Erleichterung für 350 Beschäftigte: Deutscher Standort von ZF-Sparte ist gesichert
VonJulian Baumann
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Nach einem „dreiviertel Jahr Angst und Sorge“ ist die Erleichterung bei den Mitarbeitern von ZF Wabco in Mannheim groß. Der Standort und die Arbeitsplätze sind gerettet, doch dies hat seinen Preis.
Durch die befürchtete Schließung des Werks in Mannheim, das trotz der Übernahme durch ZF weiterhin den Namen WABCO Radbremsen GmbH führt, wären rund 350 Mitarbeiter betroffen. „Der geplante Stellenabbau wäre nicht nur ein schwerer Schlag für die Beschäftigten und ihre Familien, sondern auch für die gesamte Stadt Mannheim“, hatte die Grünen-Fraktion Mannheim im September erklärt. Wie die IG Metall am Freitag (11. April) meldete, konnte nun eine Einigung für das Werk gefunden werden. Den Standort im nordrhein-westfälischen Gelsenkirchen hatte ZF dagegen zum Jahreswechsel geschlossen.
Zukunftstarif sichert Standorte und Arbeitsplätze bei ZF WABCO in Mannheim
Die IG Metall betont in der Mitteilung, dass nach der Verkündung der ZF-Pläne im September 2024 für Mannheim regelrechte „Schreckensszenarien“ im Umlauf waren, die eben eine komplette Schließung des Werks und den Verlust aller Arbeitsplätze umfassten. Das konnte durch den Abschluss eines Zukunftsvertrages für den Standort abgewendet werden; der Weg zur finalen Einigung war aber alles andere als einfach. „Ein dreiviertel Jahr Angst und Sorge für die WABCO-Beschäftigten ist vorbei“, erklärt Mannheims IG Metall-Chef Thomas Hahl in der Mitteilung. „Es waren teilweise sehr harte und nervenaufreibende Verhandlungen in den letzten Monaten.“
Ganze 14 Verhandlungsrunden zwischen der Arbeitnehmerseite und der Geschäftsführung hat es benötigt, um zur finalen Einigung zu kommen. „Ich habe noch nie so viele Verhandlungsrunden begleitet und so intensive Gespräche mit den Beteiligten geführt“, betont Hahl. „Aber es hat sich definitiv gelohnt: Der wegweisende Zukunftstarifvertrag für ZF WABCO ist ein Novum.“ Konkret sieht der Tarifvertrag vor, dass der Standort Mannheim als Kompetenzcenter für die Entwicklung und die Produktion von Bremsen für Nutzfahrzeuge, Trailer-Applikationen sowie Sonderanwendungen weiterentwickelt wird. Zudem sollen rund 10 Millionen Euro in das Bremswerk in der Quadratestadt investiert werden.
ZF WABCO in Mannheim: Betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2030 ausgeschlossen
Neben der Sicherung des ZF-Standortes selbst ist die Einigung auch eine „sehr gute Nachrichten für die Beschäftigten zu den Ostertagen“, wie es die IG Metall ausdrückt. Betriebsbedingte Kündigungen sind für die 350 Mitarbeiter von ZF WABCO in Mannheim bis Ende 2030 ausgeschlossen und zudem sollen alle Auszubildenden unbefristet übernommen werden. Ganz ohne Gegenleistung kommt die Einigung aber auch nicht daher. Die Belegschaft wird demnach in diesem und im kommenden Jahr auf die Bonuszahlungen verzichten und die für 2026 geplante Entgelterhöhung von 3,1 Prozent wird vier Monate nach hinten verschoben.
Angesichts des massiven Sparprogramms bei der ZF Friedrichshafen, das bis 2028 bis zu 14.000 Arbeitsplätze in Deutschland betreffen soll, und dem zunehmenden Druck auf den Stiftungskonzern, der im vergangenen Geschäftsjahr einen Milliardenverlust einfahren hat, ist die Einigung dennoch ein Lichtblick. „Dieses Ergebnis zeigt auf, wie wir in Deutschland Industrie und gute Arbeit sichern können“, betont Hahl in der Mitteilung. „Das sollte Schule auch bei anderen Unternehmen machen: Anstatt den Standort Deutschland schlecht zu reden, gelingt es, gemeinsam gute Ergebnisse zu erzielen.“