Nach harten Verhandlungen

Erleichterung für 350 Beschäftigte: Deutscher Standort von ZF-Sparte ist gesichert

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Nach einem „dreiviertel Jahr Angst und Sorge“ ist die Erleichterung bei den Mitarbeitern von ZF Wabco in Mannheim groß. Der Standort und die Arbeitsplätze sind gerettet, doch dies hat seinen Preis.

Mannheim - Nachdem sich der Technologiekonzern ZF Friedrichshafen gegen den Standort Schweinfurt (Bayern) entschieden hatte und stattdessen seinen Logistikstandort in Tschechien weiter ausbauen will, wurde auch an anderen deutschen Standorten die Sorge vor einer Verlagerung laut. Konkret befürchteten die Arbeitnehmervertreter, dass Kapazitäten von den durch die Akquisition des US-Autozulieferers WABCO in den ZF-Konzern eingegliederten Standorte Langenhagen bei Hannover (Niedersachsen) und Mannheim (Baden-Württemberg) ebenfalls ins Ausland verlagert werden könnten. Im Falle von Mannheim wurde sogar eine komplette Schließung befürchtet.

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Die Zentrale der Schwarz-Gruppe, derSchwarz Finanz und Beteiligungs GMBH & Co. KG und derLIDL Stiftung & Co. KG in Neckarsulm.
Sagt Ihnen die Schwarz-Gruppe etwas? Der Mischkonzern ist mit 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Marijan Murat/dpa
Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Weltweit bekannt sind die Discounter Lidl und Kaufland, die zur Schwarz-Gruppe gehören, aber dennoch Konkurrenten sind.  © Christian Johner/dpa
Die Hinterhof-Werkstatt von Robert Bosch, die er in den Jahren 1897 bis 1901 in der Kanzleistraße 22 in Stuttgart betrieb.
In diesem Hinterhof in Stuttgart wurde der größte Industriekonzern Baden-Württembergs gegründet. Wissen Sie welcher?  © Robert Bosch GmbH
Das Logo des Industriekonzerns Bosch ist an der Hauptverwaltung zu sehen.
Richtig: Die Robert Bosch GmbH mit weltweit 417.900 Mitarbeitern.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Werk der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 1908.
Wir bleiben historisch: Daimler-Motoren-Gesellschaft, Daimler-Benz, DaimlerChrysler, Daimler AG und heute... © Mercedes-Benz AG – Communications
Der Besuchereingang an der Mercedes-Benz Konzernzentrale in Stuttgart-Untertürkheim.
... Mercedes-Benz Group: Der Stuttgarter Autokonzern mit weltweit rund 175.000 Mitarbeitern darf hier nicht fehlen.  © Corporate Communication (MS/CC)
Die Stadt Friedrichshafen liegt am Bodensee, während im Hintergrund die Alpen in der Schweiz und in Österreich zu sehen sind.
Von Stuttgart an das Bodenseeufer: Hier hat ein weiterer global bedeutender Technologiekonzern seinen Hauptsitz.  © Felix Kästle/dpa
Das Forum der ZF Friedrichshafen wird von der Abendsonne angestrahlt.
Die ZF Friedrichshafen ist mit über 161.600 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer der Welt.  © Felix Kästle/dpa
Blick auf Gebäudeteile der Firmenzentrale des Software-Unternehmens SAP in Walldorf.
Darüber hinaus hat auch das wertvollste Unternehmen Europas seinen Sitz in Baden-Württemberg.  © Uwe Anspach/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
Genau, die SAP: der Softwarekonzern beschäftigt weltweit mehr als 109.000 Mitarbeiter. Nun geht es aber zurück in die Industrie.  © Uwe Anspach/dpa
Ein Mitarbeiter putzt vor der Präsentation den Mercedes-Stern des neuen Fernverkehrs-Lkw eActros 600.
Mercedes hatten wir doch schon in der Liste! Richtig, es gibt aber noch ein Unternehmen, das dieses legendäre Logo tragen darf.  © Jonas Walzberg/dpa
Ein Mercedes-Benz Lastwagen steht vor der Zentrale von Daimler Truck.
Daimler Truck gilt mit rund 102.900 Mitarbeitern als größter Nutzfahrzeughersteller der Welt.  © Bernd Weißbrod/dpa
Influencerin Pamela Reif (l) kassiert in einer dm Filiale für einen guten Zweck.
Na gut, ein Export-Schlager aus Karlsruhe darf auch nicht fehlen. Und damit ist nicht Influencerin Pamela Reif gemeint.  © Christoph Schmidt/dpa
Eine dm-Filiale in Homburg, Saarland.
Sondern dm. Die Drogeriemarktkette gilt mit 4.100 Filialen und knapp 90.000 Mitarbeitern als größte der Welt. © IMAGO/Lobeca
Eine Zweigstelle von Würth in Kempten im Allgäu, Bayern.
Wenn wir schon bei Superlativen sind: Auch das weltgrößte Unternehmen für Befestigungstechnik hat seinen Sitz im Ländle.  © IMAGO/imageBROKER/Manfred Bail
Der Konzernsitz der Würth-Gruppe in Künzelsau, Baden-Württemberg.
Würth: Aus einem Schraubenhandel in Künzelsau entwickelte sich ein Weltkonzern mit heute über 88.000 Mitarbeitern. © IMAGO/Arnulf Hettrich
Arnd Franz, der Vorstandsvorsitzende des Automobilzulieferers Mahle, betrachtet bei der Bilanz-Pressekonferenz am Stammsitz in Stuttgart ein Gravel-Bike mit einem Mahle Antrieb.
Ein bekannter Fahrrad-Hersteller aus Baden-Württemberg? Nein, hier geht es um den Antrieb.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen.
Autozulieferer Mahle, der natürlich nicht nur Fahrrad-Antriebe baut, beschäftigt weltweit knapp 70.000 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Die Werkszentrale von Freudenberg in Weinheim.
Freudenberg? Hier geht es nicht um die bayerische Gemeinde, sondern um einen echten Hidden Champion. © Ronald Wittek/dpa
: Ein Putzgerät der Marke Vileda liegt im Showroom des Technologiekonzerns Freudenberg.
Der Freudenberg-Konzern beschäftigt mehr als 52.000 Mitarbeiter und ist vor allem für die Marke Vileda bekannt.  © Uwe Anspach/dpa
Eine Firmenlogo des Baustoffkonzerns „Heidelberg Materials“, ehemals „HeidelbergCement“, ist an einem vor der Firmenzentrale geparkten Betonmischer angebracht.
Von Reinigungsprodukten zum weltgrößten Baustoffhersteller? So ist das halt mit Listen, die nach Mitarbeiterzahl geordnet sind.  © Uwe Anspach/dpa
Firmenzentrale des börsennotierten Baustoffkonzerns Heidelberg Materials in Heidelberg, Baden-Württemberg.
Heidelberg Materials, ehemals unter anderem HeidelbergCement, beschäftigt rund 51.000 Mitarbeiter auf fünf Kontinenten.  © IMAGO/Udo Herrmann
Eine Mitarbeiterin geht im Lager des Pharma-Großhändlers Phoenix in Gotha (Thüringen) zwischen Regalen entlang.
Und was wird hier gelagert? Schrauben, Werkzeuge? Nein, Pharmazubehör - und Ausrüstung.  © Martin Schutt/dpa
Ein Firmenschild mit dem Unternehmenslogo steht vor der Firmenzentrale des Pharmahändlers Phoenix.
Der Pharmagroßhändler Phoenix Pharma mit Hauptsitz in Mannheim beschäftigt über 48.000 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa
Das Logo des Optikkonzerns Zeiss auf Flaggen vor dem Firmensitz (links). Das Wappen von Sportwagenbauer Porsche (rechts).
Weitere große Unternehmen sind Zeiss (rund 46.000 Mitarbeiter) und der Sportwagenbauer Porsche (mehr als 42.000 Angestellte).  ©  IMAGO/CHROMORANGE & Marijan Murat/dpa

