VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Die Begegnung zwischen Trump und Putin ist zu Ende. Greifbare Ergebnisse blieben aus. Russlands Wirtschaft bekommt schnell erste Konsequenzen zu spüren.
Anchorage – Nach dem groß angekündigten Alaska-Gipfel zwischen US-Präsident Donald Trump und Kreml-Chef Wladimir Putin fällt das Fazit gemischt aus. Zwar konnte Putin mit einigen Angeboten bei Trump vorstellig werden, von der öffentlichen Wirkung des Treffens auf US-Boden mal ganz abgesehen, aber Ergebnisse brachte der Gipfel keine. In Russland sorgte das postwendend für größere Verluste.
Hoffnung in Russlands Wirtschaft schwindet – Alaska-Gipfel brachte nicht die erwünschten Änderungen
Für den russischen Markt war das Treffen zwischen den beiden Staatsoberhäuptern enttäuschend. Die russische Börse legte nach dem vorzeitigen Ende der Gespräche eine Abwärtsbewegung ein. Nicht nur hatten Trump und Putin ihr Treffen verfrüht abgebrochen, es gab darüber hinaus keine Ergebnisse bezüglich Ukraine-Krieg.
Der Moskauer Börsenindex fiel rund zwei Prozent, was rund 130 Milliarden Rubel an Marktkapitalisierung vernichtete, berichtete die Moscow Times. Dabei berief sie sich auf Daten, die die Nachrichtenagentur Reuters veröffentlicht hatte. Umgerechnet handelt es sich dabei um eine Summe von 1,3 Milliarden Euro. Anteile von russischen verstaatlichten Energieunternehmen führten diesen Abrutsch an: Bei Gazprom stand ein Minus von 2,9 Prozent auf dem Papier, bei Rosneft waren es minus 2,6 Prozent und bei Sovcomflot drei Prozent (Stand 16. August). Metallhersteller und Staatsbanken hatten ebenfalls Einbrüche zu verzeichnen.
„Die Märkte haben mehr erwartet – einen Waffenstillstand, irgendeine Art von Übereinkunft, sogar ein Memorandum über gegenseitiges Verständnis oder eventuell verschwindende Sanktionen“, zitierte die Moscow Times den Investment-Banker Yevgeni Kogan. Trump kündigte an, jetzt „zwei oder drei“ Wochen abwarten zu wollen, ehe er über eventuelle neue Sanktionen gegen Moskau nachdenke.
Hoffnung vor Trump-Putin-Treffen – Börse legte deutlich zu
Nur wenige Tage vor dem Alaska-Gipfel von Trump und Putin hatte die russische Börse wegen der Hoffnung auf ebensolche Entscheidungen deutlich zugelegt. Der Moscow Exchange Index, der etwa 40 der größten russischen Unternehmen abbildet, legte zwischen dem 7. und dem 13. August um rund 8,3 Prozent zu.
Diese Hoffnungen kamen nicht von ungefähr. Schon kurz nach seiner Amtseinführung im Frühjahr hatte Donald Trump klargemacht, dass er sich keineswegs so rigoros gegen Putin stellen würde wie Biden. Unter anderem hatte Trump seinem russischen Pendant Rohstoff-Deals in der Arktis angeboten und der Ukraine zeitweise wichtige Unterstützung versagt.
„Würden gern ein Stückchen abhaben“ – Vorteile für Russlands Wirtschaft durch US-Firmen
Im Gegenteil: Unter Trump legten die USA den russland-freundlichsten Kurs seit langer Zeit ein. Es stand sogar eine Rückkehr von US-Unternehmen nach Russland zur Debatte – und auch die Aufhebung von Russland-Sanktionen. Ersteres hatte Trump kurz vor dem Gipfel noch einmal betont. „Wenn wir Fortschritte machen, würde ich Geschäfts-Chancen diskutieren“, zitierte CNN Trump. „Weil das eines der Dinge ist, die sie mögen (die Russen, Anm. d. Red.), sie würden gern ein Stückchen davon abhaben, was ich, bezogen auf die Wirtschaft, aufgebaut habe.“
Das Problem dabei: Nach Russlands Invasion der Ukraine haben massenhaft westliche Unternehmen Russland erst den Rücken gekehrt. Teils geschah das aus Protest, teils aus Angst, nun selbst ins Fadenkreuz westlicher Sanktionen zu geraten. Die Yale School of Management hatte eine Liste erstellt, laut der rund 1000 Unternehmen Russland freiwillig verlassen oder ihre Geschäftstätigkeiten beschränkt hatten.
Probleme bei Russland-Rückkehr – US-Unternehmen mit Abstrichen
Ein Wiedereinstieg könnte sich allerdings schwierig gestalten. Die staatliche russische Nachrichtenagentur TASS hatte bereits verlauten lassen, dass die beste Idee ein Joint Venture mit russischen Firmen sei, sollten West-Unternehmen wieder dort Fuß fassen wollen. Das hatte Kirill Dmitriev, der Kopf des Russischen Direkt Investment Fund, im März 2025 gesagt. „Diese amerikanischen Firmen, die zurückkehren, werden nur zurückkehren können, wenn sie Joint Ventures mit russischen Unternehmen eingehen, die bereits ihren Erfolg bewiesen haben“, zitierte TASS.
Noch ist es aber nicht so weit. Die beiden Länder nähern sich derzeit eher symbolisch einander an – zum Beispiel, indem sie das Handelsvolumen ausweiten. Seitdem die Trump-Administration an der Macht ist, soll dieses um 20 Prozent gewachsen sein, sagte Putin dazu. Die letzten offiziellen Zahlen aus den USA zeigen noch einen Rückgang von 25 Prozent im Handelsvolumen zwischen 2023 und 2024.
Rubriklistenbild: © IMAGO / ZUMA Press & IMAGO / Westlight

