicht mehr von staatlichen Förderungen profitieren können. Der Umweltbonus für Elektrofahrzeuge wurde in Deutschland zum 17. Dezember 2023 abgeschafft und kann seitdem nicht mehr beantragt werden. Bleibt die Frage: Wie lässt sich trotzdem Geld sparen mit einem Elektroauto und lohnt sich das?
Elektroauto-Zulassungen bis Jahresende sind noch bis 2030 von der Kfz-Steuer befreit
Der Frage hat sich ein Experte der t-online Ratgeberredaktion angenommen und stellt fest – es gibt auch ohne Förderung eine Reihe von finanziellen Vorteilen beim Elektroauto.
Zunächst einmal sind Elektroautos nach wie vor von der Kfz-Steuer befreit. Das gilt auch noch für alle Stromer, die bis Ende dieses Jahres zugelassen werden. Wer seit dem 18. Mai 2011 und dem 31. Dezember 2025 erstmalig ein Elektroauto zugelassen hat oder noch zulässt bis Jahresende, muss bis Ende 2030 keine Kfz-Steuer dafür bezahlen. Schaffen Sie sich also noch dieses Jahr ein E-Auto an und lassen es zu, können Sie noch weitere fünf Jahre von der Steuerbefreiung profitieren.
Auf den Informationsseiten des deutschen Zolls heißt es dazu: „Die Steuerbefreiung von Elektrofahrzeugen beträgt bis zu 10 Jahre bei Erstzulassung zwischen dem 18. Mai 2011 und dem 31. Dezember 2025 (§ 3d Abs. 1 KraftStG). Sie wird längstens bis zum 31. Dezember 2030 gewährt.“ Nach 2030 muss dann nur die halbe Kfz-Steuer bezahlt werden. Die Regelung gilt übrigens nicht nur für Neuwagen, auch für gebrauchte Stromer greift die Steuerbefreiung.
Elektroautos haben niedrige Unterhalts- und Wartungskosten
Wer sein Elektroauto zu Hause lädt, fährt sehr preisgünstig durch die Gegend. Wird eine eigene Wallbox zum Laden benutzt, kann man meist für unter drei Euro 100 Kilometer zurücklegen. Beim Laden über die eigene Photovoltaikanlage wird es noch günstiger. Allerdings sind hier ebenfalls Anschaffungskosten und Betriebskosten zu berücksichtigen. Eine Wallbox kostet etwa 1.000 bis 2.000 Euro inklusive Installation, während eine Photovoltaikanlage (PV-Anlage) mit Montage zwischen 7.000 und 12.000 Euro oder mehr kostet, abhängig von der Größe. Die Kombination aus PV-Anlage und Wallbox senkt die Stromkosten für das E-Auto erheblich, da der selbst erzeugte Solarstrom nur etwa 7-12 Cent pro kWh kostet, verglichen mit 30-40 Cent für Netzstrom und teils noch höheren Preisen an den öffentlichen Ladestellen. Jährliche Betriebskosten für die PV-Anlage fallen zusätzlich an, etwa 150-200 Euro für Inspektion und Versicherung.
Auch die Wartungs- und Reparaturkosten sind bei Elektroautos niedriger als bei Fahrzeugen mit Benzinmotoren. Geld verdienen kann man zusätzlich über die sogenannte Treibhausgasquote (THG). Durch diese werden Mineralölunternehmen staatlich verpflichtet, CO₂-Emissionen zu senken. Dabei ist die THG-Prämie eine finanzielle Belohnung für Besitzer von Elektrofahrzeugen, die durch die jährliche Einreichung ihrer CO₂-Einsparungen beim Umweltbundesamt (UBA) ermöglicht wird. Die Mineralölkonzerne kaufen dabei die Zertifikate für die eingesparten Emissionen von E-Auto-Fahrern, um ihre Quoten zu erfüllen. Auf diese Weise können Halter eines Elektrofahrzeugs Geld verdienen, wobei die Höhe der Prämie je nach Anbieter und Marktlage variieren kann und meist zwischen 80 und 100 Euro im Jahr liegt.
Elektroautos parken umsonst in ausgewiesenen Zonen
Elektroautos parken umsonst, wenn sie ein E-Kennzeichen besitzen und auf ausgewiesenen kommunalen Parkplätzen parken, die das kostenfreie Parken speziell für Elektroautos erlauben. Dies gilt insbesondere während des Ladevorgangs an Ladesäulen, die dafür eigens gekennzeichnet sind. In Bayern parken Elektroautos mit E-Kennzeichen seit dem 1. April 2025 auf allen öffentlichen Parkplätzen mit Parkscheinautomaten für bis zu drei Stunden kostenlos.
Diese bayernweit geltende Regelung ist keine Ausnahme für bestimmte Städte, sondern eine generelle Neuerung. In Leipzig gibt es Mobilitätsstationen, an denen Elektroautos während des Ladevorgangs für eine Höchstparkdauer von vier Stunden kostenlos stehen dürfen. Die konkreten Regelungen variieren jedoch stark je nach Stadt und Bundesland, da das Elektromobilitätsgesetz (EMoG) lediglich Sonderrechte ermöglicht, deren Umsetzung aber lokal entschieden wird.
Gebrauchte Elektroautos sind jetzt sehr günstig
Im Gebrauchtwagenmarkt gibt es bei E-Autos jetzt einen deutlichen Angebotsüberhang. Die erste Generation der Elektroautos, die hauptsächlich über Leasingverträge mit drei- bis vierjähriger Laufzeit vertrieben wurde, drängt nun auf den Markt für Gebrauchte. Das drückt die Preise und somit werden die ehemals sehr teuren Neuwagen bei den Elektroautos jetzt auch für Kunden mit schmalerem Geldbeutel erschwinglich.
Gebrauchte batteriebetriebene Stromer wurden 2024 durchschnittlich zwölf Prozent günstiger im Vergleich zum Vorjahr. Wie Matthias Bischof, Director Business Customers bei Autoscout24, erklärte, sind Elektrofahrzeuge zwar in der Anschaffung teurer, unterliegen aber stärkeren Preisrückgängen, vor allem im Vergleich zu Benzinern. Diese Preisrückgänge machen sich besonders stark bei teuren Stromern bemerkbar. Einen Audi E-Tron GT, Mercedes EQS oder Porsche Taycan gibt es gebraucht um bis zu 50 Prozent günstiger als neu. Auch wenn sie, verglichen mit einem Verbrenner, nur wenige Kilometer und lediglich ein paar Jährchen auf dem Buckel haben.
Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa
