Stellenabbau in Auto-Sparte

„Extrem viele Tränen“ und Bestürzung an deutschem Bosch-Standort nach Job-Hammer

  • schließen

Bosch hat angekündigt, bis 2030 in Deutschland weitere 13.000 Stellen abbauen zu wollen. An einem deutschen Standort betrifft es mehr als die Hälfte der Belegschaft, die Bestürzung ist groß.

Stuttgart – Der weltgrößte Autozulieferer Bosch will bis 2030 weitere 13.000 Arbeitsplätze abbauen, was vor allem die deutschen Mobility-Standorte betreffen soll. Diese Nachricht, die der Konzern mit Sitz in Stuttgart und Gerlingen (Kreis Ludwigsburg, Baden-Württemberg) am 25. September bestätigte, löste bundesweit Bestürzung aus. Wie Bosch selbst wenig später in einer Mitteilung erklärte, sind Standorte im Südwesten besonders stark betroffen. In Stuttgart-Feuerbach geht es demnach um 3.500, in Schwieberdingen um rund 1.700 und im saarländischen Homburg um 1.250 Arbeitsplätze.

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Die Zentrale der Schwarz-Gruppe, derSchwarz Finanz und Beteiligungs GMBH & Co. KG und derLIDL Stiftung & Co. KG in Neckarsulm.
Sagt Ihnen die Schwarz-Gruppe etwas? Der Mischkonzern ist mit 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Marijan Murat/dpa
Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Weltweit bekannt sind die Discounter Lidl und Kaufland, die zur Schwarz-Gruppe gehören, aber dennoch Konkurrenten sind.  © Christian Johner/dpa
Die Hinterhof-Werkstatt von Robert Bosch, die er in den Jahren 1897 bis 1901 in der Kanzleistraße 22 in Stuttgart betrieb.
In diesem Hinterhof in Stuttgart wurde der größte Industriekonzern Baden-Württembergs gegründet. Wissen Sie welcher?  © Robert Bosch GmbH
Das Logo des Industriekonzerns Bosch ist an der Hauptverwaltung zu sehen.
Richtig: Die Robert Bosch GmbH mit weltweit 417.900 Mitarbeitern.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Werk der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 1908.
Wir bleiben historisch: Daimler-Motoren-Gesellschaft, Daimler-Benz, DaimlerChrysler, Daimler AG und heute... © Mercedes-Benz AG – Communications
Der Besuchereingang an der Mercedes-Benz Konzernzentrale in Stuttgart-Untertürkheim.
... Mercedes-Benz Group: Der Stuttgarter Autokonzern mit weltweit rund 175.000 Mitarbeitern darf hier nicht fehlen.  © Corporate Communication (MS/CC)
Die Stadt Friedrichshafen liegt am Bodensee, während im Hintergrund die Alpen in der Schweiz und in Österreich zu sehen sind.
Von Stuttgart an das Bodenseeufer: Hier hat ein weiterer global bedeutender Technologiekonzern seinen Hauptsitz.  © Felix Kästle/dpa
Das Forum der ZF Friedrichshafen wird von der Abendsonne angestrahlt.
Die ZF Friedrichshafen ist mit über 161.600 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer der Welt.  © Felix Kästle/dpa
Blick auf Gebäudeteile der Firmenzentrale des Software-Unternehmens SAP in Walldorf.
Darüber hinaus hat auch das wertvollste Unternehmen Europas seinen Sitz in Baden-Württemberg.  © Uwe Anspach/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
Genau, die SAP: der Softwarekonzern beschäftigt weltweit mehr als 109.000 Mitarbeiter. Nun geht es aber zurück in die Industrie.  © Uwe Anspach/dpa
Ein Mitarbeiter putzt vor der Präsentation den Mercedes-Stern des neuen Fernverkehrs-Lkw eActros 600.
Mercedes hatten wir doch schon in der Liste! Richtig, es gibt aber noch ein Unternehmen, das dieses legendäre Logo tragen darf.  © Jonas Walzberg/dpa
Ein Mercedes-Benz Lastwagen steht vor der Zentrale von Daimler Truck.
Daimler Truck gilt mit rund 102.900 Mitarbeitern als größter Nutzfahrzeughersteller der Welt.  © Bernd Weißbrod/dpa
