- VonOlivia Kowalakschließen
Der Dauerkrisenmodus der Modebranche hält an. Experten sehen trotz gebesserter Kauflaune der Kundschaft weiterhin schwarz für 2024.
Düsseldorf – Eine Insolvenz jagt die nächste. In der Modebranche kriselt es seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie gewaltig. Jüngst traf es auch den internationalen Modekonzern Esprit. So haben Schließungen der Läden aufgrund der Lockdown-Maßnahmen zu Umsatzeinbrüchen geführt. Zudem entstanden infolge der Energiekrise zusätzliche Kosten. Wegen der anhaltenden Inflation hat sich die Kaufkraft der Verbraucher nur langsam erholen können. Die gedämpfte Konsumlaune der Bürger hielt hierzulande laut GfK-Konsumklima-Index bis Anfang des Jahres 2024 an.
Trotz Umsatzplus: Modeunternehmen kämpfen weiterhin mit gestiegenen Kosten
Im vergangenen Jahr sind nach Analysen der Unternehmensberatung Falkensteg-Partner Sebastian Wilde 33 umsatzstarke Unternehmen der Modebranche pleite gegangen – dreimal so viel wie im Jahr 2022. „Die grundsätzlich verhaltene Umsatzbasis 2023 wird sich mit einem weiteren Anstieg in der Insolvenzstatistik niederschlagen“, so Experte Falkensteg-Partner. Die Prognose für das laufende Jahr liegt bei 40 statt 33 Mode-Großinsolvenzen. „Die Branche liegt insgesamt gerade einmal auf dem Niveau von 2019 - gleichzeitig sind die Kosten in allen Bereichen ja stark gestiegen.“, so Axel Augustin vom Handelsverband BTE.
Renommierte Namen wie Peek & Cloppenburg, Bree, Gerry Weber, Hallhuber und auch Galeria Karstadt Kaufhof erlagen den Schwierigkeiten der vergangenen Jahre bereits. Trotz eines mittlerweile erreichten Umsatzplus und einer leicht gebesserten Kauflaune, sollte dies nicht über die anhaltenden Turbulenzen hinwegtäuschen: „Das Umsatzplus und das Erreichen des Vor-Pandemie-Niveaus ist zwar grundsätzlich ein gutes Zeichen, doch ist die Stimmung aufgrund der wirtschaftlichen Lage gedrückt“, wie der Präsident des Deutschen Modeverbands GermanFashion, Gerd Oliver Seidensticker der Tagesschau erklärte. „Insgesamt fällt die Beurteilung der wirtschaftlichen Perspektive für 2024 schlechter aus als Anfang letzten Jahres.“, wie Umfragen zeigten.
Esprit meldet zweite Insolvenz innerhalb von vier Jahren an
Die Ratinger Modemarke Esprit hat am Mittwoch Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Düsseldorf gestellt. Der Insolvenzantrag fällt auf die Esprit Europe GmbH, sowie sechs weitere deutsche Töchter. Die Pleite betrifft Firmen mit etwa 1.500 Beschäftigten. Man kündigte jedoch an, den Geschäftsbetrieb „bis auf Weiteres“ fortzuführen. Die in der Hongkonger Börse gelistete Gesellschaft Esprit Holdings hat ihren Geschäftsschwerpunkt mit 124 Filialen in Europa, innerhalb Deutschlands zählt es 57 Standorte.
Der Modegigant hatte bereits 2020 infolge der Lockdown-Maßnahmen einen Antrag auf Insolvenz gestellt. Damals blieben die Läden zu und die Kundschaft aus. So musste der Konzern rund ein Drittel der Belegschaft entlassen und 100 Filialen schließen. Nun steht er wiederholt vor einer Sanierungsrunde. „Zu einzelnen Filialen können wir derzeit leider noch keine valide Aussage treffen“, sagte Pressesprecher der für das Insolvenzverfahren zuständigen Kanzlei, Frank Elsner.
„Esprit ist eine weltweit bekannte Marke für Mainstream-Mode, die aber seit geraumer Zeit unter sinkenden Umsätzen, verbunden mit zahlreichen Umstrukturierungen und Managementwechseln leidet“, so Insolvenzjurist Christian Gerloff über die Ankündigung. Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht kümmerte sich bereits um Modeketten wie Escada, Gerry Weber, Adler und Hallhuber. Die Belastungen durch ausbleibende Kaufkraft der Kunden, hohe Energiekosten, unsichere Lieferkette und dem anhaltenden Fachkräftemangel konnte das Unternehmen unter Geschäftsführerin Man Yi Yip nicht mehr ausgleichen.
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