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Deutschland soll bis 2045 klimaneutral werden. Einige Städte wollen deshalb ihre Gasnetze stilllegen und erwägen andere Energiequellen. Die Warnungen werden lauter.
Berlin – Mannheim machte den Anfang, nun ziehen weitere Städte nach: Laut einer Umfrage will fast jedes fünfte Stadtwerk in Deutschland sein Gasnetz stilllegen. Für 46 Prozent der Stadtwerke und kommunale Energieversorger ist jedoch noch unklar, was mit dem Gasnetz passiert. Klar ist aus Sicht des Stadtwerke-Verbands VKU jedoch, dass die Umstellung Gaskunden nicht zur Last fallen darf.
„Je näher das Jahr 2045 mit dem Ende der Erdgasversorgung rückt, desto größer ist die Gefahr eines Flickenteppichs und erheblichen Verunsicherungen bei den Verbrauchern“, sagte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing. Die Bundesregierung könne das verhindern.
Jedes fünfte Stadtwerk will Gasnetze stilllegen – Forderung nach Bonus für Kunden
Konkret schlägt Liebing einen Umstellbonus vor. Eigentümer eines Hauses beziehungsweise die Eigentümereigenschaft eines Mehrfamilienhauses sollen gefördert werden, wenn das Haus vom Gasnetz getrennt wird. Weiter schlägt der VKU vor, der Staat sollte den Netzbetreibern einen Teil der Kosten, die Stilllegungen und verkürzte Abschreibungszeiträume verursachen und deshalb über die Netzentgelte auf die Kunden umgelegt werden müssten, über ein „Kompensationskonto“ ausgleichen. Gaskundinnen und Gaskunden sollten von den sehr hohen Kosten für den Rückbau verschont werden.
Zudem müsse man klarstellen, dass die Kosten des Netzrückbaus nicht bei den Kunden hängen bleibe. „Wer 2045 nicht mehr mit Gas und Öl heizen kann, muss sich darauf verlassen, dass es bezahlbare Alternativen gibt. Fernwärme, Wärmepumpen oder grüne Gase müssen spätestens 2045 auch da sein“, sagte Liebig zur Bild.
Auch für die Verbraucherzentrale sind mögliche Kostensteigerungen ein ernstes Anliegen. „Je mehr Verbraucher sich aus dem Gasnetz verabschieden, indem sie beispielsweise auf eine Wärmepumpe umstellen, umso teurer wird es für die Zurückbleibenden“, sagt ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. „Das wird besonders einkommensschwache Haushalte treffen. Den Letzten beißen die Hunde.“
Bundesregierung treibt Energiewende voran – Mannheim kündigt Gas-Ausstieg bis 2035 an
Bis 2045 will Deutschland klimaneutral werden und mit Fernwärme, Wärmepumpen oder grünen Gasen statt Öl und Erdgas heizen. Stadtwerke und kommunale Energieversorger müssen nun laut VKU prüfen, welche Stränge ihres Gasnetzes sie auf grüne Gase umrüsten und welche sie stilllegen. Für Stilllegung und Rückbau fehlten bislang aber klare gesetzliche Regelungen, so der VKU. Die Mehrheit der Stadtwerke und mit ihr viele Bürger sowie zumeist mittelständische Industrie- und Gewerbekunden hingen derzeit in der Luft.
Eine wichtige Rolle spielt auch die kommunale Wärmeplanung. Hausbesitzer sollen dann entscheiden können, was sie machen – ob sie sich etwa an ein Wärmenetz anschließen lassen oder eine Wärmepumpe oder eine andere klimafreundlichere Heizung einbauen, falls eine neue Heizung benötigt wird. Die kommunale Wärmeplanung soll in Kommunen über 100.000 Einwohnern ab Mitte 2026 und für die restlichen Kommunen ab Mitte 2028 vorliegen.
Als Vorreiter gilt die Stadt Mannheim. Der Energieversorger MVV hatte im November mitgeteilt, bereits bis 2035 sein Gasnetz abschalten zu wollen. Eine Bürgerinitiative wehrt sich dagegen. Nicht alle Haushalte hätten die Möglichkeit, auf Fernwärme umzusteigen. Stattdessen müssten sie eine teure Wärmepumpe einbauen lassen. (Quellen: Dpa, Bild (bohy))
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