Finanzielle Schieflage

Deutsches Familienunternehmen streicht 20 Prozent der Arbeitsplätze – bis zu 330 Mitarbeiter betroffen

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Ein traditionsreicher Möbelhändler aus dem Südwesten bekommt die Krise der Branche zu spüren und reagiert mit personellen Konsequenzen. Diese sollen rund 20 Prozent der Belegschaft betreffen.

Saarbrücken - Die deutsche Möbelindustrie hat derzeit massiv zu kämpfen, weshalb kürzlich erst ein 300 Jahre altes Unternehmen aus Baden-Württemberg Insolvenz anmelden musste, wobei es in diesem Fall aber bereits Licht am Ende des Tunnels gibt. Bei dem nach eigenen Angaben größten Möbeleinzelhandelsunternehmen in Südwestdeutschland, der Möbel-Martin-Gruppe mit Sitz in Saarbrücken (Saarland), wirken sich die Herausforderungen aber offenbar massiv auf die Mitarbeiter aus. Konkret sollen einem Bericht zufolge bis zu 330 Arbeitsplätze abgebaut werden, was etwa 20 Prozent der Belegschaft entspricht.

Die besten Arbeitgeber in Deutschland: Zu diesen Unternehmen wollen Fachkräfte 2025 gehen

Siemens AG - Hauptversammlung
Siemens hat es an die Spitze geschafft: In Deutschland würden viele Ingenieure am liebsten zu diesem Arbeitgeber gehen. Dort erhoffen sie sich neben guter Bezahlung und flexiblen Arbeitszeiten eine Firma, die für Innovation steht.  © Sven Hoppe/dpa
Die Vorstände des Technologie-Konzerns Bosch Christian Fischer (l-r), Markus Forschner, Stefan Grosch, Stefan Hartung (Vorsitzender), Tanja Rückert, Markus Heyn und Frank Meyer stehen bei der Bilanz-Pressekonferenz des Konzerns an einem Bosch Logo.
Bosch ist auf Platz 2 der führenden Arbeitgeber für junge Fachkräfte im Ingenieurswesen in Deutschland. Damit ist erstmals kein Automobilunternehmen ganz oben mit dabei - dafür aber ihre Zulieferer.  © Bernd Weißbrod/dpa
Porsche 911 Turbo 50 Jahre
Im Ranking der Beratungsfirma Universum hat es Porsche auf den dritten Platz geschafft. Beim letzten Ranking stand der Autokonzern noch an der Spitze, büßt bei Ingenieuren also zwei Plätze ein.  © Porsche AG
BMW-Stammwerk in München
Auch die BMW Group gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern der deutschen Ingenieure. Wie viele Autokonzerne kämpft auch BMW mit harten Zeiten - doch beim Thema E-Mobilität hat dieses Unternehmen die Nase vorn.  © Sven Hoppe/dpa
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen, l-r), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Markus Schäfer, Vorstandsmitglied der Mercedes-Benz Group, Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group, und Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, stehen während der Eröffnungsfeier des Mercedes-Benz-Campus ´zusammen
Bei Mercedes-Benz erhoffen sich Ingenieure ebenfalls eine gute Zukunft mit guter Bezahlung und fairen Arbeitsbedingungen. Noch dazu scheint das Unternehmen sich als besonders innovativ herausstellen zu können.  © Sebastian Gollnow/dpa
Ein Airbus von Qatar Airways landet auf dem Hamburger Flughafen
Einen Platz nach oben gerutscht ist im Universum-Ranking für Ingenieure auch Airbus. Der Flugzeughersteller konnte sich in den vergangenen Monaten gegenüber dem Konkurrenten Boeing positiv positionieren - letzterer ist geplagt von Skandalen und Negativschlagzeilen.  © Georg Wendt/dpa
Gernot Döllner, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, bei der Vorstellung der Jahreszahlen 2023.
Auch Audi bleibt bei Ingenieuren als Arbeitgeber beliebt - muss aber zwei Plätze im Vergleich zum Vorjahr einbüßen. Die Ingolstädter leiden ebenfalls unter der Autokrise - gerade wird über die Schließung eines Werks in Brüssel intensiv diskutiert.  © Sven Hoppe/dpa
Google eröffnet Cloud-Rechenzentrum in Hanau
Google ist für Ingenieure ein beliebter Arbeitgeber in Deutschland, der Tech-Riese steigt sogar auf im Ranking. Bei der letzten Untersuchung konnte Google nur den 10. Platz für Ingenieure belegen. Dafür ist der Gigant aus den USA im Fachkräfte-Ranking bei der IT an der Spitze der beliebtesten Arbeitgeber.  © Arne Dedert/dpa
Deutsche Bahn fährt in Dresden
Kaum zu glauben, aber wahr: Die Deutsche Bahn gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern für Ingenieure in Deutschland. Trotz seines schlechten Rufs als Verkehrsmittel scheint die Firma insbesondere Fachkräfte gut zu erreichen. Bei den Lokführern und Kontrolleuren hingegen hörte man zuletzt eigentlich nur Frust.  © Robert Michael/dpa
Björn Bernhard, Geschäftsführer der Rheinmetall Landsysteme GmbH, spricht bei der Übergabe vom Radpanzer für die Bundeswehr vom Typ Boxer als Schwerer Waffenträger Infanterie. Der Rüstungskonzern Rheinmetall ist mit der Lieferung der 123 Boxer-Fahrzeuge beauftragt worden.
Auf Platz 10 hat es zum ersten Mal ein Rüstungsunternehmen geschafft: Rheinmetall steigt im Ranking der Ingenieure um drei Plätze auf. Damit profitiert das Unternehmen von einer neuen Stellung und Wahrnehmung im Land.  © Philipp Schulze/dpa

