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Der IWF senkt Russlands Wachstumsprognose erneut. Die Inflation bleibt bestehen. Putins Wirtschaft schwächelt nach Kriegsausgaben-Boom deutlich.
Washington, D.C. – Schlechte Nachrichten für den Kreml: Während Russlands Präsident Wladimir Putin nach außen hin Stärke demonstriert, zeichnen internationale Wirtschaftsexperten ein immer düstereres Bild der russischen Konjunktur. Die anhaltenden Sanktionen, die Kosten des Ukraine-Krieges und strukturelle Probleme hinterlassen zunehmend tiefere Spuren in der russischen Volkswirtschaft. Nun bestätigen neue Zahlen diese negative Entwicklung.
Der Internationale Währungsfonds hat seine ohnehin schon pessimistische Einschätzung der russischen Wirtschaft nochmals verschärft. Wie The Moscow Times berichtet, sehen die IWF-Experten für 2025 nur noch magere 0,6 Prozent Wachstum voraus – das sind weitere 0,3 Prozentpunkte weniger als noch im Juli prognostiziert. Damit gehört Russland zu den Schlusslichtern unter den großen Volkswirtschaften, lediglich Kanada wurde noch drastischer nach unten korrigiert.
Ernüchternde Zahlen aus Washington: IWF korrigiert Russlands Wachstumsprognose nach unten
Besonders bitter: Bereits im Frühjahr 2025 hatte der IWF seine Russland-Prognose von ursprünglich 1,5 Prozent auf 0,9 Prozent gestutzt. 2024 konnte Russland noch ein beachtliches Wachstum von 4,3 Prozent verzeichnen. Dahinter steckte jedoch ein Wirtschaftsboom mit Schönwettereffekt. Wie der IWF-Bericht aufzeigt, wurde das Wachstum hauptsächlich durch massive Kriegsausgaben befeuert, die sich im vierten Quartal 2024 besonders konzentrierten.
Nun folgt die unvermeidliche Katerstimmung, denn auch die mittelfristigen Aussichten bleiben trist. Für 2026 rechnet der IWF mit lediglich einem Prozent Wachstum, und selbst bis 2030 soll sich die russische Wirtschaft auf mickrige 1,1 Prozent erholen.
Retortendorf Russische Wirtschaft: Moskau betreibt Krisenkosmetik – Inflation bleibt bestehen
Als wäre das schwache Wachstum nicht genug, plagt Russland zusätzlich eine hartnäckige Inflation. Mit prognostizierten neun Prozent für 2025 liegt die Teuerungsrate mehr als doppelt so hoch wie der weltweite Durchschnitt von 4,2 Prozent. Die russische Zentralbank meldete bereits für September eine Jahresinflation von 8,2 Prozent. Erst 2026 soll sich die Lage mit 5,2 Prozent etwas entspannen – immer noch deutlich über dem, was Ökonomen als gesund betrachten.
Währenddessen gibt sich der Kreml weiterhin optimistisch. Das russische Wirtschaftsministerium rechnet für dieses Jahr mit Wachstum von einem Prozent und für 2026 sogar mit 1,3 Prozent. Für das Ende des Jahrzehnts malen die Moskauer Behörden sogar rosige 2,5 bis 2,8 Prozent an die Wand. Auch die russische Zentralbank bleibt bei ihrer Zuversicht und erwartet für 2025 ein bis zwei Prozent Wachstum.
Russland schwimmt gegen den Strom – Strukturprobleme werden unübersehbar
Die düsteren IWF-Prognosen sind kein isoliertes Phänomen, sondern spiegeln eine umfassende Krise wider. Während Putin die Mehrwertsteuer von 20 auf 22 Prozent erhöhen will, um den kostspieligen Ukraine-Krieg zu finanzieren, zeigen sich die wirtschaftlichen Risse immer deutlicher. Bereits 40 Prozent des russischen Haushalts fließen in Militär und Sicherheit – Geld, das für produktive Investitionen fehlt. Gleichzeitig zwingen ukrainische Angriffe auf Raffinerien Putin zu teuren Notmaßnahmen: Die Subventionen für die Ölindustrie mussten gelockert werden, um Benzinmangel zu verhindern. Die russische Ölverarbeitungskapazität ist um 21 Prozent gesunken, der Nationale Vermögensfonds könnte bis 2026 erschöpft sein. Was als kurz gedachte „Spezialoperation“ begann, entwickelt sich langsam zu einem wirtschaftlichen Albtraum, dessen Kosten letztendlich die russische Bevölkerung tragen muss – bei steigenden Steuern und sinkender Kaufkraft.
Während sich die Weltwirtschaft insgesamt abschwächt – der IWF rechnet mit einem leichten Rückgang des globalen Wachstums von 3,3 Prozent im Jahr 2024 auf 3,2 Prozent 2025 – fällt Russlands Talfahrt besonders auf. Bemerkenswert ist, dass selbst die Ukraine trotz anhaltender Angriffe auf ihre Energieinfrastruktur widerstandsfähiger wirkt: Laut The Kyiv Independent hält der IWF an seiner Prognose von zwei Prozent Wachstum für 2025 und 4,5 Prozent für 2026 fest. (ls)
Rubriklistenbild: © Lennart Niklas Johansson Schwenck

