Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie

Tarifrunde: IG Metall fordert vor allem mehr Geld

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Tarifverhandlungen der IG Metall: Christiane Benner (l.) und Nadine Boguslawski.
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Vor den Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie präsentiert die IG Metall ihren Vorschlag: Die Gewerkschaft will ein Lohnplus von sieben Prozent.

Frankfurt – Die Arbeitgeber hatten mit dem Ruf nach einer Nullrunde vorgelegt, jetzt zieht die IG Metall nach: Die Gewerkschaft fordert sieben Prozent mehr Lohn in der anstehenden Tarifrunde für die rund 3,9 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie. Der Vorschlag des Vorstands enthält außerdem eine „soziale Komponente“, mit der Beschäftigte mit niedrigeren Einkommen bessergestellt werden sollen. „Das ist sehr vernünftig und passt in unsere sehr bewegte Zeit“, sagte Christiane Benner, Erste Vorsitzende, am Montag in Frankfurt.

IG Metall: Ausbildung in der Metall- und Elektroindustrie attraktiver machen

Der Tarifvertrag soll aus Sicht der IG Metall eine Laufzeit von zwölf Monaten haben. Ein Schwerpunkt liegt auch auf jüngeren Beschäftigten: Die Ausbildungsvergütungen sollen um 170 Euro überproportional angehoben werden. „Es gehe darum, die Ausbildung in der Metall- und Elektroindustrie attraktiver zu machen“, sagte Benner. Im Vergleich zu anderen Branchen gebe es inzwischen Nachholbedarf. „Das könnte ein Attraktivitätsturbo werden“, so Benner.

Details zur sozialen Komponente – also eine konkrete Zahl – nannte die IG-Metall-Chefin nicht. Man habe den Vorschlag nicht konkretisiert, um in den Verhandlungen mit den Arbeitgebern „mehr Beinfreiheit“ zu haben, sagte Benner.

Die Gewerkschaft hatte zuvor nach eigenen Angaben 318.000 Beschäftigte nach ihren Wünschen befragt. Auch die wirtschaftlichen Prognosen für 2024 und 2025 habe man beachtet, sagte Tarif-Vorständin Nadine Boguslawski. „Die Unternehmen verfügen über ein komfortables Auftragspolster, die Beschäftigten müssen ranklotzen.“ Die Auftragsbücher seien derzeit über einen Monat länger als normal gefüllt. Zwar sinke die Inflationsrate, an den Kassen blieben die Preise aber hoch.

Absage von Arbeitgebern: „Es gibt nichts zu verteilen“

Die Arbeitgeber hatten schon im Vorfeld hohen Lohnforderungen eine Absage erteilt: „Es gibt nichts zu verteilen. Eine Forderung jenseits der Nullrunde seitens der IG Metall wäre in die Schublade ‚Mangelnde Verantwortung für den Standort Deutschland‘ zu stecken“, sagte Harald Marquardt vom Arbeitgeberverband Südwestmetall in der vergangenen Woche.

Seit Monaten klagen viele Unternehmen über die wirtschaftliche Lage. Für die Gewerkschafterin Benner wird die Industrie aber „oft schlechtgeredet“. Mit ihren Forderungen beweise die IG Metall Augenmaß. „Unter der Lage einzelner Firmen dürfen aber nicht alle Beschäftigten der Branche leiden“, sagte Benner.

Die endgültige Forderung soll am 9. Juli beschlossen werden. Mitte September beginnen die Verhandlungen in den Tarifgebieten. Zu Streiks kann es nach dem 28. Oktober kommen, wenn die Friedenspflicht endet.

Die IG Metall ist die größte deutsche Gewerkschaft mit rund 2,14 Millionen Mitgliedern. Christiane Benner steht seit Oktober 2023 als erste Frau an der Spitze der Gewerkschaft. Es ist die erste Tarifrunde in der Metall- und Elektrobranche unter der neuen Führung. Benner hat wenig Erfahrung im Tarifgeschäft – sie hat zwar einige Tarifverträge verhandelt, die ganz großen waren bislang aber nicht dabei. Mit Boguslawski hat Benner aber eine erfahrene Frau an ihrer Seite. Die Hauptkassiererin und Tarif-Vorständin kommt aus dem Landesverband Baden-Württemberg, wo häufig Pilotabschlüsse für die Branche verhandelt werden. Kommentar Seite 11

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