Grüne Transformation

„Gift für Deutschlands Zukunft“: Kontroverse durch Merz' Äußerungen zu grünem Stahl

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Friedrich Merz, der Vorsitzende der CDU, äußert Bedenken hinsichtlich der grünen Wasserstoffstrategie in Deutschland. Seine Bedenken treffen auf starke Gegenreaktionen. Ist eine Umwandlung im Stahlsektor möglich?

Berlin – CDU-Chef Friedrich Merz äußerte sich am Montag, 13. Januar, skeptisch zur grünen Wasserstoffstrategie in Deutschland. Vor Betriebsräten in Bochum erklärte er, er glaube nicht, „dass der schnelle Wechsel zu wasserstoffbetriebenen Stahlwerken erfolgreich sein könnte.“ Den Wasserstoff, den man in Deutschland brauche, „den haben wir nicht“, ergänzte er. Seine Aussage löste eine Welle von Gegenargumenten aus. Für Stimmen aus den Reihen der SPD und der IG Metall ist seine Aussage „nicht nachvollziehbar“. Nun meldete sich Merz erneut zu Wort.

CDU-Chef Friedrich Merz sorgt mit seiner Aussage über grünen Wasserstoff für Diskussionen.

„Gift für Deutschland“ – Das sagen SPD und IG Metall zu Merz‘ Aussage über grünen Stahl

Friedrich Merz äußerte am Montag Zweifel daran, dass die Klimaziele und die CO₂-Reduktion erreicht werden können, wenn die deutsche Volkswirtschaft in kurzer Zeit vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt wird. Dies sei aus seiner Sicht unrealistisch. Als Beispiel führte er die Mehrkosten von 300 Euro pro Tonne Wasserstoffstahl im Vergleich zu konventionellem Stahl an. „Es gehe darum, den Ausstieg aus fossilen Energien mit den CCS- und CCU-Verfahren zu kombinieren“, zitiert ihn die FAZ, also mittels Methoden wie Carbon Capture, die das Kohlendioxid vor Abgabe in die Umwelt sammelt und anderorts speichert.

Für Lars Klingbeil, SPD-Vorsitzender, sind Merz‘ Aussagen „Gift für Deutschlands Zukunft als Industrieland und ein Schlag in die Magengrube für tausende Stahlarbeiter“, sagte er gegenüber dem Spiegel. Ähnlich sieht es Jürgen Kerner, der zweite Vorsitzende der IG Metall. Er kritisiert: „An der Frage, ob es gelingt, grünen Stahl in Deutschland zu produzieren, hängen Zehntausende Arbeitsplätze.“ Die Aussage von Merz zum grünen Stahl findet er daher irritierend. Für Kanzler Olaf Scholz stehe Deutschland vor einer düsteren Zukunft, sollte grüner Stahl in Deutschland nicht vom Staat gefördert werden.

In einem Interview mit dem Handelsblatt bringt sich IG-Metall-Bezirksleiter Knut Giesler, der auch im Thyssenkrupp-Aufsichtsrat sitzt, in die Diskussion ein. „Wenn Herr Merz nicht an den grünen Stahl glaubt, hat er den Stahl und die Industrie nicht verstanden. Für mich ist das nicht nachvollziehbar.“ Und ergänzt: „Nur mit günstiger grüner Energie werden wir konkurrenzfähig sein.“

Merz äußert sich nach hitziger Gegendiskussion erneut – und widerspricht dem Vorwurf

Nach den heftigen Widersprüchen gegen seine Aussage am Montag äußerte sich Merz nun erneut gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Ich glaube an die Wasserstofftechnologie“, sagt er, „ich bin ein Befürworter der regenerativen Energie und der Nutzung von Wasserstoff – und somit auch einer grünen Stahlproduktion.“ Er betont jedoch, sich realistische Ziele setzen. Laut ihm fehlt es bislang an ausreichend grünem Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Preisen. „Unser wichtigstes Ziel muss es sein, die Stahlproduktion in Deutschland zu erhalten“, sagte Merz.

CSU vs. CDU: Kontroverse um grünen Stahl und CO₂-Abscheidung

Die CSU hatte ebenfalls in einer Beschlussvorlage für ihre Winterklausur angebracht, sich mehr auf CO₂-Abscheidung und -speicherung zu fokussieren anstatt auf die Produktion des grünen Stahls. Dagegen hatte sich jedoch die CDU bereits öffentlich ausgesprochen. Der Chef der Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft Deutschlands (CDA) Dennis Radtke kommentierte: „Markus Söder wird lernen, dass es beim grünen Stahl nicht der richtige Weg ist, das rückabzuwickeln, sondern dass wir alles dafür tun müssen, dass grüner Stahl in Deutschland wettbewerbsfähig wird.“

Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Andreas Jung kritisierte eine einseitige Fokussierung auf aus Ökostrom erzeugten grünen Wasserstoff. Dieser werde seiner Meinung nach zu spät kommen, nicht in ausreichender Menge verfügbar sein und außerdem zu teuer werden.

Thyssenkrupp baut Direktreduktionsanlage: Grüner Stahl in Duisburg noch in diesem Jahrzehnt

Der größte Stahlhersteller in Deutschland, Thyssenkrupp Steel (TKSE), baut aktuell in Duisburg eine Direktreduktionsanlage, die mit grünem Wasserstoff Stahl produzieren soll. Noch in diesem Jahrzehnt soll das Vorhaben gelingen, der Bau soll Ende 2026 fertiggestellt werden und laut der Pressemitteilung rund 3,5 Millionen Tonnen CO₂ einsparen. Auf Anfrage der FAZ teilte der Stahlhersteller mit, „unverändert“ zur Transformation und der grünen Stahlproduktion zu stehen. Die Grünstahlanlage in Duisburg wurde durch den Bund und dem Land Nordrhein-Westfalen mit zwei Milliarden Euro gefördert. Etwa 700 Millionen Euro kamen dabei von der CDU-geführten Landesregierung.

Rubriklistenbild: © IMAGO/SvenjaxHanusch

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