„Extrem viele Tränen“ und Bestürzung an deutschem Bosch-Standort nach Job-Hammer
VonJulian Baumann
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Bosch hat angekündigt, bis 2030 in Deutschland weitere 13.000 Stellen abbauen zu wollen. An einem deutschen Standort betrifft es mehr als die Hälfte der Belegschaft, die Bestürzung ist groß.
Stuttgart – Der weltgrößte Autozulieferer Bosch will bis 2030 weitere 13.000 Arbeitsplätze abbauen, was vor allem die deutschen Mobility-Standorte betreffen soll. Diese Nachricht, die der Konzern mit Sitz in Stuttgart und Gerlingen (Kreis Ludwigsburg, Baden-Württemberg) am 25. September bestätigte, löste bundesweit Bestürzung aus. Wie Bosch selbst wenig später in einer Mitteilung erklärte, sind Standorte im Südwesten besonders stark betroffen. In Stuttgart-Feuerbach geht es demnach um 3.500, in Schwieberdingen um rund 1.700 und im saarländischen Homburg um 1.250 Arbeitsplätze.
Das sind die 12 größten Unternehmen aus Baden-Württemberg
Extrem betroffen ist zudem der Bosch Mobility-Standort in Waiblingen (Rems-Murr-Kreis, Baden-Württemberg) wo man von der Nachricht offenbar massiv überrascht wurde. In der Kreisstadt will der Technologiekonzern die Produktion von Verbindungstechnik bis Ende 2028 ganz einstellen, wovon rund 560 Mitarbeiter betroffen sind. „Die Leute sind völlig geschockt“, sagte Frank Sell, der Betriebsratschef von Bosch Mobility, laut der Stuttgarter Zeitung in einer kurzfristig einberufenen Videokonferenz am Donnerstag.
Tränen und Bestürzung bei Bosch in Waiblingen: Betriebsrat will „kämpfen wie die Löwen“
Bosch kämpft seit langem mit der Krise der Automobilindustrie und hat bereits im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg massiv Stellen abgebaut. Die nun verkündete umfassende Maßnahme dient als Ergänzung zum bereits angekündigten Stellenabbau. In Waiblingen ist zwar offenbar nur die Automobil-Sparte und nicht die anderen dort angesiedelten Bosch-Tochterunternehmen betroffen. Dennoch ist es für den Standort „ein herber Schlag“, wie Oberbürgermeister Sebastian Wolf (CDU) laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erklärte. Von den insgesamt rund 1.000 sind mit 560 Mitarbeitern mehr als die Hälfte der Belegschaft betroffen.
„Es gibt extrem viele Tränen“, verdeutlichte Frank Sell in der Videokonferenz die Stimmung in der Waiblinger Belegschaft von Bosch. Ein kleiner Lichtblick ist, dass bereits 2023 eine Einigung erzielt wurde, die betriebsbedingte Kündigungen an den deutschen Bosch Mobility-Standorten bis 2027 ausschließt. Betriebsratschef Sell erklärte, er werde bei den Gesprächen für einen möglichst sozial verträglichen Stellenabbau keinen Standort im Regen stehen lassen. „Wir werden kämpfen wie die Löwen.“
IG Metall-Bezirksleiterin kritisiert Bosch-Vorgehen: „Personalabbau darf nicht der einzige Kostenhebel sein“
Die erneuten Sparpläne des Stuttgarter Weltkonzerns haben insgesamt eine tiefe Bestürzung, aber auch massive Kritik und Kampfbereitschaft ausgelöst. „Immer wieder erleben wir das gleiche Muster: Kaum tut sich eine Ergebnislücke auf, sollen die Beschäftigten die Zeche zahlen und Arbeitsplätze abgebaut werden“, kritisiert Baden-Württembergs IG Metall-Chefin Barbara Resch das Vorgehen laut einer Pressemitteilung. „Das Management greift dabei regelmäßig in die Mottenkiste – Personalabbau darf aber nicht der einzige Kostenhebel sein, um die betriebswirtschaftlichen Ziele zu erreichen.“
Stattdessen fordert die Bezirksleiterin, dass gemeinsam Lösungen entwickelt werden. „Konkret müssen alle Optionen zur Kostenoptimierung gleichberechtigt auf den Tisch, um tragfähige Lösungen zu erarbeiten“, macht Resch deutlich. „Für uns ist dabei klar: betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen.“ Die IG Metall konnte durch massive Proteste und Streiks bereits im vergangenen Jahr einen geplanten Stellenabbau bei Bosch in Baden-Württemberg abmildern. Ob das erneut gelingt, bleibt abzuwarten.