VonMarcel Reichschließen
Sparkassen-Kunden zahlen jährlich am meisten für ihr Girokonto, zeigt eine Umfrage. Doch nicht alle sind bereit, deswegen die Bank zu wechseln.
Kassel – Die jährlichen Ausgaben für ein Girokonto variieren stark je nachdem, bei welchem Kreditinstitut die Kunden ihr Konto führen. Dies geht aus einer Umfrage des Vergleichsportals Verivox hervor. Es zeigt sich, dass mehr als ein Viertel aller Sparkassen-Kunden jährlich 100 Euro und mehr für ihr Konto aufbringen. Bei anderen Banken mit Filialgeschäft ist dieser Anteil deutlich geringer. Die geringsten Kontokosten finden sich bei Direktbanken, die kein eigenes Filialnetz unterhalten.
Das sind die Gründe für die unterschiedlich hohen Gebühren
Die Umfrageergebnisse zeigen, dass rund 18 Prozent der Deutschen mindestens 100 Euro im Jahr für ihr hauptsächlich genutztes Girokonto zahlen. Bei 14 Prozent der Befragten belaufen sich die jährlichen Gebühren auf 100 bis 200 Euro, vier Prozent zahlen sogar noch mehr. „Sparkassenkundinnen und -kunden verfügen mit Abstand am häufigsten über ein teures Girokonto mit jährlichen Gebühren in dreistelliger Höhe. In dieser Gruppe gibt mehr als ein Viertel der Befragten entweder 100 bis 200 Euro (21 Prozent) oder sogar über 200 Euro pro Jahr (6 Prozent) fürs Konto aus“, so die Umfrageergebnisse.
Die Gründe für die unterschiedlichen Gebühren bei den Banken sind laut Experten klar. „Ein weit verzweigtes Filialnetz zu betreiben, ist für Kreditinstitute mit Kosten verbunden, die sie über die Kontogebühren auf ihre Kundschaft umlegen“, erklärte Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. „Die Studiendaten zeigen aber, dass es auch unter den Geldhäusern mit Filialgeschäft große Unterschiede bei den Kontokosten gibt.“
Der Deutscher Sparkassen- und Giroverband (DSGV), die Dachorganisation der deutschen Sparkassen, betont, dass die 351 Sparkassen in Deutschland eigenständige Institute sind. „Sie legen die Entgelte für ihre Dienstleistungen und Services eigenständig fest“, so ein Sprecher des DSGV. Er fügte hinzu: „Ein Sparkassen-Girokonto ist heutzutage ein wahres Power-Paket mit ganz vielen unterschiedlichen Services. Und die müssen auch fair bepreist werden.“ Zudem verfügen die Sparkassen über das größte Geldautomatennetz Deutschlands und betreiben etwa so viele Filialen wie die Supermarktketten Aldi und Lidl zusammen.
Viele Kunden wollen ihr Konto trotzdem nicht wechseln
Bei anderen Filialbanken liegen die jährlichen Gebühren der Kunden deutlich seltener im dreistelligen Bereich als bei den Sparkassen. Nur 14 Prozent der Befragten mit einem Konto bei einer privaten Filialbank wie der Deutschen Bank, Commerzbank oder der Hypo-Vereinsbank zahlen jährliche Kontokosten von mindestens 100 Euro. Bei den Kunden der genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken, PSD Banken und Sparda-Banken zahlen ebenfalls nur 14 Prozent 100 Euro oder mehr für ihr Konto.
Trotz der vergleichsweise hohen Kontokosten denken viele Kunden nicht daran, ihre Bank zu wechseln. Nur etwa ein Drittel der Sparkassen- und Volksbankkunden würde bei moderaten Gebührenerhöhungen von bis zu 25 Euro jährlich einen Bankwechsel in Betracht ziehen. Bei den Privatbanken mit Filialgeschäft und den Direktbanken ist dieser Anteil deutlich höher. Für 16 Prozent der Sparkassenkunden und sogar 18 Prozent der Befragten mit Girokonto bei einer Genossenschaftsbank wäre ein Bankwechsel unter keinen Umständen eine Option - unabhängig von der Höhe der Kontokosten.
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