„Bewusste Irreführung“

Industrie tadelt CDU wegen „Nonsens“ zum Heizungsgesetz – und fordert klare Worte

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Mit einer Behauptung scheint die CDU in den Koalitionsverhandlungen voranzukommen. Die Heizungsindustrie warnt jedoch, dass das Versprechen zum Heizungsgesetz nur Wortverdrehung ist.

Berlin – Der Satz, auf den die Union gepocht hat, steht zumindest in einem der Arbeitspapiere für die Koalitionsverhandlungen: „Wir werden das Heizungsgesetz abschaffen“, heißt ist in dem Papier der Arbeitsgruppe Bauen und Verkehr. Die Gruppe Klima und Energie konnte sich auf diesen Satz nicht einigen, doch die CDU hat das Einknicken der Baupolitiker schon als Sieg verkauft. Dabei ist die „Abschaffung“ dieses Gesetzes nach Ansicht von Heizungsexperten „Nonsens“.

Heizungsgesetz hat das Ende der Ampel besiegelt: CDU will das GEG abschaffen

Das Heizungsgesetz (offiziell: Das Gebäudeenergiegesetz GEG) war eines der umstrittensten Gesetze der Ampel-Regierung und leitete das Ende der Koalition ein. Im Wesentlichen geht es darum, die Wärmewende in Deutschland einzuleiten. Im Neubau dürfen seit 2024 nur noch Heizungen installiert werden, die zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden können; im Bestand gelten dafür Übergangsfristen. Ziel ist es, bis 2045 eine vollständige klimaneutrale Wärmeversorgung zu ermöglichen.

Die CDU hat die Abschaffung des Heizungsgesetzes zu einem ihrer zentralen Wahlversprechen gemacht. Während des Wahlkampfes haben Vertreter der Heizungsbranche stets davor gewarnt und plädierten für eine weniger aufgeregte Debatte. Nun will die Union ihr Versprechen einlösen – zumindest symbolisch.

Förderung für den Heizungstausch soll bleiben – Umfang bisher unklar

„Bezahlbarkeit, Technologieoffenheit, Versorgungssicherheit und Klimaschutz sind unsere Ziele für die Modernisierung der Wärmeversorgung“, heißt es nun im Abschlusspapier von Bauen und Verkehr. „Wir werden das Heizungsgesetz abschaffen.“ Diese Formulierung findet sich auch im Papier für Energie und Klima, ist dort aber als strittige Unions-Position markiert. Gleichzeitig heißt es im Papier Bauen und Verkehr aber auch: „Die Heizungsförderung werden wir fortsetzen.“

Nicht jede Heizung ist für jedes Haus geeignet. Ein Energieberater kann helfen.

In SPD-Kreisen war mit Blick auf die Formulierung „Abschaffung des Heizungsgesetzes“ von einem eher symbolischen Erfolg der Union die Rede. In Verhandlungskreisen blieb aber unklar, ob die bisherige Förderung unverändert bleiben soll. Die Ampel-Koalition hatte sich 2023 darauf verständigt, dass der Staat den Umstieg auf eine klimafreundliche Heizung mit bis zu 70 Prozent der bei 30.000 Euro gedeckelten Kosten bezuschusst.

Spahn forderte Abschaffung des Heizungsgesetzes – und rudert nun zurück

Nur Symbolik oder soll das Gesetz nun wirklich „abgeschafft“ werden? Jens Spahn, der als einer der deutlichsten Befürworter der Abschaffung im Wahlkampf aufgetreten war, nutzt jetzt schon in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung den Trick seines Chefs Friedrich Merz, den dieser bei der Schuldenbremse verwendet hat. „Wir haben aber nie gesagt, dass wir das Gebäudeenergiegesetz als Ganzes abschaffen wollen. Auch wir wollen den CO₂-Ausstoß reduzieren, aber nicht mit der Brechstange“, sagt Spahn nun. Ganz so hatte er es vor der Wahl aber nicht formuliert.

Aus Sicht der Industrie gibt Spahn damit zu, dass er im Wahlkampf nicht die Wahrheit gesagt hat. Markus Staudt vom Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) sagt zur FAS, vielleicht möchte die Union das Gesetz wirklich abschaffen. „Was die Union stattdessen machen will, ist aber noch nicht klar“. Andere Industrievertreter sprechen von „Nonsens“ im Wahlkampf und einer „bewussten Irreführung“ der Bürgerinnen und Bürger durch die Union.

