VonAmy Walkerschließen
Diese Woche soll das Heizungs-Gesetz zum Verbot neuer Öl- und Gasheizungen beschlossen werden. Experten warnen eindringlich: Wohnungsnot und Altersarmut könnten durch das Gesetz verschärft werden.
München – Endspurt für das Gebäudeenergiegesetz (GEG): Das Bundeskabinett will am Mittwoch (19. April) das Gesetz zum Verbot neuer Öl- und Gasheizungen beschließen. Bis zum letzten Moment wird über das Thema heiß diskutiert. Um die Wärmewende auf den Weg zu bringen, müssen Staat und Bürger viel Geld in die Hand nehmen. Bis 2045 soll das Zeitalter fossiler Heizungen beendet sein. Nach und nach sollen ab 2024 nur noch solche Heizsysteme installiert werden, die zu 65 Prozent aus Erneuerbaren Energien Wärme erzeugen.
Doch gerade weil das Vorhaben so viel Geld kosten wird und über die staatliche Förderungen bislang nur wenig bekannt ist, machen sich viele Menschen Sorgen um die Zukunft. Bei der Vorstellung einer neuen Studie zum Wohnen im Alter warnten Experten nun: Das Heizungs-Gesetz könnte viele ältere Menschen finanziell in die Knie zwingen.
Babyboomer gehen in Rente – Überlastung des Pflegesystems droht
Vorgestellt wurde die Studie des Pestel-Instituts von Studienleiter und Institutsleiter Matthias Günther im Rahmen der internationalen Bau-Messe in München. Zentrale Forderung der Studie lautet: Es braucht dringend mehr altersgerechte Wohnungen. In den kommenden Jahren werden die Babyboomer alle in Rente gehen. Für diese Situation braucht es, so Günther, dringend einen Plan aus der Politik.
Es sollte nach Ansicht des Pestel-Instituts im Interesse des Staates liegen, älteren Menschen das Leben in den eigenen vier Wänden so lange wie möglich zu erlauben. Doch gibt es keine staatliche Förderung für Menschen, die ihre Wohnungen altersgerecht umbauen wollen. „Damit besteht natürlich die Gefahr, dass verstärkt Haushalte mit niedrigen Einkommen in die vollstationäre Pflege wechseln müssen, weil die Voraussetzungen für die ambulante Pflege in ihren Wohnungen nicht gegeben sind“, heißt es in der Studie. Wenn die Babyboomer nun ins hohe Alter kommen, und immer mehr Menschen auf die Pflege im Heim angewiesen sind, dann wird sich der Staat die Kosten dafür nicht leisten können.
GEG könnte Wertverlust älterer Immobilien vorantreiben
Was hat das also alles mit dem GEG zu tun? Das neue Gesetz verschärft die Lage nur noch. Auf die älteren Menschen, die in ihrer Wohnung bleiben wollen, kommen neben den Kosten für altersgerechten Umbau nun noch die Kosten für Sanierung und Heizungstausch. Zuschüsse für altersgerechte Modernisierungen gibt es nicht. Vielen wird daher nur noch eine Möglichkeit bleiben: Verkaufen und ins Heim ziehen.
Auch hier sehen die Experten vom Pestel-Institut aber eine Gefahr: Der Wertverlust bei Immobilien, deren Heizungen noch nicht getauscht wurden. Pflegeheime sind teuer – und werden immer teurer. Wenn der Erlös aus dem Verkauf der Immobilie aufgrund einer veralteten Heizung sinkt, dann könnte das langfristig einige Senioren in die Armut treiben.
Auch denjenigen Senioren, die sich den Umzug in eine kleinere, barrierefreie Wohnung vorstellen könnten, werden Hürden gesetzt: Die Erlöse aus den älteren Wohnungen reichen nicht mehr, um eine kleinere Wohnung zu bezahlen. Das lässt sich schon jetzt durch die Lage auf dem Wohnungsmarkt beobachten. Das GEG könnte auch diese Lage noch verschärfen.
Das Pestel-Institut fordert daher mehr Förderprogramme fürs Wohnen im Alter. Es müsse den Menschen ermöglicht werden, in ihren Immobilien zu bleiben oder eine neue, altersgerechte Immobilie zu einem fairen Preis zu beziehen.
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