Mitarbeiter warten auf Gehalt

„Katastrophale“ Lage bei deutschem Traditionsunternehmen – IG Metall fordert Insolvenz

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Beim Traditionsunternehmen Hüller Hille spitzt sich die Lage weiter zu. Die Gewerkschaft IG Metall fordert den Gang in die Insolvenz als Ausweg.

Mosbach – Beim 1923 gegründeten Werkzeugmaschinenbauer Hüller Hille in Mosbach-Diedesheim (Baden-Württemberg) kehrt einfach keine Ruhe ein. Nachdem sich die Mitarbeiter des Traditionsunternehmens zu Beginn des Jahres zu ihrem Gehalt klagen mussten und im Januar dann ihr Novembergehalt inklusive Bonus und Weihnachtsgeld ausbezahlt bekommen haben, wartet die Belegschaft erneut seit Monaten auf ihren Lohn. Die Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ), die den Fall seit Monaten begleitet, bezeichnet die Situation des Unternehmens basierend auf Gesprächen mit den Mitarbeitern als „katastrophal“, „dramatisch“ und „zum Verzweifeln“.

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Die Zentrale der Schwarz-Gruppe, derSchwarz Finanz und Beteiligungs GMBH & Co. KG und derLIDL Stiftung & Co. KG in Neckarsulm.
Sagt Ihnen die Schwarz-Gruppe etwas? Der Mischkonzern ist mit 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Marijan Murat/dpa
Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Weltweit bekannt sind die Discounter Lidl und Kaufland, die zur Schwarz-Gruppe gehören, aber dennoch Konkurrenten sind.  © Christian Johner/dpa
Die Hinterhof-Werkstatt von Robert Bosch, die er in den Jahren 1897 bis 1901 in der Kanzleistraße 22 in Stuttgart betrieb.
In diesem Hinterhof in Stuttgart wurde der größte Industriekonzern Baden-Württembergs gegründet. Wissen Sie welcher?  © Robert Bosch GmbH
Das Logo des Industriekonzerns Bosch ist an der Hauptverwaltung zu sehen.
Richtig: Die Robert Bosch GmbH mit weltweit 417.900 Mitarbeitern.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Werk der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 1908.
Wir bleiben historisch: Daimler-Motoren-Gesellschaft, Daimler-Benz, DaimlerChrysler, Daimler AG und heute... © Mercedes-Benz AG – Communications
Der Besuchereingang an der Mercedes-Benz Konzernzentrale in Stuttgart-Untertürkheim.
... Mercedes-Benz Group: Der Stuttgarter Autokonzern mit weltweit rund 175.000 Mitarbeitern darf hier nicht fehlen.  © Corporate Communication (MS/CC)
Die Stadt Friedrichshafen liegt am Bodensee, während im Hintergrund die Alpen in der Schweiz und in Österreich zu sehen sind.
Von Stuttgart an das Bodenseeufer: Hier hat ein weiterer global bedeutender Technologiekonzern seinen Hauptsitz.  © Felix Kästle/dpa
Das Forum der ZF Friedrichshafen wird von der Abendsonne angestrahlt.
Die ZF Friedrichshafen ist mit über 161.600 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer der Welt.  © Felix Kästle/dpa
Blick auf Gebäudeteile der Firmenzentrale des Software-Unternehmens SAP in Walldorf.
Darüber hinaus hat auch das wertvollste Unternehmen Europas seinen Sitz in Baden-Württemberg.  © Uwe Anspach/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
Genau, die SAP: der Softwarekonzern beschäftigt weltweit mehr als 109.000 Mitarbeiter. Nun geht es aber zurück in die Industrie.  © Uwe Anspach/dpa
Ein Mitarbeiter putzt vor der Präsentation den Mercedes-Stern des neuen Fernverkehrs-Lkw eActros 600.
Mercedes hatten wir doch schon in der Liste! Richtig, es gibt aber noch ein Unternehmen, das dieses legendäre Logo tragen darf.  © Jonas Walzberg/dpa
Ein Mercedes-Benz Lastwagen steht vor der Zentrale von Daimler Truck.
Daimler Truck gilt mit rund 102.900 Mitarbeitern als größter Nutzfahrzeughersteller der Welt.  © Bernd Weißbrod/dpa
Influencerin Pamela Reif (l) kassiert in einer dm Filiale für einen guten Zweck.
Na gut, ein Export-Schlager aus Karlsruhe darf auch nicht fehlen. Und damit ist nicht Influencerin Pamela Reif gemeint.  © Christoph Schmidt/dpa
Eine dm-Filiale in Homburg, Saarland.
Sondern dm. Die Drogeriemarktkette gilt mit 4.100 Filialen und knapp 90.000 Mitarbeitern als größte der Welt. © IMAGO/Lobeca
Eine Zweigstelle von Würth in Kempten im Allgäu, Bayern.
Wenn wir schon bei Superlativen sind: Auch das weltgrößte Unternehmen für Befestigungstechnik hat seinen Sitz im Ländle.  © IMAGO/imageBROKER/Manfred Bail
Der Konzernsitz der Würth-Gruppe in Künzelsau, Baden-Württemberg.
Würth: Aus einem Schraubenhandel in Künzelsau entwickelte sich ein Weltkonzern mit heute über 88.000 Mitarbeitern. © IMAGO/Arnulf Hettrich
Arnd Franz, der Vorstandsvorsitzende des Automobilzulieferers Mahle, betrachtet bei der Bilanz-Pressekonferenz am Stammsitz in Stuttgart ein Gravel-Bike mit einem Mahle Antrieb.
Ein bekannter Fahrrad-Hersteller aus Baden-Württemberg? Nein, hier geht es um den Antrieb.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen.
Autozulieferer Mahle, der natürlich nicht nur Fahrrad-Antriebe baut, beschäftigt weltweit knapp 70.000 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Die Werkszentrale von Freudenberg in Weinheim.
Freudenberg? Hier geht es nicht um die bayerische Gemeinde, sondern um einen echten Hidden Champion. © Ronald Wittek/dpa
: Ein Putzgerät der Marke Vileda liegt im Showroom des Technologiekonzerns Freudenberg.
Der Freudenberg-Konzern beschäftigt mehr als 52.000 Mitarbeiter und ist vor allem für die Marke Vileda bekannt.  © Uwe Anspach/dpa
Eine Firmenlogo des Baustoffkonzerns „Heidelberg Materials“, ehemals „HeidelbergCement“, ist an einem vor der Firmenzentrale geparkten Betonmischer angebracht.
Von Reinigungsprodukten zum weltgrößten Baustoffhersteller? So ist das halt mit Listen, die nach Mitarbeiterzahl geordnet sind.  © Uwe Anspach/dpa
Firmenzentrale des börsennotierten Baustoffkonzerns Heidelberg Materials in Heidelberg, Baden-Württemberg.
Heidelberg Materials, ehemals unter anderem HeidelbergCement, beschäftigt rund 51.000 Mitarbeiter auf fünf Kontinenten.  © IMAGO/Udo Herrmann
Eine Mitarbeiterin geht im Lager des Pharma-Großhändlers Phoenix in Gotha (Thüringen) zwischen Regalen entlang.
Und was wird hier gelagert? Schrauben, Werkzeuge? Nein, Pharmazubehör - und Ausrüstung.  © Martin Schutt/dpa
Ein Firmenschild mit dem Unternehmenslogo steht vor der Firmenzentrale des Pharmahändlers Phoenix.
Der Pharmagroßhändler Phoenix Pharma mit Hauptsitz in Mannheim beschäftigt über 48.000 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa
Das Logo des Optikkonzerns Zeiss auf Flaggen vor dem Firmensitz (links). Das Wappen von Sportwagenbauer Porsche (rechts).
Weitere große Unternehmen sind Zeiss (rund 46.000 Mitarbeiter) und der Sportwagenbauer Porsche (mehr als 42.000 Angestellte).  ©  IMAGO/CHROMORANGE & Marijan Murat/dpa

