„Katastrophale“ Lage bei deutschem Traditionsunternehmen – IG Metall fordert Insolvenz
VonJulian Baumann
schließen
Beim Traditionsunternehmen Hüller Hille spitzt sich die Lage weiter zu. Die Gewerkschaft IG Metall fordert den Gang in die Insolvenz als Ausweg.
Mosbach – Beim 1923 gegründeten Werkzeugmaschinenbauer Hüller Hille in Mosbach-Diedesheim (Baden-Württemberg) kehrt einfach keine Ruhe ein. Nachdem sich die Mitarbeiter des Traditionsunternehmens zu Beginn des Jahres zu ihrem Gehalt klagen mussten und im Januar dann ihr Novembergehalt inklusive Bonus und Weihnachtsgeld ausbezahlt bekommen haben, wartet die Belegschaft erneut seit Monaten auf ihren Lohn. Die Rhein-Neckar-Zeitung(RNZ), die den Fall seit Monaten begleitet, bezeichnet die Situation des Unternehmens basierend auf Gesprächen mit den Mitarbeitern als „katastrophal“, „dramatisch“ und „zum Verzweifeln“.
Das sind die 12 größten Unternehmen aus Baden-Württemberg
Der Grund für die Lage des Maschinenbauers liegt in der wechselhaften Geschichte des Unternehmens begründet. Inzwischen gehört das Traditionsunternehmen der Tochter eines chinesischen Investors, die angekündigt hat, Hüller Hille wieder in die Spur bringen zu wollen. Laut der RNZ steht die Produktion aber bereits seit langem still, Mitarbeiter haben das Unternehmen verlassen und die verbleibenden warten weiter auf ihr Gehalt vom Februar. Laut der IG Metall ist nur noch der Gang in die Insolvenz als Ausweg möglich.
Situation bei Hüller Hille: Laut IG Metall gibt es „keinen Weg, außer die Insolvenz zu eröffnen“
Dem Bericht zufolge sind die Zustände bei dem Maschinenbauer, der lange Zeit zum ThyssenKrupp-Konzern gehört hatte, wirklich dramatisch. Konkret sollen sich die Verbindlichkeiten von Hüller Hille inzwischen auf einen zweistelligen Millionenbetrag belaufen und die Mitarbeiter haben keine Hoffnung mehr, dass das Unternehmen wie von der chinesischen Geschäftsführung angekündigt noch die Trendwende schafft. Aktuell sollen im Durchschnitt nur noch etwa 15 Mitarbeiter vor Ort sein, der Rest befindet sich seit Wochen in einer Art „Sonderurlaub“.
Name
Hüller Hille GmbH
Gründung
1923
Sitz
Mosbach-Diedesheim, Baden-Württemberg
Branche
Maschinenbau, Werkzeugmaschinen
Mitarbeiter
170
Einige Angestellte bezweifeln zudem, dass das Unternehmen in den vergangenen Monaten die Sozialversicherungsbeiträge gezahlt hat. Die IG Metall erklärte, im engen Austausch mit den Krankenkassen zu sein und so die Beschäftigten in diesem Fall unterstützen zu können. „Es ändert aber leider nichts daran, dass den Menschen ihr Entgelt fehlt“, machte Thomas Bohlender von der IG Metall Heidelberg gegenüber der RNZ deutlich. „Es gibt keinen Weg, der diese Machenschaften unterbindet, außer die Insolvenz zu eröffnen.“
Die Situation beim Maschinenbauer Hüller Hille spitzt sich weiter zu. Die Gewerkschaft IG Metall sieht nur noch eine Insolvenz als Ausweg. (Symbolfoto)
Hüller Hille: Geschäftsführung weist Vorwurf der Insolvenzverschleppung zurück
Die Krankenkassen könnten einen Insolvenzantrag für Hüller Hille stellen, wenn die Sozialversicherungsbeiträge über eine längere Zeit nicht bezahlt werden. Der Gewerkschaft sind dagegen die Hände gebunden. „Wir können es nicht, und alle, die könnten, tun es nicht“, so Bolender. „Es ist beschämend, wie die Geschäftsführung die Beschäftigten hinhält und auf Zeit spielt.“ Die IG Metall fordert deshalb, dass die Geschäftsführung den Weg für andere Investoren freimacht. Geschäftsführer und Investor Bingcheng Zhang weist den Vorwurf einer Insolvenzverschleppung dagegen zurück.