VonLisa Gilzschließen
Das Strompreispaket der Regierung soll Verbraucher entlasten. Doch wie lange? Experten rechnen mit Zusatzkosten wegen des Netzwerkausbaus.
Berlin/Köln – Die Regierung unter Kanzler will Verbraucher und Unternehmen bei den Stromkosten entlasten. Vor der Sommerpause des Bundestages soll das Strompreispaket beschlossen werden. Darunter fällt etwa, die Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß zu setzen und die Netzentgelte zu senken. Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass eine vierköpfige Familie dadurch erheblich sparen könnte. Ein Experte warnt jedoch, dass diese Entwicklung nicht von Dauer sein könnte, da Investitionen in den Netzausbau letztlich auf die Verbraucher umgelegt werden.
„Kosten, die Verbraucher tragen“ – Energiepläne von Merz keine Garantie für günstige Strompreise
Derzeit zahlen Privathaushalte laut der IW-Studie 2,05 Cent pro kWh an Stromsteuer, künftig sollen es nur noch 0,1 Cent sein. Zudem sollen verschiedene Umlagen abgeschafft werden. „Viele Verbrauchergruppen würden diese Maßnahmen bereits deutlich entlasten“, heißt es in der Schlussfolgerung. Wenn das Maßnahmenpaket vollständig umgesetzt wird, könnten Verbraucher 5,5 Cent pro Kilowattstunde (kWh) sparen, was einer jährlichen Ersparnis von etwa 220 Euro für eine vierköpfige Familie mit einem Verbrauch von 4.000 kWh entspricht.
Die geplanten Maßnahmen werden in der Studie als „Schritt in die richtige Richtung“ bezeichnet. Allerdings weist das Institut in der Studie darauf hin, dass die Finanzierung durch den Bundeshaushalt erfolgen muss – wobei die Kosten auf etwa 21 Milliarden Euro geschätzt werden.
Netzausbau und der Bau von Gaskraftwerken kann mehrere Jahre dauern
Dr. Thilo Schaefer, Experte für Energie und Klimapolitik am Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln, sieht eine weitere Preisentwicklung der Stromkosten auf Wirtschaft und Privatverbraucher zukommen. Er bezeichnet das Strompreispaket und die Pläne der Regierung, etwa den Bau von 40 neue Gaskraftwerke bis 2030, als „eine gute Sache“.
„Gas ist deutlich weniger CO₂-intensiv als Kohle. Gaskraftwerke sind flexibel und passen deshalb gut zur volatilen Erzeugung von Sonnen- und Windstrom. Unseren Treibhausgasausstoß würden wir senken und die Versorgungssicherheit erhöhen.“ Schaefer stimmt auch der Aussage von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zu, dass „Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Bezahlbarkeit müssen wieder in ein ausgewogenes Dreieck zusammenkommen“.
Man dürfe jedoch nicht vergessen, dass der Netzausbau und der Bau von Gaskraftwerken einige Jahre in Anspruch nehmen können. Schaefer schätzt: „Sechs bis sieben Jahre. Wenn Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden können, dann etwas schneller.“ Er zweifelt daran, dass bis 2030 so viele neue Gaskraftwerke ans Netz gehen können. „Ob‘s notwendig ist, ist eine andere Frage.“
„Das sind Kosten, die am Ende Verbraucher tragen müssen“
„Denn der Strombedarf wird zwar steigen, etwa durch Elektrifizierung und bei steigender Nutzung von Künstlicher Intelligenz. Aber das wird länger dauern als geplant.“ Schaefer sieht die beste Chance in einem Zusammenspiel: „Wenn Netze besser ausgebaut sind, dann kann man den Strom besser verteilen. Es braucht digitale Steuermöglichkeiten, flexiblere Verbraucher, Speicheroptionen und auch neue Gaskraftwerke. Und wenn es im Ausland günstigeren Strom gibt, dann sollten wir den importieren, wenn wir ihn brauchen. All das sind Bausteine für eine erfolgreiche Energiewende.“
Schaefer warnt jedoch davor, beim Ausbau zu übertreiben. „Das sind Kosten, die am Ende Verbraucher tragen müssen. Wenn etwa in Gaskraftwerke und Ausbau investiert wird, der Stromverbrauch aber nicht so schnell wächst, dann wird der Strom pro Kilowattstunde erstmal teurer.“
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