VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Ein aktuelles Programm könnte Milliarden in Italiens Waffenindustrie lenken. Rheinmetall könnte ebenfalls einen Vorteil daraus ziehen. Was ist die Ursache dafür?
Rom – Italien will weiter aufrüsten. Ein neuer Parlamentsausschuss hatte am Dienstag (29. Oktober) die Freigabe von etwa 8,2 Milliarden Euro gebilligt, die zum Kauf von Panzern und zur Erneuerung der Bodentruppen dienen sollen. Das hatte die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Dieses Vorhaben sei ein Teil des Vorhabens von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, aufgrund globaler Konflikte die Armee zu modernisieren.
Leonardo-Kooperation – Betrifft Italiens Panzerprogramm Rheinmetall?
Reuters-Informationen zufolge soll das Programm von 2025 bis 2038 laufen. Rund 5,4 Milliarden Euro sind bereits eingeplant, die Finanzierung der übrigen Summe müsse noch geklärt werden.
Für Deutschland ist das insofern eine wichtige Nachricht, als der Rüstungsriese Rheinmetall von diesen Plänen betroffen sein könnte. Im Juli hatte Rheinmetall gemeinsam mit dem italienischen Rüstungsunternehmen Leonardo angekündigt, ein Gemeinschaftsunternehmen gründen zu wollen. Dessen wichtigste Aufgabe soll die Entwicklung eines italienischen Kampfpanzers sein. In Regierungskreisen habe es geheißen, dass dieses Joint Venture mit dem Namen Leonardo Rheinmetall Military Vehicles (LRM) der wichtigste Industriepartner für das italienische Rüstungsprogramm werden soll.
Die Grundlage für den neuen Kampfpanzer soll der Panther KF51 sein, den Rheinmetall entwickelt hatte. Am Ende soll diese Neuentwicklung Italiens Ariete-Panzer ersetzen. Nur 50 der 200 Ariete-Panzer im Besitz der italienischen Armee seien einsatzfähig.
Rheinmetall profitiert von nationaler Aufrüstung – und erweitert US-Geschäft
Im Zuge des Ukraine-Kriegs hatte Rheinmetall von den neuen Aufrüstungsbemühungen Deutschlands profitiert. 2023 hatte der Konzern einen Rekordgewinn eingefahren; der Umsatz stieg um zwölf Prozent auf rund 7,2 Milliarden Euro. Im Herbst hatte der Rüstungskonzern sein USA-Geschäft ausgeweitet und für rund eine Milliarde US-Dollar den Rüstungszulieferer Loc Performance gekauft. Wenige Monate zuvor, im Mai, hatte Rheinmetall den US-Konkurrenten den Kampf angesagt und angekündigt, einen europäischen Rüstungsgiganten aufbauen zu wollen, der es mit US-amerikanischen Großkonzernen aufnehmen können soll. In der Ukraine will Rheinmetall seine Panzer-Kapazitäten ebenfalls ausbauen.
„Ich glaube, dass es sinnvoll wäre, ein europäisches Systemshaus zu gründen“, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters dabei den Rheinmetall-Chef Armin Papperger und berief sich auf eine Aussage, die er vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung Düsseldorf (WPV) gemacht hatte. Dieses Systemshaus solle einen Umsatz von 30 bis 35 Milliarden Euro erzielen und „auf Augenhöhe mit amerikanischen Konzernen agieren“.
Zeitenwende in Deutschland – Pistorius fordert mehr Geld für Panzer
Um Europa – und vor allem Deutschland – verteidigungstechnisch wieder auf Kurs zu bringen, hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) kurz nach Kriegsbeginn in der Ukraine die sogenannte Zeitenwende ausgerufen. Diese sind eine grundlegende Reform der deutschen Verteidigungspolitik vor, die Bundeswehr soll deutlich aufgerüstet werden. Ein Sondervermögen über 100 Milliarden Euro sollte dabei die erste Stufe der notwendigen Reformen finanzieren.
Allerdings reicht dem Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) das nicht aus. Um das Zwei-Prozent-Ziel der Nato langfristig zu erreichen, müsste die Bundesrepublik mehr investieren. Im aktuellen Haushaltsstreit versucht Pistorius, seinem Ressort zusätzliche Mittel zu verschaffen. (Laernie mit Material von Reuters)
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