Influencerin Pamela Reif (l) kassiert in einer dm Filiale für einen guten Zweck.
Na gut, ein Export-Schlager aus Karlsruhe darf auch nicht fehlen. Und damit ist nicht Influencerin Pamela Reif gemeint.  © Christoph Schmidt/dpa
Eine dm-Filiale in Homburg, Saarland.
Sondern dm. Die Drogeriemarktkette gilt mit 4.100 Filialen und knapp 90.000 Mitarbeitern als größte der Welt. © IMAGO/Lobeca
Eine Zweigstelle von Würth in Kempten im Allgäu, Bayern.
Wenn wir schon bei Superlativen sind: Auch das weltgrößte Unternehmen für Befestigungstechnik hat seinen Sitz im Ländle.  © IMAGO/imageBROKER/Manfred Bail
Der Konzernsitz der Würth-Gruppe in Künzelsau, Baden-Württemberg.
Würth: Aus einem Schraubenhandel in Künzelsau entwickelte sich ein Weltkonzern mit heute über 88.000 Mitarbeitern. © IMAGO/Arnulf Hettrich
Arnd Franz, der Vorstandsvorsitzende des Automobilzulieferers Mahle, betrachtet bei der Bilanz-Pressekonferenz am Stammsitz in Stuttgart ein Gravel-Bike mit einem Mahle Antrieb.
Ein bekannter Fahrrad-Hersteller aus Baden-Württemberg? Nein, hier geht es um den Antrieb.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen.
Autozulieferer Mahle, der natürlich nicht nur Fahrrad-Antriebe baut, beschäftigt weltweit knapp 70.000 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Die Werkszentrale von Freudenberg in Weinheim.
Freudenberg? Hier geht es nicht um die bayerische Gemeinde, sondern um einen echten Hidden Champion. © Ronald Wittek/dpa
: Ein Putzgerät der Marke Vileda liegt im Showroom des Technologiekonzerns Freudenberg.
Der Freudenberg-Konzern beschäftigt mehr als 52.000 Mitarbeiter und ist vor allem für die Marke Vileda bekannt.  © Uwe Anspach/dpa
Eine Firmenlogo des Baustoffkonzerns „Heidelberg Materials“, ehemals „HeidelbergCement“, ist an einem vor der Firmenzentrale geparkten Betonmischer angebracht.
Von Reinigungsprodukten zum weltgrößten Baustoffhersteller? So ist das halt mit Listen, die nach Mitarbeiterzahl geordnet sind.  © Uwe Anspach/dpa
Firmenzentrale des börsennotierten Baustoffkonzerns Heidelberg Materials in Heidelberg, Baden-Württemberg.
Heidelberg Materials, ehemals unter anderem HeidelbergCement, beschäftigt rund 51.000 Mitarbeiter auf fünf Kontinenten.  © IMAGO/Udo Herrmann
Eine Mitarbeiterin geht im Lager des Pharma-Großhändlers Phoenix in Gotha (Thüringen) zwischen Regalen entlang.
Und was wird hier gelagert? Schrauben, Werkzeuge? Nein, Pharmazubehör - und Ausrüstung.  © Martin Schutt/dpa
Ein Firmenschild mit dem Unternehmenslogo steht vor der Firmenzentrale des Pharmahändlers Phoenix.
Der Pharmagroßhändler Phoenix Pharma mit Hauptsitz in Mannheim beschäftigt über 48.000 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa
Das Logo des Optikkonzerns Zeiss auf Flaggen vor dem Firmensitz (links). Das Wappen von Sportwagenbauer Porsche (rechts).
Weitere große Unternehmen sind Zeiss (rund 46.000 Mitarbeiter) und der Sportwagenbauer Porsche (mehr als 42.000 Angestellte).  ©  IMAGO/CHROMORANGE & Marijan Murat/dpa

Extrem betroffen ist zudem der Bosch Mobility-Standort in Waiblingen (Rems-Murr-Kreis, Baden-Württemberg) wo man von der Nachricht offenbar massiv überrascht wurde. In der Kreisstadt will der Technologiekonzern die Produktion von Verbindungstechnik bis Ende 2028 ganz einstellen, wovon rund 560 Mitarbeiter betroffen sind. „Die Leute sind völlig geschockt“, sagte Frank Sell, der Betriebsratschef von Bosch Mobility, laut der Stuttgarter Zeitung in einer kurzfristig einberufenen Videokonferenz am Donnerstag.

