Deindustrialisierung

Porsche-Vorstand zeichnet düstere Prognose: Verbrenner-Aus macht Deutschland zum „Armenhaus in Europa“

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Sportwagenbauer Porsche befürchtet durch das geplante Verbrenner-Aus 2035 noch fatalere Folgen für die Industrie.

Stuttgart - Die angekündigte Zeitenwende in der weltweiten Automobilindustrie erhält aktuell einen massiven Dämpfer. Nachdem Mercedes-Benz bereits angekündigt hat, trotz des Fokus auf die E-Mobilität auch weiterhin auf die Entwicklung neuer Verbrenner setzen zu wollen, positioniert sich Nachbar Porsche noch deutlicher und fordert einen Einsatz der Bundesregierung in der Debatte um das Verbrenner-Aus 2035. Noch vor wenigen Monaten hatten beide Stuttgarter Autobauer, wie auch die meisten anderen Hersteller von Weltrang, eine schrittweise Abkehr von der Verbrenner-Produktion forciert.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Die aktuellen Entwicklungen, die auch beim Vorzeigeunternehmen Porsche einen spürbaren Umsatzrückgang im dritten Quartal 2024 zur Folge hatten, zwingt aber offenbar auch die Autohersteller zur Rückbesinnung auf den Verbrenner. Wie die Stuttgarter Zeitung (StZ) berichtet, hatte Porsche-Finanzchef Lutz Meschke bei der Verkündung der Quartalszahlen am 25. Oktober die Bundesregierung dazu aufgefordert, in Brüssel dafür einzutreten, das de facto Verbot von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren abzuwenden. Meschke hatte bereits zu Jahresbeginn mit einer Verschiebung des EU-Verbrenner-Verbots gerechnet

Porsche-Finanzchef sorgt sich bei Verbrenner-Aus um Massenhersteller und Zulieferer

Porsche hatte mit dem vollelektrischen Sportwagen Taycan das Zeitalter der Elektromobilität eingeleitet und angekündigt, nach und nach auch bereits bestehende Modellreihen elektrifizieren zu wollen. An dem Kurs, bis 2030 rund 80 Prozent der Fahrzeugflotte elektrifiziert zu haben, hält Porsche nach Angaben von Lutz Meschke trotz der angespannten Wirtschaftslage auch weiterhin fest. Sorgen macht sich der stellvertretende Vorstandsvorsitzende allerdings um die Massenhersteller und die Zulieferer. Der Chef des Stuttgarter Autozulieferers Mahle hatte jüngst erklärt, dass das Verbrenner-Aus weitere Arbeitsplätze kosten könne.

Porsche-Vizechef Lutz Meschke befürchtet durch das Verbrenner-Aus eine Deindustrialisierung in Europa.

Laut Meschke würde ein Verbrenner-Aus 2035 zu einer Deindustrialisierung führen; in diesem Falle „laufen wir Gefahr, zum Armenhaus in Europa zu werden“, erklärte er laut StZ. Damit sei „am Ende auch der soziale Frieden in unserer Gesellschaft gefährdet.“ Der Finanzchef betonte zwar, dass die Forderung an die Bundesregierung nicht unmittelbar auf Porsche abgezielt ist, der Sportwagenbauer hat dennoch auch mit der sinkenden Nachfrage nach E-Autos zu kämpfen. „Die Transformation hin zu Elektrofahrzeugen [verläuft] global langsamer als ursprünglich angenommen“, heißt es in der Mitteilung.

Porsche-Gewinn bricht im dritten Quartal ein - Konzern hält dennoch an Prognose fest

Porsche hat im dritten Quartal 2024 ein schwaches Ergebnis erzielt, was nach Angaben von Meschke aber bereits vorauszusehen war. „Jede Rennstrecke hat langsamere und schnellere Abschnitte. Das gilt auch für ein Geschäftsjahr“, erklärte er bei der Vorstellung der Zahlen. „Im vierten Quartal gehen wir davon aus, dass wir wieder beschleunigen und zum Endspurt ansetzen können.“ Im Gegensatz zu Mercedes-Benz – der Konzern hatte vor wenigen Wochen die Gewinnprognose für das Gesamtjahr nach unten korrigiert – hält Porsche an der Prognose für 2024 fest.

Trotz einer angespannten Wirtschaftslage hält Porsche an seiner Prognose für das Gesamtjahr 2024 fest.

In den bisherigen neun Monaten (bis einschließlich September 2024) lag die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge von Porsche aber unter der Zahl des Vorjahres. Aus diesem Grund will der Konzern nach eigenen Angaben das Produktangebot und das Ökosystem, aber auch die Budgets und Kostenpositionen überprüfen. Auf die massiven Sparmaßnahmen beim Mutterkonzern Volkswagen reagierte Porsche vor wenigen Wochen aber mit dem Verweis auf die Standort- und Beschäftigungssicherung.

Rubriklistenbild: © Porsche AG

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