Der Grund für die Lage des Maschinenbauers liegt in der wechselhaften Geschichte des Unternehmens begründet. Inzwischen gehört das Traditionsunternehmen der Tochter eines chinesischen Investors, die angekündigt hat, Hüller Hille wieder in die Spur bringen zu wollen. Laut der RNZ steht die Produktion aber bereits seit langem still, Mitarbeiter haben das Unternehmen verlassen und die verbleibenden warten weiter auf ihr Gehalt vom Februar. Laut der IG Metall ist nur noch der Gang in die Insolvenz als Ausweg möglich.

Situation bei Hüller Hille: Laut IG Metall gibt es „keinen Weg, außer die Insolvenz zu eröffnen“

Dem Bericht zufolge sind die Zustände bei dem Maschinenbauer, der lange Zeit zum ThyssenKrupp-Konzern gehört hatte, wirklich dramatisch. Konkret sollen sich die Verbindlichkeiten von Hüller Hille inzwischen auf einen zweistelligen Millionenbetrag belaufen und die Mitarbeiter haben keine Hoffnung mehr, dass das Unternehmen wie von der chinesischen Geschäftsführung angekündigt noch die Trendwende schafft. Aktuell sollen im Durchschnitt nur noch etwa 15 Mitarbeiter vor Ort sein, der Rest befindet sich seit Wochen in einer Art „Sonderurlaub“.

Name Hüller Hille GmbH
Gründung 1923
Sitz Mosbach-Diedesheim, Baden-Württemberg
Branche Maschinenbau, Werkzeugmaschinen
Mitarbeiter 170

Einige Angestellte bezweifeln zudem, dass das Unternehmen in den vergangenen Monaten die Sozialversicherungsbeiträge gezahlt hat. Die IG Metall erklärte, im engen Austausch mit den Krankenkassen zu sein und so die Beschäftigten in diesem Fall unterstützen zu können. „Es ändert aber leider nichts daran, dass den Menschen ihr Entgelt fehlt“, machte Thomas Bohlender von der IG Metall Heidelberg gegenüber der RNZ deutlich. „Es gibt keinen Weg, der diese Machenschaften unterbindet, außer die Insolvenz zu eröffnen.“

Die Situation beim Maschinenbauer Hüller Hille spitzt sich weiter zu. Die Gewerkschaft IG Metall sieht nur noch eine Insolvenz als Ausweg. (Symbolfoto)

Hüller Hille: Geschäftsführung weist Vorwurf der Insolvenzverschleppung zurück

Die Krankenkassen könnten einen Insolvenzantrag für Hüller Hille stellen, wenn die Sozialversicherungsbeiträge über eine längere Zeit nicht bezahlt werden. Der Gewerkschaft sind dagegen die Hände gebunden. „Wir können es nicht, und alle, die könnten, tun es nicht“, so Bolender. „Es ist beschämend, wie die Geschäftsführung die Beschäftigten hinhält und auf Zeit spielt.“ Die IG Metall fordert deshalb, dass die Geschäftsführung den Weg für andere Investoren freimacht. Geschäftsführer und Investor Bingcheng Zhang weist den Vorwurf einer Insolvenzverschleppung dagegen zurück.

Zuletzt hatte auch ein Maschinenbauer mit Kunden in 30 Ländern Insolvenz angemeldet.

Rubriklistenbild: © Bernd Weißbrod/dpa

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