Thema schon auf EU-Gipfel?

Merz stellt sich klar wie nie gegen Verbrenner-Verbot – SPD und Grüne rebellieren

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Kommt das Aus für das Verbrenner-Aus? Friedrich Merz positioniert sich klar. Gegenwind kassiert der Kanzler dafür auch vom Koalitionspartner.

Berlin – Knapp fünf Monate währt die neue Bundesregierung nun bereits. In dieser Zeit haben Union und SPD längst nicht immer mit einer Stimme gesprochen. Das zeigte sich nicht zuletzt bei der Wahl dreier neuer Verfassungsrichter, die erst im zweiten Anlauf über die Bühne gebracht wurde, nachdem die Sozialdemokraten ihre Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf ausgetauscht hatten.

Will der Autoindustrie keine Vorgaben machen: Friedrich Merz stellt sich deutlich gegen das Verbrenner-Verbot.

Das nächste Thema, das Schwarz und Rot entzweit, steht aber bereits vor der Tür. Bundeskanzler Friedrich Merz hat es dort platziert, indem er sich beim „Schwarz Ecosystem Summit“ in Berlin vor Unternehmern zu einem in der Union schon länger diskutierten Thema deutlich wie nie zuvor äußerte.

Merz gegen Verbrenner-Verbot: Bundeskanzler will EU-Regelung aufheben lassen

„Ich werbe auch unter Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union dafür, ich werbe gegenüber der EU-Kommission dafür, dass wir dieses Verbrenner-Verbot aufheben“, betonte der CDU-Chef laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Reaktion des Koalitionspartners ließ nicht lange auf sich warten.

Das sogenannte Verbrenner-Verbot soll 2035 in Kraft treten. Es war von der EU mit dem Ziel festgelegt worden, bis 2050 Klimaneutralität im Verkehrssektor herzustellen. Dahinter verbirgt sich die Vorgabe, dass ab 2035 alle neuen Autos emissionsfrei sein müssen. Auch danach dürften weiterhin Fahrzeuge mit Verbrenner-Motor genutzt werden, das EU-Parlament gab jedoch bereits zu bedenken, dass die Gesamtbetriebskosten steigen könnten.

Merz befürchtet offenbar wie zahlreiche Kollegen in der Union, dass die Regelung die deutsche Wirtschaft und speziell die Kfz-Branche schwer treffen könnte. Er riet dazu, „dass wir zum Beispiel Technologien zulassen, wie diese sogenannten Range Extender, die von deutschen Automobilherstellern entwickelt werden“. Diese sollen – wie es der Name schon sagt – die Reichweite vor allem von Elektroautos verlängern, setzen selbst jedoch auf die Verbrenner-Technologie.

