Folgen für Wirtschaft und Klima

Merz macht gegen Verbrenner-Aus mobil – „Chaos“ für deutsche Unternehmen droht

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Bundeskanzler Friedrich Merz will das Verbrenner-Aus kippen. Ökonomin Claudia Kemfert warnt: „Am Ende wären die Schäden teurer als die Transformation selbst.“

Kopenhagen – Während Drohnen-Vorfälle in EU-Staaten das Gipfel-Treffen in der dänischen Hauptstadt überschatten, hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) seine eigene Agenda im Gepäck: Der Kanzler kündigte an, „mit einem präzisen Forderungskatalog“ anzureisen: darunter etwa Forderungen zum geplanten Verbrennerverbot. In der dänischen Hauptstadt treffen sich am Mittwoch (1. Oktober) Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union zum informellen Gipfel-Treffen – am Donnerstag folgt ebenfalls in Kopenhagen der siebte Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG).

Bundeskanzler Friedrich Merz will für eine Aufhebung des Verbrennerverbots werben. (Symbolbild)

Merz hatte angekündigt, er wolle bei dem Treffen für eine Aufhebung des Verbrenner-Verbots werben. Es müssten zum Beispiel auch hybride Antriebe zugelassen sein, die einen üblichen Verbrennungs- mit einem Elektromotor kombinieren, so der CDU-Politiker. In der Koalition aus Union und SPD herrscht darüber jedoch Uneinigkeit.

Merz wirbt bei EU-Gipfel für Aufhebung von Verbrenner-Aus – SPD hält dagegen

Umweltminister Carsten Schneider (SPD) erklärte zuletzt am Rande der Kabinettsklausur in Berlin, er setze darauf, dass die Regierung bei den regulatorischen Rahmenbedingungen für die Automobilindustrie konsistent bleibe: Unternehmen, die sich für Investitionen in Elektromobilität und klimaneutrales Fahren entschieden hätten, müssten sich darauf verlassen können.

Auch Klimaökonomin Claudia Kemfert warnt vor den Folgen einer Abkehr vom Verbrennerverbot – auch für die deutsche Wirtschaft: „Das Vorhaben ist industrie- und klimapolitisch ein Rückschritt“, erklärt Kemfert gegenüber Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. „Das Verbrenner-Aus ab 2035 ist EU-Recht und gibt Unternehmen Planungssicherheit. Ein deutscher Sonderweg würde nur Chaos und Investitionsunsicherheit schaffen“, mahnt die Ökonomin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Kanzler will Verbrenner-Aus kippen: Ökonomin warnt vor Folgen für den Arbeitsmarkt

Sollte das geplante Verbrenner-Aus gekippt werden, wären Milliardeninvestitionen gefährdet. Zudem würde der Schritt „Arbeitsplätze im Zukunftsmarkt E-Mobilität schwächen und die Klimaziele im Verkehr noch weiter verfehlen“. Die Ökonomin führt aus: „Am Ende wären die Schäden teurer als die Transformation selbst.“

Endgültig beschloss die EU im Jahr 2023 das Aus für neue Autos mit Verbrennungsmotor: Bereits 2022 hatten sich die EU-Umweltminister darauf geeinigt, dass ab 2035 in der EU keine neuen Autos mit Benzin- oder Dieselmotor mehr zugelassen werden sollen. Ziel ist es, die CO₂-Emissionen im Verkehrssektor zu senken. Kemfert rechnet nicht damit, dass eine Mehrheit der EU-Staaten das Vorhaben des Kanzlers unterstützen wird – zwar forderten einige Länder Lockerungen: „Aber die Mehrheit hält am 2035-Pfad fest.“ Einen kompletten Kurswechsel in Sachen Verbrenner-Verbot hält die Expertin daher für unwahrscheinlich.

Merz-Ansage vor EU-Gipfel: „Maschine in Brüssel jetzt mal das Stöckchen in die Räder halten“

Merz hatte angekündigt, nicht nur in Sachen Verbrenner-Aus auf Konfrontationskurs gehen zu wollen. An die EU hatte der Kanzler vor dem Treffen in Kopenhagen eine klare Botschaft gerichtet: „So wie diese EU immer mehr, immer mehr, immer mehr reguliert, so kann es nicht weitergehen“, erklärte der CDU-Politiker am Freitag beim Bundesmittelstandstag in Köln.

„Wir müssen dieser Maschine in Brüssel jetzt mal das Stöckchen in die Räder halten, damit das mal aufhört mit dieser beständigen Regulierung aus dieser Gesetzgebungsmaschine der Europäischen Union.“ Aus Regierungskreisen heißt es, Merz‘ Forderungskatalog betreffe neben dem Verbrenner-Aus auch Themen, wie das EU-Lieferkettengesetz. Auch hier dürfte der Koalitionspartner SPD nicht begeistert sein. Bereits zu Beginn seiner Amtszeit hatte Merz bei seinem Antrittsbesuch bei der EU-Kommission eine Aufhebung des Gesetzes angesprochen. Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) widersprach wenige Tage später: Man werde am Lieferkettengesetz festhalten.

Klimaökonomin rät Merz-Regierung zu Tempo bei Genehmigungen für Lade- und Schieneninfrastruktur

Um Fortschritt, Bürokratieabbau und Klimaschutz zu verbinden, plädiert Klimaökonomin Claudia Kemfert dafür, klare Regeln zu setzen: Genehmigungen für Lade- und Schieneninfrastruktur müssten drastisch beschleunigt und einheitliche Standards einführt werden. „Bürokratieabbau heißt nicht weniger Klimaschutz, sondern weniger Hürden für klimafreundliche Innovationen.“

Die Expertin rät: „Die Regierung sollte am 2035-Ziel festhalten, Ladeinfrastruktur und Netzausbau beschleunigen, den Schienenverkehr massiv ausbauen und den öffentlichen Nahverkehr stärken.“ Zudem solle sie „ein Bonus-Malus-System für Neuwagen einführen, Tempolimits umsetzen und Dienstwagenprivilegien reformieren. Dazu braucht es verlässliche CO₂-Preise, deren Einnahmen sozial gerecht zurückgegeben werden.“ (dpa, Politico) (pav)

Rubriklistenbild: © Kira Hofmann

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