Durch die befürchtete Schließung des Werks in Mannheim, das trotz der Übernahme durch ZF weiterhin den Namen WABCO Radbremsen GmbH führt, wären rund 350 Mitarbeiter betroffen. „Der geplante Stellenabbau wäre nicht nur ein schwerer Schlag für die Beschäftigten und ihre Familien, sondern auch für die gesamte Stadt Mannheim“, hatte die Grünen-Fraktion Mannheim im September erklärt. Wie die IG Metall am Freitag (11. April) meldete, konnte nun eine Einigung für das Werk gefunden werden. Den Standort im nordrhein-westfälischen Gelsenkirchen hatte ZF dagegen zum Jahreswechsel geschlossen.

Zukunftstarif sichert Standorte und Arbeitsplätze bei ZF WABCO in Mannheim

Die IG Metall betont in der Mitteilung, dass nach der Verkündung der ZF-Pläne im September 2024 für Mannheim regelrechte „Schreckensszenarien“ im Umlauf waren, die eben eine komplette Schließung des Werks und den Verlust aller Arbeitsplätze umfassten. Das konnte durch den Abschluss eines Zukunftsvertrages für den Standort abgewendet werden; der Weg zur finalen Einigung war aber alles andere als einfach. „Ein dreiviertel Jahr Angst und Sorge für die WABCO-Beschäftigten ist vorbei“, erklärt Mannheims IG Metall-Chef Thomas Hahl in der Mitteilung. „Es waren teilweise sehr harte und nervenaufreibende Verhandlungen in den letzten Monaten.“

Ganze 14 Verhandlungsrunden zwischen der Arbeitnehmerseite und der Geschäftsführung hat es benötigt, um zur finalen Einigung zu kommen. „Ich habe noch nie so viele Verhandlungsrunden begleitet und so intensive Gespräche mit den Beteiligten geführt“, betont Hahl. „Aber es hat sich definitiv gelohnt: Der wegweisende Zukunftstarifvertrag für ZF WABCO ist ein Novum.“ Konkret sieht der Tarifvertrag vor, dass der Standort Mannheim als Kompetenzcenter für die Entwicklung und die Produktion von Bremsen für Nutzfahrzeuge, Trailer-Applikationen sowie Sonderanwendungen weiterentwickelt wird. Zudem sollen rund 10 Millionen Euro in das Bremswerk in der Quadratestadt investiert werden.

ZF WABCO in Mannheim: Betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2030 ausgeschlossen

Neben der Sicherung des ZF-Standortes selbst ist die Einigung auch eine „sehr gute Nachrichten für die Beschäftigten zu den Ostertagen“, wie es die IG Metall ausdrückt. Betriebsbedingte Kündigungen sind für die 350 Mitarbeiter von ZF WABCO in Mannheim bis Ende 2030 ausgeschlossen und zudem sollen alle Auszubildenden unbefristet übernommen werden. Ganz ohne Gegenleistung kommt die Einigung aber auch nicht daher. Die Belegschaft wird demnach in diesem und im kommenden Jahr auf die Bonuszahlungen verzichten und die für 2026 geplante Entgelterhöhung von 3,1 Prozent wird vier Monate nach hinten verschoben.

Nach harten und langen Verhandlungen konnte für das ZF Wabco-Werk in Mannheim eine Einigung erzielt werden (Symbolfoto).

Angesichts des massiven Sparprogramms bei der ZF Friedrichshafen, das bis 2028 bis zu 14.000 Arbeitsplätze in Deutschland betreffen soll, und dem zunehmenden Druck auf den Stiftungskonzern, der im vergangenen Geschäftsjahr einen Milliardenverlust einfahren hat, ist die Einigung dennoch ein Lichtblick. „Dieses Ergebnis zeigt auf, wie wir in Deutschland Industrie und gute Arbeit sichern können“, betont Hahl in der Mitteilung. „Das sollte Schule auch bei anderen Unternehmen machen: Anstatt den Standort Deutschland schlecht zu reden, gelingt es, gemeinsam gute Ergebnisse zu erzielen.“

Rubriklistenbild: © IMAGO/Rainer Droese

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