Autofahrer aufgepasst: Die 15 besten Tipps zum Spritsparen

Zu den richtigen Zeiten tanken
Zu den richtigen Zeiten tanken: Die Kraftstoffpreise schwanken täglich und können sich je nach Tageszeit deutlich unterscheiden. Besonders abends zwischen 18 und 19 Uhr sind die Preise an vielen Tankstellen am günstigsten, da zu dieser Zeit weniger Pendler tanken. Wer zur richtigen Zeit tankt, kann pro Jahr spürbar sparen und die Haushaltskasse schonen. © Imago/Manfred Segerer
Reifendruck messen
Reifendruck regelmäßig prüfen: Ein zu niedriger Reifendruck erhöht den Rollwiderstand, wodurch der Motor mehr Leistung aufbringen muss. Bereits ein geringer Druckverlust kann den Spritverbrauch um 1 bis 2 % ansteigen lassen. Um dies zu vermeiden, sollte der Reifendruck mindestens einmal im Monat und vor längeren Fahrten kontrolliert werden. © Imago/Burkhard Schubert
Das richtige Gangschalten
Das richtige Gangschalten: Frühes Hoch- und spätes Runterschalten verringert die Drehzahl und spart so Sprit. Insbesondere im Stadtverkehr zahlt sich eine vorausschauende Fahrweise aus, da ständiges Beschleunigen und Abbremsen den Verbrauch in die Höhe treibt. Der optimale Verbrauch liegt meist bei mittleren Drehzahlen und moderatem Gasgeben. © Imago
Auf unnötige Lasten verzichten
Auf unnötige Lasten verzichten: Jedes zusätzliche Kilogramm kostet beim Fahren mehr Energie. Entfernen Sie Dachgepäckträger, Fahrradhalter und schwere Gegenstände aus dem Kofferraum, wenn sie nicht gebraucht werden. Schon 100 kg extra Gewicht können den Verbrauch um 0,1 Liter pro 100 km erhöhen. © Imago/Evgenii Lashchenov
Rekuperation nutzen (bei Hybrid- und E-Autos)
Rekuperation nutzen (bei Hybrid- und E-Autos): Bei Hybrid- und Elektroautos wird beim Bremsen Energie in die Batterie zurückgespeist. Sanftes Bremsen und Ausrollen lassen ermöglicht es, diese Energie optimal zurückzugewinnen und so die Reichweite zu verlängern. Eine vorausschauende Fahrweise hilft, häufiger in den Genuss dieser „kostenlosen“ Energie zu kommen. © Imago/Filippo Carlot
Konstant fahren statt Gas geben
Konstant fahren statt Gas geben: Ständige Geschwindigkeitswechsel belasten den Motor und steigern den Spritverbrauch. Eine gleichmäßige Fahrweise im mittleren Drehzahlbereich sorgt hingegen für einen optimalen Verbrauch. Besonders auf der Autobahn zahlt es sich aus, eine konstante Geschwindigkeit zu halten. © Imago/Christoph Hardt
Richtig heizen und kühlen
Richtig heizen und kühlen: Klimaanlagen und Heizungen sind echte Spritfresser, da sie zusätzliche Energie benötigen. Eine vernünftige Einstellung, wie z.B. eine moderate Temperatur im Sommer und eine kurze Heizphase im Winter, reduziert den Mehrverbrauch. Nutzen Sie die Lüftungssysteme nur dann, wenn sie wirklich gebraucht werden. © Imago
Motor im Stand nicht laufen lassen
Motor im Stand nicht laufen lassen: Bei längeren Wartezeiten, etwa an Bahnübergängen oder im Stau, sollte der Motor ausgeschaltet werden. Bereits wenige Minuten im Leerlauf können den Verbrauch merklich erhöhen und schaden der Umwelt durch unnötige Abgase. Moderne Fahrzeuge mit Start-Stopp-Automatik übernehmen das für Sie automatisch. © Imago/Gottfried Czepluch
Elektrische Verbraucher sparsam einsetzen
Elektrische Verbraucher sparsam einsetzen: Sitzheizung, Navigationsgeräte und Co. sind praktisch, aber jeder elektrische Verbraucher erhöht den Spritverbrauch. Nutzen Sie diese Funktionen daher gezielt und nur, wenn es notwendig ist. Besonders bei Kurzstrecken lohnt es sich, auf unnötige Verbraucher zu verzichten, um den Verbrauch niedrig zu halten. © Imago/Bernd Leitner
Vorausschauend fahren
Vorausschauend fahren: Eine vorausschauende Fahrweise, die den Verkehr frühzeitig beobachtet, verhindert ständiges Abbremsen und Beschleunigen. So lässt sich im Stadtverkehr bis zu 15 % Kraftstoff sparen, da weniger Energie für das Bremsen verschwendet wird. Rollen Sie zum Beispiel bei einer roten Ampel einfach aus, anstatt abrupt zu bremsen. © Imago/Manuel Kamuf
Aerodynamik verbessern
Aerodynamik verbessern: Offene Fenster, Dachträger und Dachboxen erhöhen den Luftwiderstand und treiben den Spritverbrauch in die Höhe. Ab einer Geschwindigkeit von 80 km/h sollte das Fenster lieber geschlossen bleiben und unnötige Aufbauten entfernt werden. Eine bessere Aerodynamik hilft, den Verbrauch zu reduzieren und die Fahrt effizienter zu gestalten. © Imago
Langsam anfahren
Langsam anfahren: Ein sanftes Anfahren an der Ampel spart nicht nur Sprit, sondern schont auch den Motor und die Reifen. Statt das Gaspedal voll durchzutreten, sollte man moderat beschleunigen und das Fahrzeug sanft auf Tempo bringen. Dies senkt den Verbrauch besonders im Stadtverkehr, wo häufiges Anfahren üblich ist. © Imago
Regelmäßige Wartung des Autos
Regelmäßige Wartung des Autos: Ein gut gewartetes Auto verbraucht weniger Kraftstoff, da der Motor und die Technik effizienter arbeiten. Regelmäßige Inspektionen, bei denen Luftfilter, Zündkerzen und Öl geprüft und ausgetauscht werden, tragen zur Langlebigkeit des Fahrzeugs bei. Schon ein verstopfter Luftfilter kann den Verbrauch spürbar erhöhen. © Imago
Auf Tempolimits achten
Auf Tempolimits achten: Bei höheren Geschwindigkeiten steigt der Luftwiderstand erheblich, was den Spritverbrauch in die Höhe treibt. Fahren Sie deshalb im moderaten Geschwindigkeitsbereich, idealerweise zwischen 80 und 120 km/h, um den Verbrauch zu optimieren. Jedes Auto hat eine optimale Geschwindigkeit für die beste Effizienz, die oft bei den gesetzlich vorgeschriebenen Tempolimits liegt. © Imago/Martin Schroeder
Tempomat nutzen
Tempomat nutzen: Der Tempomat sorgt für eine konstante Geschwindigkeit, was auf längeren Strecken den Verbrauch verringert. Gerade auf der Autobahn oder Landstraße können Tempowechsel vermieden werden, wodurch der Motor gleichmäßiger und sparsamer läuft. Zudem fördert der Tempomat eine entspanntere Fahrt, da ständiges Beschleunigen und Bremsen entfällt. © Imago

