Verteidigung

Karriere im Kriegsbusiness? Warum die Rüstungsbranche boomt

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Vom moralischen Tabu zur Karrierechance: Die Rüstungsindustrie erlebt einen Boom – und zieht plötzlich Fachkräfte wie nie zuvor an.

Hamm – Noch vor wenigen Jahren wäre eine Bewerbung bei einem Rüstungsunternehmen für viele undenkbar gewesen. Zu groß war das gesellschaftliche Stigma, zu kritisch die öffentliche Debatte rund um Waffenexporte und Kriegsführung. Doch spätestens seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine hat sich das Bild verändert. Verteidigung wird zunehmend als notwendige Sicherheitsmaßnahme verstanden – und die Industrie dahinter gewinnt an gesellschaftlicher Akzeptanz.

Rüstungsjobs plötzlich gefragt wie nie – Verteidigungspaket von 500 Milliarden Euro verstärkt Boom

Laut Dr. Virginia Sondergeld, Arbeitsmarktexpertin bei Indeed, hat sich die Zahl der Suchanfragen nach Begriffen und Unternehmen aus dem Rüstungsbereich allein zwischen Februar und März 2025 verdreifacht. „Die geplanten Verteidigungsausgaben wirken wie ein Konjunkturpaket für die Rüstungsindustrie und dies erhöht auch die Arbeitgeberattraktivität“, erklärt sie.

Hinter dem Boom stehen enorme staatliche Ausgaben. Die Bundesregierung hat gemeinsam mit der Opposition ein Verteidigungspaket in Höhe von 500 Milliarden Euro beschlossen. Ein großer Teil dieses Betrags soll in den kommenden zehn Jahren ins Militär fließen. Die Botschaft: Verteidigung ist nicht nur sicherheitspolitisch, sondern auch wirtschaftlich relevant.

23 Prozent mehr gemeldete Stellen in der Waffenproduktion

Das zeigt sich bereits auf dem Arbeitsmarkt. Die Zahl der gemeldeten Stellen in der Waffen-, Munitions- und Kampffahrzeugproduktion ist deutlich gestiegen. Besonders Fachkräfte in der Waffen- und Munitionsherstellung sind gefragt – hier beträgt der Zuwachs laut ntv 23 Prozent. Gleichzeitig sind es im Bereich der Kampffahrzeuge vor allem Helfer-Jobs, die mit einem Anstieg von 43 Prozent boomen.

Rüstungsindustrie wächst dank Milliardeninvestitionen und schafft viele neue Jobs.

Die Rüstungsindustrie als neue Heimat für Auto-Fachkräfte

Für viele Fachkräfte, vor allem aus der angeschlagenen Autoindustrie, öffnet sich mit der Rüstungsbranche ein neues Kapitel. Denn die technischen Qualifikationen sind häufig übertragbar. Prominente Beispiele zeigen, wie aktiv Rüstungsunternehmen inzwischen um erfahrene Arbeitskräfte werben: Der Branchenriese Rheinmetall hat bereits im Juni 2024 Mitarbeiter des Autozulieferers Continental übernommen. Auch eine mögliche Zusammenarbeit mit Volkswagen am Standort Osnabrück steht im Raum.

„Verteidigungsunternehmen werden derzeit oft als Beschäftigungsalternative genannt, vor allem für Fachkräfte aus dem Automotive-Bereich“, sagt Sondergeld. Und das Interesse ist beidseitig: Die Zahl der Bewerbungen steigt ebenso rasant wie die der offenen Stellen.

Jobs in der Rüstungsbranche häufig gut bezahlt – nicht selten sechsstellige Gehälter für leitende Positionen

Neben dem gestiegenen Ansehen punktet die Branche mit einem weiteren Argument: dem Geld. Das Jobportal Stepstone beziffert das durchschnittliche Jahresgehalt bei deutschen Waffenherstellern auf rund 68.000 Euro brutto. In leitenden Positionen sind auch sechsstellige Gehälter keine Seltenheit.

Rubriklistenbild: © Philipp Schulze/dpa

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