Debatte um freie Tage

Feiertag-Debatte: Chef von Deutschlands größter Landesbank will deutlich mehr Arbeitstage

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Für die Wirtschaft wird seit Längerem über die Streichung eines Feiertages nachgedacht. Der Chef der LBBW geht noch einen Schritt weiter.

Stuttgart – Die deutsche Wirtschaft schwächelt seit einiger Zeit gewaltig, was sich unter anderem in den vermehrt auftretenden Insolvenzen im Land bemerkbar macht. Nach einem Corona-Hoch musste beispielsweise jüngst erneut ein deutsches Traditionsunternehmen Insolvenz anmelden. Um die Wirtschaft anzukurbeln, wird seit einiger Zeit über die Streichung eines Feiertages nachgedacht, was von der Arbeitnehmerseite und auch von der Kirche massiv kritisiert wird. Der Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die nach Kreditsumme die größte Landesbank Deutschlands ist, geht aber sogar noch einen Schritt weiter.

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Die Zentrale der Schwarz-Gruppe, derSchwarz Finanz und Beteiligungs GMBH & Co. KG und derLIDL Stiftung & Co. KG in Neckarsulm.
Sagt Ihnen die Schwarz-Gruppe etwas? Der Mischkonzern ist mit 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Marijan Murat/dpa
Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Weltweit bekannt sind die Discounter Lidl und Kaufland, die zur Schwarz-Gruppe gehören, aber dennoch Konkurrenten sind.  © Christian Johner/dpa
Die Hinterhof-Werkstatt von Robert Bosch, die er in den Jahren 1897 bis 1901 in der Kanzleistraße 22 in Stuttgart betrieb.
In diesem Hinterhof in Stuttgart wurde der größte Industriekonzern Baden-Württembergs gegründet. Wissen Sie welcher?  © Robert Bosch GmbH
Das Logo des Industriekonzerns Bosch ist an der Hauptverwaltung zu sehen.
Richtig: Die Robert Bosch GmbH mit weltweit 417.900 Mitarbeitern.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Werk der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 1908.
Wir bleiben historisch: Daimler-Motoren-Gesellschaft, Daimler-Benz, DaimlerChrysler, Daimler AG und heute... © Mercedes-Benz AG – Communications
Der Besuchereingang an der Mercedes-Benz Konzernzentrale in Stuttgart-Untertürkheim.
... Mercedes-Benz Group: Der Stuttgarter Autokonzern mit weltweit rund 175.000 Mitarbeitern darf hier nicht fehlen.  © Corporate Communication (MS/CC)
Die Stadt Friedrichshafen liegt am Bodensee, während im Hintergrund die Alpen in der Schweiz und in Österreich zu sehen sind.
Von Stuttgart an das Bodenseeufer: Hier hat ein weiterer global bedeutender Technologiekonzern seinen Hauptsitz.  © Felix Kästle/dpa
Das Forum der ZF Friedrichshafen wird von der Abendsonne angestrahlt.
Die ZF Friedrichshafen ist mit über 161.600 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer der Welt.  © Felix Kästle/dpa
Blick auf Gebäudeteile der Firmenzentrale des Software-Unternehmens SAP in Walldorf.
Darüber hinaus hat auch das wertvollste Unternehmen Europas seinen Sitz in Baden-Württemberg.  © Uwe Anspach/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
Genau, die SAP: der Softwarekonzern beschäftigt weltweit mehr als 109.000 Mitarbeiter. Nun geht es aber zurück in die Industrie.  © Uwe Anspach/dpa
Ein Mitarbeiter putzt vor der Präsentation den Mercedes-Stern des neuen Fernverkehrs-Lkw eActros 600.
Mercedes hatten wir doch schon in der Liste! Richtig, es gibt aber noch ein Unternehmen, das dieses legendäre Logo tragen darf.  © Jonas Walzberg/dpa
Ein Mercedes-Benz Lastwagen steht vor der Zentrale von Daimler Truck.
Daimler Truck gilt mit rund 102.900 Mitarbeitern als größter Nutzfahrzeughersteller der Welt.  © Bernd Weißbrod/dpa