SPD-Politiker kontert Merz wegen Verbrenner-Diskussion: „Wirtschaft wird verunsichert“

Auch hybride Antriebe sollten zugelassen werden, ergänzte Merz. Sein Vorschlag lautet, die Politik solle es den Autoherstellern und den Zulieferern überlassen, „den technologischen Weg aufzuzeigen, der uns zur Co2-Neutralität bis 2035, ’40, ‘45 bringt“. Denn es sei „grundsätzlich falsch, wenn der Staat einseitig Technologien vorgibt, die für einen bestimmten Zeitpunkt erreicht werden müssen oder verboten werden müssen“.

Die geplante Merz-Intervention gegen das Verbrenner-Aus sieht Sebastian Roloff allerdings kritisch. Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion warnte im Tagesspiegel: „Wer den Ausstieg aus dem fossilen Verbrenner infrage stellt, gefährdet die langfristige Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes und verunsichert die Wirtschaft.“ Er warf dem Kanzler vor, „Planungsunsicherheit“ zu schüren und erklärte: „Unsere Autoindustrie braucht Rückenwind für die klimaneutrale Zukunft, keinen Anker in der Vergangenheit.“

Halten die Aussagen des Bundeskanzlers zum Verbrenner-Aus für gefährlich: Cem Özdemir (l.) und Sebastian Roloff fordern vor allem einen langfristigen Blick der Regierung.

In dem Artikel kommt auch Cem Özdemir zu Wort. Der Grünen-Politiker stellt klar: „Eine Politik, die die Zukunft unserer Industrie im Blick hat, muss den Blick nach vorne richten und pragmatisch handeln, anstatt eine kurzsichtige Rolle rückwärts zu machen.“ Sein Motto lautet: „Flexibilität beim ‚Wann‘ ermöglichen, aber beim ‚Wohin‘ klar Kurs halten.“

Auch SPD-Politiker offen für Debatte über Verbrenner-Aus: „Wunsch nach Technologieoffenheit“

Vor wenigen Tagen gab es aus der SPD allerdings auch Stimmen, die sich offen für eine Abkehr von der Deadline 2035 zeigten. Im Spiegel sagte Esra Limbacher, Sprecher vom konservativen „Seeheimer Kreis“: „Wir müssen uns ehrlich machen: Die europäischen Ziele sind für die Automobilindustrie momentan in weiter Ferne.“ Nötig seien „mehr Flexibilität, mehr Pragmatismus bei Flottengrenzwerten und Strafzahlungen“.

Der SPD-Abgeordnete Andreas Schwarz aus dem Wahlkreis Bamberg verwies auf einen konkreten Fall: „In meinem Wahlkreis befinden sich viele Zuliefererbetriebe für den Automobilbereich. Hier werde ich immer wieder mit dem Wunsch nach Technologieoffenheit konfrontiert, weil der Staat nicht der bessere Ingenieur in Technikfragen ist.“

Motor der Zukunft? Der Range Extender wurde auch schon auf der IAA in München präsentiert.

Merz und das Verbrenner-Aus: Kanzler will Thema auf EU-Gipfel ansprechen

SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf verwies im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung zwar darauf, dass die Zukunft des Autos elektrisch sein werde. Im Vordergrund müssten aber immer „der Erfolg der deutschen Industrie“ sowie „die Sicherung von Arbeitsplätzen“ stehen. Mit Blick auf eine mögliche Verschiebung des Verbrenner-Verbots sagte er: „Deshalb sind wir gesprächsbereit. Wir werden uns die bis Jahresende in Aussicht gestellte Überprüfung der EU-Kommission genau ansehen.“

Merz hingegen will deutlich schneller aktiv werden, wie er auf der Veranstaltung in der Hauptstadt versprach. Bereits beim EU-Gipfel in Kopenhagen am 1. und 2. Oktober werde er das Thema auf den Tisch bringen. Während der informellen Tagung der Staats- und Regierungschefs am Mittwoch soll der Fokus laut dem Europäischen Rat der EU vor allem auf der gemeinsamen Verteidigung Europas und der Unterstützung für Ukraine gerichtet werden. (Quellen: dpa, Tagesspiegel, Spiegel, Neue Osnabrücker Zeitung) (mg)

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