Tränen und Bestürzung bei Bosch in Waiblingen: Betriebsrat will „kämpfen wie die Löwen“

Bosch kämpft seit langem mit der Krise der Automobilindustrie und hat bereits im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg massiv Stellen abgebaut. Die nun verkündete umfassende Maßnahme dient als Ergänzung zum bereits angekündigten Stellenabbau. In Waiblingen ist zwar offenbar nur die Automobil-Sparte und nicht die anderen dort angesiedelten Bosch-Tochterunternehmen betroffen. Dennoch ist es für den Standort „ein herber Schlag“, wie Oberbürgermeister Sebastian Wolf (CDU) laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erklärte. Von den insgesamt rund 1.000 sind mit 560 Mitarbeitern mehr als die Hälfte der Belegschaft betroffen.

Name Robert Bosch GmbH
Gründungsjahr 1886
Gründer Robert Bosch
Hauptsitz Stuttgart, Baden-Württemberg
Branche Automobilzulieferer, Elektrowerkzeuge, Haushaltsgeräte
Produkte (Auswahl) Bremsen, Einspritzsysteme, Elektrowerkzeuge, Haushaltsgeräte, Fahrerassistenzsysteme, Industrietechnik
Mitarbeiter417.900 (2024)
Umsatz90,5 Milliarden Euro (2024)

„Es gibt extrem viele Tränen“, verdeutlichte Frank Sell in der Videokonferenz die Stimmung in der Waiblinger Belegschaft von Bosch. Ein kleiner Lichtblick ist, dass bereits 2023 eine Einigung erzielt wurde, die betriebsbedingte Kündigungen an den deutschen Bosch Mobility-Standorten bis 2027 ausschließt. Betriebsratschef Sell erklärte, er werde bei den Gesprächen für einen möglichst sozial verträglichen Stellenabbau keinen Standort im Regen stehen lassen. „Wir werden kämpfen wie die Löwen.“

Die Ankündigung von Bosch hat in Waiblingen Bestürzung, aber auch Widerstand gegen die Maßnahmen ausgelöst.

IG Metall-Bezirksleiterin kritisiert Bosch-Vorgehen: „Personalabbau darf nicht der einzige Kostenhebel sein“

Die erneuten Sparpläne des Stuttgarter Weltkonzerns haben insgesamt eine tiefe Bestürzung, aber auch massive Kritik und Kampfbereitschaft ausgelöst. „Immer wieder erleben wir das gleiche Muster: Kaum tut sich eine Ergebnislücke auf, sollen die Beschäftigten die Zeche zahlen und Arbeitsplätze abgebaut werden“, kritisiert Baden-Württembergs IG Metall-Chefin Barbara Resch das Vorgehen laut einer Pressemitteilung. „Das Management greift dabei regelmäßig in die Mottenkiste – Personalabbau darf aber nicht der einzige Kostenhebel sein, um die betriebswirtschaftlichen Ziele zu erreichen.“

Stattdessen fordert die Bezirksleiterin, dass gemeinsam Lösungen entwickelt werden. „Konkret müssen alle Optionen zur Kostenoptimierung gleichberechtigt auf den Tisch, um tragfähige Lösungen zu erarbeiten“, macht Resch deutlich. „Für uns ist dabei klar: betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen.“ Die IG Metall konnte durch massive Proteste und Streiks bereits im vergangenen Jahr einen geplanten Stellenabbau bei Bosch in Baden-Württemberg abmildern. Ob das erneut gelingt, bleibt abzuwarten.

Rubriklistenbild: © Jason Tschepljakow/dpa

Kommentare