Der familiengeführte Möbelhändler Möbel Martin wurde im Jahr 1959 gegründet und betreibt insgesamt acht Einrichtungshäuser im Saarland und in Rheinland-Pfalz. Wie die Saarbrücker Zeitung in Bezug auf ein internes Schreiben der Geschäftsführung an die Belegschaft berichtet, hat Möbel Martin im vergangenen Jahr rote Zahlen geschrieben und muss deshalb entsprechend reagieren. Auch bei Weltkonzernen wie Daimler Truck steht aufgrund eines Umsatzeinbruchs im vergangenen Jahr ein Stellenabbau im Raum.

Traditionsbetrieb reagiert mit Stellenabbau auf Finanzlage und schließt auch Kündigungen nicht aus

Dem Schreiben zufolge schreibt Möbel Martin, das an seinen Standorten insgesamt rund 1.600 Mitarbeiter beschäftigt, bereits im zweiten Jahr in Folge rote Zahlen und müsse deshalb in mehreren Bereichen personelle Veränderungen vornehmen. Dazu zählen sowohl der Verkauf und die Logistik als auch die Koordination. Insgesamt sollen laut dem Bericht 330 Arbeitsplätze gestrichen werden, von denen bereits 110 durch Maßnahmen wie Vorruhestand oder die „natürliche Fluktuation“ abgebaut werden konnten. Für die weiteren Maßnahmen schließt der Familienbetrieb aus Saarbrücken direkte Kündigungen aber nicht aus.

Name Möbel Martin B.V. & Co. KG
Gründung 1959 in Neunkirchen, Saarland
Sitz Saarbrücken, Saarland
Branche Möbelindustrie, Einzelhandel
Standorte (Auswahl) Saarbrücken, Neunkirchen, Ensdorf (Saarland). Mainz, Kaiserslautern, Zweibrücken (Rheinland-Pfalz)

„Wir bedauern zutiefst, uns von Mitarbeitern trennen zu müssen“, erklärte Nicolas Martin, der Sprecher der Geschäftsführung, auf Anfrage der Saarbrücker Zeitung. „Aber die Krise auf dem Möbelmarkt und die allgemeine Rezession, mit der Deutschland bereits seit zwei Jahren kämpft, lässt uns keine Wahl.“ Bereits im vergangenen Jahr musste ein Möbelhersteller aus Baden-Württemberg einen kompletten Standort im Südwesten schließen und auch am Hauptsitz gab es personelle Konsequenzen. Seitdem hat sich die Lage in der Möbelindustrie nicht gerade verbessert.

Maßnahmen bei Möbel Martin könnten die verbleibende Belegschaft ebenfalls betreffen

In dem Schreiben an die Belegschaft erklärt die Geschäftsführung von Möbel Martin, dass dem Unternehmen die Folgen der Corona-Pandemie nach wie vor Probleme bereiten und die hohen Kosten für Strom und Rohstoffe diese noch weiter verstärkt hätten. Das Unternehmen muss deshalb, wie derzeit viele, reagieren und seine Prozesse und Strukturen verschlanken und anpassen. Zudem seien Investitionen geplant, um im „aggressiven Wettbewerbsumfeld“ bestehen zu können. Eben deshalb stehen aber auch jegliche Posten auf dem Prüfstand, die möglicherweise eingespart werden können.

Der Möbelhändler Möbel Martin muss auf eine finanzielle Schieflage reagieren und plant, 330 Arbeitsplätze abzubauen.

Dem Bericht zufolge könnte diese Anpassung die verbleibende Belegschaft des Möbelhändlers ebenfalls betreffen, da man mit den Arbeitnehmervertretern im Gespräch sei, „die Arbeitsverträge aller Mitarbeiter unseres Hauses auf zeitgemäße, stärker leistungsorientierte Parameter umzustellen“. Das könnte demnach Gehaltseinbußen für die Angestellten bedeuten. Bereits im vergangenen Jahr hatten Unternehmen, beispielsweise der Technologiekonzern Bosch, die Arbeitszeit und damit das Gehalt von Teilen der Belegschaft gekürzt, um Kosten einzusparen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/BeckerBredel

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