Wohl keine weiteren Entlastungen

Haushaltsplan: Klingbeil zeigt sich durch kuriosen Verweis offen für Steuererhöhungen

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Lars Klingbeil möchte angesichts eines Milliarden-Lochs im Haushalt auch über Steuererhöhungen nachdenken. Bei Entlastungen sieht er eine Grenze erreicht.

Berlin – Nun liegt er also auf dem Tisch. Der Haushaltsplan für das Jahr 2026. Und das Werk von Finanzminister Lars Klingbeil wirft einige Fragen auf. Denn der Co-Chef der SPD präsentierte im Haus der Bundespressekonferenz nicht nur Rekordinvestitionen von 126,7 Milliarden Euro, sondern auch Ausgaben von 520,5 Milliarden Euro. Dafür müssten 174,3 Milliarden Euro an neuen Schulden aufgenommen werden.

Bis 2029 entsteht nach bisherigen Berechnungen eine Lücke von 172 Milliarden Euro. Das sind Zahlen, die verdeutlichen, dass schwere Zeiten auf die Regierung, aber auch die Bürger zukommen werden. „Jede und jeder, der da am Kabinettstisch sitzt, wird sparen müssen“, betonte Klingbeil. Und auch: „Ich bin mir sicher, dass die Beliebtheit des Finanzministers im Kabinett sich nicht zwingend erhöhen wird, die nächsten zwölf Monate.“

Klingbeil und der Haushalt 2026: Entlastungen bei Pendlerpauschale und Gastro-Steuer

Zugleich erwähnte er die im Haushaltsentwurf geplanten Entlastungen für die Bürger. So soll die Pendlerpauschale künftig vom ersten Kilometer an von 30 Cent auf 38 Cent steigen, zudem die Umsatzsteuer in der Gastronomie wie zu Corona-Zeiten wieder von 19 auf sieben Prozent gesenkt werden.

Woher das Geld nehmen? Finanzminister Lars Klingbeil sieht eine zunehmende Finanzlücke auf Deutschland zukommen.

Im ZDF heute Journal wurde Klingbeil darauf angesprochen, wie er kontrollieren wolle, dass sich Letzteres auch bei den Preisen der Speisen bemerkbar mache. Seine Antwort: „Da wird schon eine kritische Öffentlichkeit draufgucken, dass genau diese Preissenkung für günstige Lebensmittel und Preise in der Gastronomie weitergegeben werden.“ Zugleich verdeutlichte der 47-Jährige, dass die Umsatzsteuersenkung keinesfalls seine Idee war, er sie aber als Mitglied der Regierung mittrage.

Denn eines habe er aus der Vergangenheit, der Zeit der Ampel-Koalition, gelernt: „Dass man auch zu Verabredungen stehen muss, dass man Kompromisse akzeptieren muss. Und deswegen ist für mich auch klar, dass diese Punkte umgesetzt werden, egal wie richtig oder falsch ich sie finde.“

Klingbeil sieht keinen Spielraum für weitere Entlastungen: Finanzlücke muss geschlossen werden

Auf der Homepage der Bundesregierung wird als dritte Entlastung zudem noch die Senkung der Energiepreise erwähnt. Konkret sollen Netzentgelte gesenkt, die Gasspeicherumlage abgeschafft und auch die Stromsteuer für das produzierende Gewerbe gesenkt werden. Von der im Koalitionsvertrag niedergeschriebenen Stromsteuersenkung für alle ist dagegen schon lange keine Rede mehr.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Insgesamt sind bei den Energiekosten für 2026 Entlastungen von knapp zehn Milliarden Euro für die Bürger geplant. Allerdings ist auch zu lesen: „Die finanziellen Spielräume sind besonders in den kommenden Jahren deutlich eingeschränkt. Daher wird der Fokus verstärkt auch auf der Konsolidierung liegen.“

Dazu passt auch, dass Klingbeil bei der Vorstellung des 2026er Haushalts wenig Hoffnungen auf weitere Entlastungen in den weiteren Jahren machte. Zwar sei ihm bewusst, dass gerade in den Bereichen Energie und Verkehr weitere Entlastungen gewünscht würden, „Hauptpriorität“ genieße aber die Schließung der milliardenschweren Finanzlücke. Immerhin fügte er hinzu: „Wenn Spielräume entstehen, bin ich für jede gute Idee zu haben.“

Zahlen zum Bundeshaushalt 2026

Ausgaben: 520,5 Milliarden Euro

Investitionen: 126,7 Milliarden Euro

davon aus dem Kernhaushalt: 56,1 Milliarden Euro

davon aus Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität: 48,9 Milliarden Euro

davon Investitionen des Klima- und Transformationsfonds: 21,7 Milliarden Euro

Quelle: Finanzministerium

Klingbeil denkt an Steuererhöhungen: Finanzminister greift Weimer-Plan auf

Als weniger gute Idee sehen die meisten Bürger Steuererhöhungen an. Auch die dürften aber kein Tabuthema sein, ließ Klingbeil wissen. In seinen Worten: „Alles muss denkbar sein. Das ist auch die Erwartung, die ich habe.“

Bei dem Thema kam er auf Kulturstaatsminister Wolfram Weimer zu sprechen, der mit der Digitalsteuer bereits eine Steuererhöhung vorgeschlagen habe. Diese zielt jedoch auf die vor allem aus den USA stammenden Tech-Konzerne ab, dürfte sich aber auch auf den Konten der Konsumenten bemerkbar machen.

Klingbeil schlussfolgert aus den Weimer-Worten jedenfalls: „Also es gibt ja anscheinend auch eine Bereitschaft, auf Unions-Seite über diese Fragen auch ganz undogmatisch nachzudenken.“ Der Verleger und Publizist ist zwar parteilos, gilt aber als der Union nahstehend.

Greift der Staat nochmal zu? Steuererhöhungen sind für Finanzminister Lars Klingbeil ausdrücklich eine Option.

Deutschland und der neue Haushalt: Regierung denkt an höhere Steuereinnahmen

Die Bundesregierung stellt angesichts des großen Konsolidierungsdrucks fest: „Daher ist es umso wichtiger, die Wirtschaft wieder zu beleben und einen Anstieg der Steuereinnahmen zu erreichen.“ Inwiefern hier bei Letzterem auch der Bürger mitgedacht wird, muss sich noch zeigen.

Jedenfalls gelte „das Prinzip, in die Zukunft zu investieren und zugleich zu konsolidieren“. Dabei dürfte wohl letztlich jeder in Deutschland seinen Anteil beizutragen haben. (mg)

Rubriklistenbild: © Soeren Stache/dpa

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