VonPatrick Freiwahschließen
Die Schulden-Tricks der Berliner Regierungskoalition sind aufgeflogen. Nun muss Deutschland seine Finanzen neu ordnen und steht im Spott der EU.
Berlin – Die finanzielle Lage Deutschlands ist prekär geworden, seitdem der Schuldentrick der Ampel aufgeflogen ist. Dies wurde durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts auf erschreckende Weise deutlich. Die Schuldenmanöver der Regierungskoalition in Berlin sind nicht gesetzeskonform, was die Ampelkoalition dazu zwingt, das Budget neu zu planen.
Vom Vorzeigekind zum Sorgenkind: Griechenland hat Haushalts-Vorschläge
Die Arroganz deutscher Regierungsminister gegenüber ehemaligen Problemkindern der Europäischen Union hat dazu geführt, dass Deutschland vom Vorzeigeland zum Sorgenkind geworden ist. Dies sorgt für viel Hohn und Spott, insbesondere wenn man sich an die Ratschläge erinnert, die deutsche Politiker Ländern wie Griechenland, Italien oder Spanien gegeben haben, als es darum ging, einen kriselnden Staatshaushalt zu sanieren.
Panagiotis Lafazanis, der ehemalige griechische Energieminister, hat es sich nicht nehmen lassen, der Berliner Ampelkoalition Ratschläge zu geben – ganz so, wie es einst Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) während der griechischen Schuldenkrise getan hat. Neben der Einführung einer „Notsteuer“ schlägt er in der Bild auch den Verkauf deutscher Inseln vor. Solche Vorschläge waren auch von der damaligen Regierungskoalition nicht ungewöhnlich, als Griechenland mit der Euro-Krise zu kämpfen hatte.
Die Troika von internationalen Aufsehern, die damals die Krisenländer der Staatengemeinschaft unter ihre Obhut nahmen, hat sich in Südeuropa eingeprägt - nun schlägt das politische und mediale Pendel zurück: Lafazanis schlägt nun ebenfalls eine Troika vor, um die deutschen Finanzen im Zuge der Haushaltssperre wieder in den Griff zu bekommen.
Spanien: Deutschland hat „Pfusch“ betrieben
Auch Spanien, einst ein Sorgenkind der EU, steht wirtschaftlich mittlerweile besser da. In der Wirtschaftszeitung Cinco Dias äußert ein Finanzanalyst, dass Deutschland früher „das Musterbeispiel für höchste Tugendhaftigkeit auf dem Gebiet der Haushaltsdisziplin“ war. Doch das Bild habe sich grundlegend geändert: „Vor ein paar Tagen haben wir erfahren, dass die Sparsamkeit nicht nur nicht so vorbildlich war, wie sie schien, sondern dass es im vorbildlichen Deutschland Pfusch gab, der fast an Veruntreuung grenzte.“
In Frankreich hingegen ist es laut Handelsblatt eher die Presse, die sich über die finanzielle Misere Deutschlands amüsiert, weniger die Politik. Denn diese sucht auf europäischer Ebene gemeinsam mit der Bundesregierung nach einer Einigung für gemeinsame Regeln hinsichtlich Staatsschulden. Die Zeitung Le Monde urteilt: „Die wichtigste Volkswirtschaft der Eurozone findet sich in einer Haushaltsblockade wieder, weil sie jene strenge Regeln nicht befolgt, die sie sich selbst gegeben hat.“ Die Berliner Regierung muss nun einen Ausweg aus der Doppelmoral in Bezug auf die Staatsfinanzen finden.
Auf EU-Ebene wird laut Handelsblatt auch der „Doppelwumms“ kritisch betrachtet, der die deutsche Staatskasse stark belastet: 200 Milliarden Euro, um die energiewirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Kriegs abzufedern, wirken wie eine untragbare Last. Im Rest Europas ist Deutschland aufgrund dieses Ausmaßes „misstrauisch beäugt“ geworden, da es den EU-Binnenmarkt verzerrt und finanzschwächere Staaten hierbei nicht mithalten können.
Angst in der EU: Deutsche Finanzkrise könnte sich auf Europa ausweiten
Bundeskanzler Olaf Scholz und Finanzminister Christian Lindner haben daraufhin behauptet, dass der deutsche Staatshaushalt den nötigen Spielraum für ein solches Volumen besitzt, aufgrund einer soliden Finanzlage auf Basis gesunden Wirtschaftens. Diese Aussagen erweisen sich jedoch nach der (von der Union initiierten) Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts als Illusion. So verändert die neue Situation im deutschen Haushalt die Vorzeichen des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF).
Es gibt berechtigte Befürchtungen, dass das deutsche Finanzloch sich auf weitere Mitgliedsländer der EU auswirkt: EU-Kommissionsvize Valdis Dombrovskis äußerte hierzu: „Wenn Deutschland als größte Volkswirtschaft in ökonomische oder fiskalische Schwierigkeiten gerät, hat das Auswirkungen auf andere EU-Staaten.“ Einige Experten zweifeln jedoch auch an der selbst auferlegten Schuldengrenze Deutschlands.
Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Staatshaushalt zwingt Deutschland zum Sparen. Das Wirtschaftsministerium erwartet nach dem Haushaltsurteil spürbare Auswirkungen auf die gesamte wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Sollten 60 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds sowie die Kredite aus dem WSF nicht genutzt werden können, würde das Bruttoinlandsprodukt laut einer Simulation des Ministeriums um bis zu 0,6 Prozentpunkte weniger wachsen, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa).
Die konkreten Auswirkungen sind jedoch noch unklar: Schließlich steht noch nicht fest, welche geplanten Maßnahmen trotz der desaströsen Finanzlage überhaupt realisiert werden können. Experten sind sich einig, dass das Karlsruher Urteil weitreichende Folgen hat, die sich vermutlich nicht nur auf den Klimafonds auswirken – sondern auch auf weitere Bereiche.
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