Influencerin Pamela Reif (l) kassiert in einer dm Filiale für einen guten Zweck.
Na gut, ein Export-Schlager aus Karlsruhe darf auch nicht fehlen. Und damit ist nicht Influencerin Pamela Reif gemeint.  © Christoph Schmidt/dpa
Eine dm-Filiale in Homburg, Saarland.
Sondern dm. Die Drogeriemarktkette gilt mit 4.100 Filialen und knapp 90.000 Mitarbeitern als größte der Welt. © IMAGO/Lobeca
Eine Zweigstelle von Würth in Kempten im Allgäu, Bayern.
Wenn wir schon bei Superlativen sind: Auch das weltgrößte Unternehmen für Befestigungstechnik hat seinen Sitz im Ländle.  © IMAGO/imageBROKER/Manfred Bail
Der Konzernsitz der Würth-Gruppe in Künzelsau, Baden-Württemberg.
Würth: Aus einem Schraubenhandel in Künzelsau entwickelte sich ein Weltkonzern mit heute über 88.000 Mitarbeitern. © IMAGO/Arnulf Hettrich
Arnd Franz, der Vorstandsvorsitzende des Automobilzulieferers Mahle, betrachtet bei der Bilanz-Pressekonferenz am Stammsitz in Stuttgart ein Gravel-Bike mit einem Mahle Antrieb.
Ein bekannter Fahrrad-Hersteller aus Baden-Württemberg? Nein, hier geht es um den Antrieb.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen.
Autozulieferer Mahle, der natürlich nicht nur Fahrrad-Antriebe baut, beschäftigt weltweit knapp 70.000 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Die Werkszentrale von Freudenberg in Weinheim.
Freudenberg? Hier geht es nicht um die bayerische Gemeinde, sondern um einen echten Hidden Champion. © Ronald Wittek/dpa
: Ein Putzgerät der Marke Vileda liegt im Showroom des Technologiekonzerns Freudenberg.
Der Freudenberg-Konzern beschäftigt mehr als 52.000 Mitarbeiter und ist vor allem für die Marke Vileda bekannt.  © Uwe Anspach/dpa
Eine Firmenlogo des Baustoffkonzerns „Heidelberg Materials“, ehemals „HeidelbergCement“, ist an einem vor der Firmenzentrale geparkten Betonmischer angebracht.
Von Reinigungsprodukten zum weltgrößten Baustoffhersteller? So ist das halt mit Listen, die nach Mitarbeiterzahl geordnet sind.  © Uwe Anspach/dpa
Firmenzentrale des börsennotierten Baustoffkonzerns Heidelberg Materials in Heidelberg, Baden-Württemberg.
Heidelberg Materials, ehemals unter anderem HeidelbergCement, beschäftigt rund 51.000 Mitarbeiter auf fünf Kontinenten.  © IMAGO/Udo Herrmann
Eine Mitarbeiterin geht im Lager des Pharma-Großhändlers Phoenix in Gotha (Thüringen) zwischen Regalen entlang.
Und was wird hier gelagert? Schrauben, Werkzeuge? Nein, Pharmazubehör - und Ausrüstung.  © Martin Schutt/dpa
Ein Firmenschild mit dem Unternehmenslogo steht vor der Firmenzentrale des Pharmahändlers Phoenix.
Der Pharmagroßhändler Phoenix Pharma mit Hauptsitz in Mannheim beschäftigt über 48.000 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa
Das Logo des Optikkonzerns Zeiss auf Flaggen vor dem Firmensitz (links). Das Wappen von Sportwagenbauer Porsche (rechts).
Weitere große Unternehmen sind Zeiss (rund 46.000 Mitarbeiter) und der Sportwagenbauer Porsche (mehr als 42.000 Angestellte).  ©  IMAGO/CHROMORANGE & Marijan Murat/dpa

In der derzeitigen Wirtschaftskrise wird von verschiedenen Seiten immer wieder skandiert, dass in Deutschland schlichtweg zu wenig gearbeitet wird. Mercedes-Chef Ola Källenius hatte in der Vergangenheit betont, dass statt einer 4-Tage-Woche „die Ärmel hochgekrempelt“ werden müssten und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte sich jüngst ebenfalls für mehr Arbeit ausgesprochen und war dafür massivst kritisiert worden. LBBW-Chef Rainer Neske erklärte im Interview mit der WirtschaftsWoche aber, dass dieser Schritt das richtige Signal sei.

