Defizit ausgleichen

Platz für Energiewende in Deutschland fehlt: Experten werfen „Supernetz“ in den Raum

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Demontiertes Windrad vom Ty Enercon E-58, in einem Windpark bei Issum (Symbolfoto). Wie viel Platz hat Europa für erneuerbare Energien? Das zeigt eine Analyse. Gerade bei Windkraft wird offenbar die Fläche knapp.
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Wie viel Platz hat Europa für erneuerbare Energien? Das zeigt eine Analyse. Gerade bei Windkraft wird offenbar die Fläche knapp.

Brüssel – Deutschland braucht mehr Landfläche für den Ausbau von Windkraft und Photovoltaik. Das hat eine aktuelle Untersuchung des European Environmental Bureau (EEB) hervorgehoben. Die Studie untersuchte den tatsächlichen Raum, den europäische Länder für den Ausbau erneuerbarer Energien benötigen. Es wurde festgestellt, dass Europa insgesamt genügend verfügbaren Raum hat, jedoch gibt es einige Länder, in denen der Platz knapp wird.

Mehr Platz für Windkraft – Analyse zeigt Platzmangel für erneuerbare Energien

Die Studie ergab, dass 2,2 Prozent der gesamten EU-Fläche ausreichend wären, um den Kontinent bis 2040 vollständig zu dekarbonisieren. Hierfür müssten die Länder diese Fläche mit Photovoltaik- und Windkraftanlagen bestücken. Das Joint Research Center (JRC) stellte fest, dass 5,2 Prozent der EU-Fläche für den Ausbau von Wind- und Solarkraftanlagen geeignet sind. Der Großteil dieser Flächen befindet sich in ländlichen Gebieten, während in städtischen Gebieten der Platz für den Bau von Solaranlagen begrenzt ist.

Das EEB gab bekannt: „Wir gehen davon aus, dass bis 2030 rund 2,8 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands erforderlich sind, um die Kapazitätsziele zu erreichen“. Bis 2040 müssten es sogar 4,4 Prozent sein. „Diese Zahlen sind signifikant höher als der EU-Schnitt.“ Deutschland sieht sich aufgrund seiner spezifischen regulatorischen und räumlichen Planung vor „Herausforderungen“ gestellt. Insbesondere die umfangreichen landwirtschaftlich genutzten Flächen Deutschlands (etwa 60 Prozent) und die geschützten Gebiete (15,44 Prozent) nehmen viel Platz ein. Hinzu kommen weitere zwei Prozent, die zukünftig für den Naturschutz benötigt werden.

„Supernetz“ aus Europa soll Klimaziele retten – wenn Windkraft und Photovoltaik nicht ausreichen

Laut JRC könnte Deutschland 0,66 Prozent seiner Fläche für Onshore-Windkraft, 0,62 Prozent für bodenmontierte Solarkraftanlagen und weitere 0,43 Prozent für Solarmodule auf Hausdächern nutzen. Das EEB stellte jedoch fest: „Vergleicht man den Flächenbedarf von Erneuerbare-Energien-Anlagen mit den verfügbaren geeigneten Flächen, so stößt man in Deutschland auf Platzbeschränkungen für Onshore-Windparks“. Es gibt genügend geeignetes Land für die benötigte Solar-PV-Kapazität, aber der Flächenbedarf für Onshore-Windkraftanlagen übersteigt die als geeignet markierte Fläche.

Die Studie schlägt eine Lösung für dieses Problem vor: Solidarität zwischen den europäischen Ländern. Deutschland ist nicht das einzige Land mit Platzmangel - auch Italien hat nicht genügend geeignetes Land für den Bedarf an erneuerbarer Energie. Ein „Supernetz“ könnte die Lösung sein, durch das Länder wie Spanien und Rumänien, die einen Überschuss an verfügbarem Land haben, die Defizite in Deutschland und Italien ausgleichen könnten. „Ein Supernetz wird von entscheidender Bedeutung sein, um 100 Prozent erneuerbare Energien zu erreichen“, so die Autoren der Studie.

Mehr Tempo beim Ausbau von Windkraft gefordert – „Geschwindigkeit muss sich verzwanzigfachen“

Es ist kein Geheimnis, dass Deutschland im Bereich der Windkraft hinterherhinkt. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) kritisierte bereits im Frühjahr die Ampel-Koalition für ihren mangelnden Ausbau der Windkraft. Die Bundesregierung strebt jährlich einen Zubau von zwölf Gigawatt bei der Windkraft an, doch Deutschland erreicht derzeit nur 3,4 Gigawatt pro Jahr. Insbesondere Bayern hat sich in den letzten Jahren als Hindernis erwiesen, da hier teilweise mehr Windkraftanlagen ab- als zugebaut werden.

„In Bayern muss sich die Geschwindigkeit beim Ausbau der Windenergie verzwanzigfachen“, forderte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw. Die Bundesregierung hat klare Ziele: Bis 2030 sollen Windkraftanlagen rund 115 Gigawatt an installierter Leistung beitragen. Im ersten Halbjahr geriet der Ausbau der Windenergie jedoch ins Stocken. Laut dem Bundesverband Windenergie (BWE) wurden mehr Windräder abgebaut als neue hinzugefügt. Bundesweit wurden 250 neue Windräder errichtet - 19 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

„Und es wäre dunkel“ – Verband warnt vor chinesischem Einfluss auf deutsche Windkraft

Es gibt jedoch auch abseits der Genehmigungen hohe Risiken für die deutsche Windkraft. Bärbel Heidebroek, Präsidentin des Bundesverbands Windenergie (BWE), warnte gegenüber n-tv: „Der chinesische Staat subventioniert seine Firmen extrem“. „Das ist kein fairer Wettbewerb. Dagegen kommen europäische Windhersteller nicht an.“ In der Solarbranche mussten bereits Hersteller ihre Produktion einschränken oder sogar einstellen, da der Preisdruck aus Asien zu hoch war. Europa muss verhindern, dass das Gleiche mit der Windkraft passiert.

China könnte jedoch noch mehr Chaos verursachen, wenn zu viele Windturbinen aus chinesischer Produktion in Deutschland stehen würden. Jeder Hersteller hat potenziell Zugriff auf seine Windenergieanlagen. „Diesen Zugriff müssen Hersteller auch haben, denn die Anlage muss gewartet oder bei einem Engpass oder Störung abgeriegelt werden.“ Theoretisch könnte China bei einem Überangebot an Anlagen aus dem Reich der Mitte „roten Knopf drücken und es wäre dunkel“. Heidebroek forderte Mechanismen, um eine chinesische Dominanz in Europa zu verhindern.

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