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Die Einkommen in Deutschland nehmen wieder mehr zu als die Inflation. Neue Daten belegen, in welchen Regionen und Branchen der beste Lohn gezahlt wird.
Berlin – Über das Thema Gehalt wird in Deutschland nur selten offen geredet – betreffen tut es aber alle arbeitenden Menschen. Der jährliche Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit gibt einen Einblick: Je nach Tätigkeit, Ausbildung, Region und Geschlecht bestehen deutliche Einkommensunterschiede.
Gehaltsdaten: So viel verdienen Menschen in Deutschland
Im Jahr 2024 lag das mittlere Bruttomonatsgehalt sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigter in Deutschland bei 4.013 Euro – ein Anstieg um 217 Euro gegenüber dem Vorjahr. Allerdings gibt es teils erhebliche Unterschiede bei den Einkommen: Je nach Region, Geschlecht oder Qualifikation können die mittleren Löhne um mehrere Hundert Euro voneinander abweichen. Demnach verdienen Männer im Mittel 345 Euro mehr als Frauen. Bei welchem Faktor das Gehalt auch abweicht: Ausländer bekommen laut Entgeltstatistik im Mittel 973 Euro weniger.
Das höchste Mediangehalt findet sich in Ingolstadt, Oberbayern. Der Grund: Die Stadt ist ein bedeutender Standort der deutschen Automobilindustrie und Hauptsitz sowie größter Produktionsstandort von Audi. Auch in anderen Autostädten wie Wolfsburg oder Stuttgart liegen die Löhne über dem Durchschnitt.
Am unteren Ende der Skala befindet sich der sächsische Erzgebirgskreis mit besonders niedrigem Mediangehalt. Die Daten zeigen zudem: Das Lohngefälle zwischen Ost- und Westdeutschland besteht weiterhin. Im Westen verdienen die Menschen im Schnitt 578 mehr als im Osten.
Neue Berechnung: Brutto-Medianentgelt verhindert Einfluss durch Ausreißer
Für die Statistik wurde das Brutto-Medianentgelt ermittelt. Dabei wurden ausschließlich sozialversicherungspflichtige Beschäftigte einbezogen. Ein Durchschnittswert kann durch Ausreißer stark beeinflusst werden und somit ein verzerrtes Bild der Einkommensverteilung vermitteln. Da einzelne Personen mit besonders hohen Gehältern den Durchschnitt nach oben treiben können, wird häufig der Median als verlässlichere Kennzahl verwendet – er gibt den mittleren Wert an, bei dem jeweils die Hälfte der Einkommen darüber und darunter liegt.
Deutliche Unterschiede: Gehalt und Löhne gehen je nach Branche auseinander
Die größten Einkommensunterschiede zeigen sich beim Vergleich verschiedener Branchen. Zu den Spitzenverdienern im Jahr 2024 gehörten Ärzte und Zahnärzte, sowie Menschen, die im Bereich Informatik, der Versicherungs- oder Finanzbranche arbeiten. Die niedrigsten Einkommen fanden sich in Berufen der Körperpflege, in Reinigungstätigkeiten sowie in der Hotellerie und Gastronomie.
Dazu kommt: Etwa jeder fünfte Vollzeitbeschäftigte in Deutschland verdient weniger als 2.750 Euro brutto im Monat – das betrifft rund 4,6 Millionen Menschen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Dietmar Bartsch hervor.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts gelten rund 16 Prozent der Bevölkerung – etwa 13 Millionen Menschen – als armutsgefährdet. Besonders häufig betroffen sind laut dem Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbands ältere Menschen: Bei ihnen liegt die Armutsgefährdungsquote bei 19 Prozent. (hk)
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