LBBW-Chef spricht sich für Streichung von einem oder sogar zwei Feiertagen aus

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) mit Sitz in Stuttgart und weiteren Hauptsitzen in Karlsruhe, Mannheim (Baden-Württemberg) und Mainz (Rheinland-Pfalz) sowie Standorten weltweit beschäftigt mehr als 10.000 Mitarbeiter und ist damit nicht nur eines der größten Kreditunternehmen der Bundesrepublik, sondern auch ein großer Arbeitgeber. Rainer Neske hatte bereits im Frühjahr gefordert, einen Feiertag zu streichen, um Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. „Wir haben in Deutschland schon relativ viele freie Tage“, betonte er im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. „Deshalb halte ich es für nicht ungebührlich, ein oder zwei Feiertage zu streichen.“

Name Landesbank Baden-Württemberg (LBBW)
Gründung 1818 (Vorgängerbanken)
Sitz Stuttgart (Hauptsitz), Karlsruhe, Mannheim, Mainz
Leitung Rainer Neske (Vorstandsvorsitzender)
Branche Bankwesen
Mitarbeiter 10.434
Bilanzsumme rund 333 Milliarden Euro (2023)

Dass Deutschland vergleichsweise viele Feiertage hat, beispielsweise den zurückliegenden Vatertag (Christi Himmelfahrt) am 29. Mai, war bislang keine große Hürde für die starke deutsche Wirtschaft. Gerade in jüngerer Vergangenheit hat sich das Blatt aber massiv gewendet. „Wir dürfen die Augen nicht vor der Realität verschließen: Der Wirtschaftsstandort Deutschland steht in einem brutalen globalen Wettbewerb“, machte auch LBBW-Chef Neske deutlich. „Darauf müssen wir reagieren.“

LBBW-Chef untermauert Forderung mit Beispielrechnung – „das ist schon sehr viel“

Laut dem Chef der Landesbank gibt es mehrere Hebel, um auf die aktuelle Situation zu reagieren, und die Arbeitszeit sei eine davon. Während Unternehmen wie die ZF Friedrichshafen die Arbeitszeit, und damit das Gehalt, ihrer Mitarbeiter aus Kostengründen senken, regen Neske und andere eben an, mehr statt weniger zu arbeiten. In der Debatte um die Streichung eines Feiertags argumentieren Befürworter, dass dadurch das Bruttoinlandsprodukt und die Steuereinnahmen erhöht werden. Kritiker sehen dagegen eher eine Abnahme der Produktivität, da Feiertage zur Erholung und Regeneration gedacht sind.

LBBW-Chef Rainer Neske (links) spricht sich für die Streichung von einem oder zwei Feiertagen aus, um die Wirtschaft zu stärken.

Dass Rainer Neske sich nicht nur für die Streichung von einem, sondern sogar von zwei Feiertagen ausspricht, untermauert der LBBW-Chef im Interview aber mit einer Beispielrechnung. „Wenn man grob gerechnet von 200 Arbeitstagen pro Jahr ausgeht, dann wären zwei zusätzliche Arbeitstage rund ein Prozent mehr Arbeitsleistung“, erklärte er. „Das ist schon sehr viel.“ Noch wichtiger sei aber, dass der Verzicht auf die freien Tage ein Weckruf dafür sei, „dass jetzt alle anpacken müssen“. Die Linke fordert dagegen sogar noch mehr Feiertage für die Arbeitnehmer.

Rubriklistenbild: © Bernd Weißbrod/dpa

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