Was kommt statt dem Heizungsgesetz? Deutliche Lockerung ist in der Debatte

Dass stattdessen etwas kommen muss, ist nur logisch. Schließlich muss die Wärmenwende kommen, wenn Deutschland seine Klimaziele erreichen will. Und es gelten auch europäische Vorgaben, an die sich Deutschland zu halten hat. Des Weiteren wird ab 2027 der europäische CO₂-Preis zu deutlichen Preissteigerungen für Öl- und Gasheizungen führen, sodass Alternativen etabliert sein müssen.

In dem Arbeitspapier schreiben Union und SPD bisher nur schwammig: Statt „einer kurzfristigen Energieeffizienzbetrachtung beim Einzelgebäude“ soll künftig die langfristige Betrachtung der Emissionseffizienz gelten. Die CO₂-Vermeidung werde mehr in den Vordergrund gestellt.

Abseits vom Standard: Diese Wärmepumpen-Marken kennen Sie noch nicht

Eine Wärmepumpe der Firma Aira steht vor einem Haus.
Sie gehört zu den neueren Unternehmen in Deutschland: Die Firma Aira wurde erst 2022 in Schweden gegründet. Seitdem ist sie aber auf Expansionskurs und baut ihre Wärmepumpen in Deutschland, Italien und Großbritannien ein. Die Firma verkauft Luft-Wasser-Wärmepumpen, die in Polen hergestellt werden. Auf Trustpilot bekommt die Marke Aira 4,2 von 5 Sternen.  © Aira
Eine Wärmepumpe von Stiebel Eltron steht vor einem Wohngebäude.
Stiebel Eltron gehört eigentlich zu den großen Marken in Deutschland – wird aber oft in der Öffentlichkeit vergessen. Die Firma hat dabei 2024 hohen Besuch empfangen: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat die Firma auf seiner Sommerreise besucht. Die Luft-Wasser-Wärmpumpen von Stiebel Eltron können nicht nur in Wohngebäude installiert werden, sondern stellt auch größere Wärmepumpen, die im Gewerbe dienen können. Die Firma stellt sowohl Monoblöcke als auch Splitgeräte her. Bei Stiftung Warentest ist Stiebel Eltron mit eines ihrer Geräte als Testsieger hervorgegangen.  © IMAGO/Karl-Heinz Hick
Eine Wärmepumpe der Firma Brötje vor einem Mehrfamilienhaus.
Die Firma Brötje stellt schon seit über 100 Jahren Heizungen her – und seit einiger Zeit hat sie auch Wärmepumpen im Repertoire. Die Firma mit niederländischem Hauptsitz hat für den deutschen Markt sieben verschiedene Wärmepumpen im Angebot, darunter Luft-Wasser-, Sole-Wasser- und Trinkwasser-Wärmepumpen. Hier im Foto: Die Luft-Wasser-Wärmpumpe NEO, die mit einer höheren Leistung auch für Mehrfamilienhäuser geeignet ist.  © IMAGO/Karl-Heinz Hick
Eine Wärmepumpe von LG mit Katze.
Nein, LG stellt nicht nur Fernseher her: Die südkoreanische Marke ist in zahlreichen Märkten aktiv - eben auch bei Wärmepumpen. LG profitiert dabei von ihrer Expertise in schwülwarmen asiatischen Ländern, die einen hohen Bedarf an Klimaanlagen haben. Eine Wärmepumpe funktioniert sehr ähnlich. Fünf verschiedene Produkte gibt es von LG in Deutschland zu kaufen, ganz neu ist auch ein Produkt mit natürlichem Kältemittel.  © IMAGO
Panasonic stellt eine ihrer Wärmepumpen auf einer Messe aus.
Bleiben wir bei den asiatischen Herstellern: Auch Panasonic tummelt sich längst im Wärmepumpenmarkt. Auch der japanische Hersteller profitiert von einer Expertise bei Klimaanlagen, und bringt Wärmepumpen nach Deutschland. Stiftung Warentest hat 2024 für die Panasonic-Modelle einen Preistipp gegeben, da sie zu den günstigsten Modellen mit einem Qualitätssiegel „gut“ gehören.  © IMAGO/Michael Bihlmayer
Eine Wärmepumpe von Alpha Innotec vor einem Neubau.
Hinter den Wärmepumpen der Marke Alpha Innotec steckt die ait Deutschland GmbH mit Sitz in Oberfranken. Der deutsche Anbieter stellt ausschließlich Wärmepumpen her und wirbt damit, dass ihre Wärmepumpen schon seit über zehn Jahren natürliche Kältemittel nutzen und daher besonders nachhaltig seien. ait stellt sowohl Luft-Wasser- als auch Sole-Wasser-Wärmepumpen her – und zwar in Deutschland am Standort Kasendorf.  © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON
Die Wärmepumpe der Marke Zewotherm steht vor einem Haus.
Die Firma Zewotherm ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen aus Remang am Rhein, das sich auf klimafreundliches Heizen und Kühlen spezialisiert hat. Die Firma stellt Wärmepumpen her, aber auch Flächenheizungen, Lüftungssysteme und Photovoltaik-Anlagen. Zewotherm bietet mittlerweile als Allrounder auch Stromtarife an, mit denen man seine Wärmepumpe günstig betreiben kann. Zwei Modelle hat Zewotherm aktuell auf dem Markt: Der Lambda sowie der Eco. Auf dem Foto ist der Lambda zu sehen.  © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON
Eine Wärmepumpe der Marke Tecalor steht auf einer Messe aus.
Die Firma Tecalor aus Niedersachsen punktet mit einem breiten Angebot an verschiedenen Wärmepumpen. Neben den typischen Außenblöcken wie hier auf dem Foto gibt es auch Geräte, die im Innenraum stehen sowie solche, die nebenbei auch noch die Luft filtern können. Auch Großwärmepumpen für Mehrfamilienhäuser hat Tecalor im Angebot. Online gibt es auch ein Ersatzteilshop, für all jene, die diese Sicherheit dazu noch haben wollen.  © IMAGO/Alexander Pohl
Eine Wärmepumpe von Buderus vor einem Haus.
Die Marke Buderus kennen viele Menschen wohl zumindest vom Sehen: Die Wärmepumpen gehören zu den markantesten auf dem Feld. 2024 waren die Wärmepumpen auch Testsieger von Stiftung Warentest. Buderus war einst ein Familienunternehmen, wurde aber 2003 von Bosch übernommen. Neben Wärmepumpen stellt die Wetzlarer Firma auch Solaranlagen her. © IMAGO
Eine Wärmepumpe von SenerTec zusammen mit Vertriebsleiter Hagen Fuhl.
Ein weiteres deutsches Unternehmen macht die Liste komplett: SenerTec aus Schweinfurt stellt nicht nur Wärmepumpen her, sondern kombiniert sie mit Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK). Diese eignen sich insbesondere für Mehrfamilienhäuser und größere Immobilien. Die Kombination kann außerdem noch mit einer PV-Anlage ausgefertigt werden.  © SenerTec

