Feiertag-Debatte: Chef von Deutschlands größter Landesbank will deutlich mehr Arbeitstage
VonJulian Baumann
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Für die Wirtschaft wird seit Längerem über die Streichung eines Feiertages nachgedacht. Der Chef der LBBW geht noch einen Schritt weiter.
Stuttgart – Die deutsche Wirtschaft schwächelt seit einiger Zeit gewaltig, was sich unter anderem in den vermehrt auftretenden Insolvenzen im Land bemerkbar macht. Nach einem Corona-Hoch musste beispielsweise jüngst erneut ein deutsches Traditionsunternehmen Insolvenz anmelden. Um die Wirtschaft anzukurbeln, wird seit einiger Zeit über die Streichung eines Feiertages nachgedacht, was von der Arbeitnehmerseite und auch von der Kirche massiv kritisiert wird. Der Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die nach Kreditsumme die größte Landesbank Deutschlands ist, geht aber sogar noch einen Schritt weiter.
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In der derzeitigen Wirtschaftskrise wird von verschiedenen Seiten immer wieder skandiert, dass in Deutschland schlichtweg zu wenig gearbeitet wird. Mercedes-Chef Ola Källenius hatte in der Vergangenheit betont, dass statt einer 4-Tage-Woche „die Ärmel hochgekrempelt“ werden müssten und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte sich jüngst ebenfalls für mehr Arbeit ausgesprochen und war dafür massivst kritisiert worden. LBBW-Chef Rainer Neske erklärte im Interview mit der WirtschaftsWoche aber, dass dieser Schritt das richtige Signal sei.
LBBW-Chef spricht sich für Streichung von einem oder sogar zwei Feiertagen aus
Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) mit Sitz in Stuttgart und weiteren Hauptsitzen in Karlsruhe, Mannheim (Baden-Württemberg) und Mainz (Rheinland-Pfalz) sowie Standorten weltweit beschäftigt mehr als 10.000 Mitarbeiter und ist damit nicht nur eines der größten Kreditunternehmen der Bundesrepublik, sondern auch ein großer Arbeitgeber. Rainer Neske hatte bereits im Frühjahr gefordert, einen Feiertag zu streichen, um Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. „Wir haben in Deutschland schon relativ viele freie Tage“, betonte er im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. „Deshalb halte ich es für nicht ungebührlich, ein oder zwei Feiertage zu streichen.“
Name
Landesbank Baden-Württemberg (LBBW)
Gründung
1818 (Vorgängerbanken)
Sitz
Stuttgart (Hauptsitz), Karlsruhe, Mannheim, Mainz
Leitung
Rainer Neske (Vorstandsvorsitzender)
Branche
Bankwesen
Mitarbeiter
10.434
Bilanzsumme
rund 333 Milliarden Euro (2023)
Dass Deutschland vergleichsweise viele Feiertage hat, beispielsweise den zurückliegenden Vatertag (Christi Himmelfahrt) am 29. Mai, war bislang keine große Hürde für die starke deutsche Wirtschaft. Gerade in jüngerer Vergangenheit hat sich das Blatt aber massiv gewendet. „Wir dürfen die Augen nicht vor der Realität verschließen: Der Wirtschaftsstandort Deutschland steht in einem brutalen globalen Wettbewerb“, machte auch LBBW-Chef Neske deutlich. „Darauf müssen wir reagieren.“
LBBW-Chef untermauert Forderung mit Beispielrechnung – „das ist schon sehr viel“
Laut dem Chef der Landesbank gibt es mehrere Hebel, um auf die aktuelle Situation zu reagieren, und die Arbeitszeit sei eine davon. Während Unternehmen wie die ZF Friedrichshafen die Arbeitszeit, und damit das Gehalt, ihrer Mitarbeiter aus Kostengründen senken, regen Neske und andere eben an, mehr statt weniger zu arbeiten. In der Debatte um die Streichung eines Feiertags argumentieren Befürworter, dass dadurch das Bruttoinlandsprodukt und die Steuereinnahmen erhöht werden. Kritiker sehen dagegen eher eine Abnahme der Produktivität, da Feiertage zur Erholung und Regeneration gedacht sind.
Dass Rainer Neske sich nicht nur für die Streichung von einem, sondern sogar von zwei Feiertagen ausspricht, untermauert der LBBW-Chef im Interview aber mit einer Beispielrechnung. „Wenn man grob gerechnet von 200 Arbeitstagen pro Jahr ausgeht, dann wären zwei zusätzliche Arbeitstage rund ein Prozent mehr Arbeitsleistung“, erklärte er. „Das ist schon sehr viel.“ Noch wichtiger sei aber, dass der Verzicht auf die freien Tage ein Weckruf dafür sei, „dass jetzt alle anpacken müssen“. Die Linke fordert dagegen sogar noch mehr Feiertage für die Arbeitnehmer.