- VonStephanie Schoenschließen
Die Altersvorsorge ist ein brennendes Thema. Gerade Gutverdiener müssen sich fragen, wie sie ihren Lebensstandard im Alter bewahren können. Gesetzliche Rente und Betriebsrenten sind dabei ein wichtiger Baustein.
Wer fürs Alter vorsorgen will, dem wird häufig eine private Vorsorge empfohlen und immer öfter wird dabei die Börse ins Spiel gebracht. Es ist tatsächlich rentabel, über Aktien Geld anzusparen fürs Alter und die Risiken der Anlage am Aktienmarkt lassen sich über die Investition in breit gestreute Fonds auch minimieren. Dennoch ist das nicht für jeden etwas, wie auch Helge Lach, Vorstand des Finanzvermittlers DVAG, aus eigener Erfahrung weiß. Wie er dem Handelsblatt sagte, ist es durchaus sinnvoll, alle drei Säulen der Altersversorgung zu nutzen. Dazu gehören neben der privaten Vorsorge nämlich auch die gesetzliche Rente und die Betriebsrente. Und bei der gesetzlichen Rente und der Betriebsrente gibt es durchaus auch Möglichkeiten, die eigene Rente noch aufzubessern.
Die gesetzliche Rente hat einige attraktive Zusatzleistungen zu bieten
Berlin – Bei der gesetzlichen Rente denken viele nur an regelmäßige Beitragszahlungen, die Gutverdienern bestenfalls im Alter eine Grundversorgung zu bieten hat. Doch die gesetzliche Rente kann mehr. Neben Steuervorteilen bietet sie auch Schutz vor einem Verdienstausfall durch die integrierte Erwerbsminderungsrente und es können sogar Reha-Leistungen in Anspruch genommen werden. Außerdem kann sie, im Gegensatz zu anderen privaten Rentenversicherungsmodellen, auch nicht sinken, wie Finanzplaner Marcel Reyers gegenüber dem Handelsblatt erklärte. Damit sei sie ein durchaus guter Basisschutz.
Eine Maximalrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung in Höhe von 3.500 Euro monatlich lässt sich aber nur in den seltensten Fällen erreichen. Dafür müsste ein Rentenzahler ganze 45 Jahre durchweg ein Gehalt in Höhe der Beitragsbemessungsgrenze (aktuell: 96.600 Euro jährlich) erhalten haben und entsprechende Beiträge eingezahlt haben. Das ist auch bei Gutverdienern mit einer normalen Erwerbsbiografie kaum möglich.
Gesetzliche Rente aufstocken durch den Zukauf von Rentenpunkten
Wer im Alter besonderen Wert auf eine sichere Rentenzahlung bis zum Lebensende legt und seine gesetzliche Rente aufstocken möchte, kann unter Umständen Beiträge nachzahlen oder sich Gedanken über den Zukauf der sogenannten Rentenpunkte machen. Die Anzahl der gesammelten Rentenpunkte während der Erwerbszeit bestimmt nämlich die spätere Höhe der Rente. In jedem Beitragsjahr sammeln die Einzahler Rentenpunkte. Wer in einem Jahr genau das Durchschnittseinkommen (2025: 50.493 Euro brutto) verdient, bekommt dafür einen Rentenpunkt. Wer mehr oder weniger hat, eben entsprechend. Allerdings werden jedes Jahr nur Einkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze berücksichtigt, weshalb man für 2025 maximal 1,91 Rentenpunkte ansammeln kann, so die Deutsche Rentenversicherung.
Wer in seiner Erwerbsbiografie Beitragslücken in der gesetzlichen Rentenversicherung hat oder für Jahre mit niedrigerem Einkommen noch einen Ausgleich schaffen will, kann Rentenpunkte hinzukaufen. Die sind allerdings nicht ganz billig, aktuell kostet ein Rentenpunkt 9.391,70 Euro in 2025. Für jeden Rentenpunkt gibt es bei einer Rente im Jahr 2025 40,79 Euro Rente im Monat, wie die Deutsche Rentenversicherung mitteilt.
Der Wert der Rentenpunkte wird jedes Jahr angepasst. Die Gesamtrente ergibt sich also aus der Summe der eigenen Rentenpunkte, multipliziert mit dem aktuellen Wert der Rentenpunkte. Wer also einen zusätzlichen Rentenpunkt kauft, darf sich dann an über eine lebenslange Zusatzrente freuen im Wert des jeweiligen Rentenpunktes im dann aktuellen Rentenjahr. Wer wie viele Rentenpunkte zukaufen kann, ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Um die genaue Anzahl und Kosten zu erfahren, sollte eine „besondere Rentenauskunft“ bei der Deutschen Rentenversicherung beantragt werden.
Betriebsrente kann eine gute Zusatzversorgung für das Alter sein
Betriebsrenten gibt es in Deutschland nicht in allen Unternehmen, sie sind aber bei größeren Unternehmen durchaus üblich. Je größer das Unternehmen, umso größer fällt meist auch die spätere Betriebsrente aus. Wie Helge Lach gegenüber dem Handelsblatt erklärte, sind Betriebsrenten insbesondere dann lohnenswert, wenn der Arbeitgeber ordentlich mitspart für seinen Arbeitnehmer. In der Praxis gibt es Modelle, in denen nur die Arbeitgeber für die Mitarbeiter sparen und auch solche, in denen die Mitarbeiter ausschließlich selbst sparen. Zahlt der Mitarbeiter selbst in die Betriebsrente ein, wird ihm der Beitrag vom Bruttoeinkommen abgezogen und bleibt damit steuerfrei, wie Lach weiter erklärte.
Die Arbeitgeberanteile an der Betriebsrente lassen sich durchaus verhandeln im Unternehmen. Deshalb rät auch Finanzplaner Marcel Reyers dazu, beim Arbeitgeber anzufragen, ob er seine Leistungen für die Betriebsrente aufstocken kann. Alternativ funktioniert auch eine Gehaltserhöhung, von der der Arbeitnehmer dann selbst in die Betriebsrente einzahlen kann.
Regierung will Betriebsrenten attraktiver machen
Im Rahmen der Rentenreformen gibt es jetzt auch von der Bundesregierung Bestrebungen, die Betriebsrente attraktiver zu machen. Sie will auch Beschäftigte mit geringem und mittlerem Verdienst auf diese Weise fürs Alter absichern. Darauf zielt das „Zweite Betriebsrentenstärkungsgesetz“ von Sozialministerin Bärbel Bas und Finanzminister Lars Klingbeil (beide SPD) ab, das im Kabinett verabschiedet wurde und nun in den nächsten Wochen in Bundestag und Bundesrat beraten werden soll. Umgesetzt werden soll das Gesetz zum 1. Januar 2026, wie Regierungssprecher Stefan Kornelius mitteilte.
Lücken bei der Verbreitung von Betriebsrenten sieht die Regierung vor allem auch bei kleineren Unternehmen. Solche Arbeitgeber sollen künftig - etwa im Rahmen einer Betriebsvereinbarung - leichter Betriebsrenten anbieten können. Das bestehende Sozialpartnermodell, in dem Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften betriebliche Altersversorgung vereinbaren können, soll entsprechend weiterentwickelt werden.
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