Was könnte das also bedeuten? Ein Positionspapier des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) aus September 2023 forderte bereits eine ähnliche Ausrichtung. So sollte das GEG nicht nur den Energieverbrauch des Gebäudes berücksichtigen, sondern auch die Art der Energieerzeugung sowie die Art des Baus. Wer also schon beim Bau eine besonders ökologische Bauweise verwendet, sollte eine Anerkennung dafür bekommen und eine bessere Klimabewertung erhalten. Zudem sollte es eine klare Strategie für mehr Renovierungen im Bestand geben. Wie die Ziele bis 2045 technisch erreicht werden, solle der Bauwirtschaft überlassen werden, so der BFW weiter.

Sanierungszwang statt Heizungsgesetz? Mehr Sanierungen könnten Baubranche helfen

Möglich ist auch, dass künftig der Fokus auf Sanierung steht, was aus Sicht der Bauwirtschaft dringend vorangetrieben werden müsste. Statt Heizungstausch also Sanierungszwang? Gut möglich, dass das am Ende das Motto sein wird. Auch das fordert die Industrie nämlich schon seit geraumer Zeit, auch, weil ein Sanierungsboom die Baubranche wieder ankurbeln würde.

Wie die nächste Novelle des GEG aussehen wird, steht also noch in den Sternen. Schwarz-rot lässt sich nicht in die Karten gucken. Aber die bisher bekannten Passagen deuten darauf hin, dass das Heizungsgesetz deutlich verändert werden könnte. Von Abschaffen kann aber keine Rede sein.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Roman Möbius

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