Bundesrechnungshof mahnt

Krankenkassen brauchen dringende Reformen: Die Merz-Regierung muss handeln

  • schließen

Jährlich entsteht eine Acht-Milliarden-Lücke bei den Krankenkassen. Nur sofortige Reformen der Regierung von Merz könne Beitragswelle stoppen.

Bonn – In einem Bericht an den Bundestag sprach der Bundesrechnungshof (BRH) eine deutliche Warnung an die Regierung von Friedrich Merz aus. Die Botschaft ist eindeutig: Ohne sofortige Reformen der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) droht den Mitgliedern der Krankenkassen bald eine beispiellose Welle an Beitragserhöhungen.

Denn die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben der Krankenkassen wächst jährlich um sechs bis acht Milliarden Euro, so das Schreiben des BRHs. Und auch das Bürgergeld soll eine Rolle bei ihrer finanziell angespannten Situation spielen. Die möglichen Folgen für die Versicherten sind erschreckend. Bis 2029 könnte der Zusatzbeitrag auf 4,05 Prozent steigen, wie etwa das Deutsche Ärzteblatt berichtet.

Krankenkassen schlagen Alarm: „Bundesregierung muss sofort handeln“

Bereits jetzt sind die Zusatzbeiträge demnach Anfang 2025 im Schnitt auf 2,9 Prozent gestiegen – mehr als die erwartete Zunahme um 0,8 Punkte auf einen amtlichen Orientierungswert von 2,5 Prozent. Zum Gesamtbeitrag gehört daneben der allgemeine Satz von 14,6 Prozent.

Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse, sieht sich durch den BRH-Bericht bestätigt. Gegenüber inFranken.de erklärte er: „Der Bericht des Bundesrechnungshofs bestätigt die dramatische Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben ist massiv und wächst immer weiter. Die Bundesregierung muss sofort handeln, um diese Kostenspirale zu stoppen.“

Ohne sofortige Reformen der Merz-Regierung droht Versicherten beispiellose Beitragswelle.

Forderungen nach schnellen Reformen: Es drohen „fast 750 Euro mehr pro Jahr“ für Mitglieder

Die TK habe bereits einen 10-Punkte-Sparplan vorgelegt, der kurzfristig Entlastung bringen soll. Baas nennt konkrete Zahlen: „Allein im Bereich Arzneimittel könnten kurzfristig rund drei Milliarden Euro eingespart werden.“ Doch die Politik zögere zu lange mit den notwendigen Reformen, kritisiert der TK-Chef.

Paula Piechotta, Grünen-Politikerin im Haushaltsausschuss, rechnete laut Bericht des Deutsche Ärzteblatts vor, was auf die Versicherten der Krankenkassen bei ihren Beiträgen zukommt. Bei einem Beitragssatz von 18,65 Prozent bedeute das: „Das sind bei einem Monatsgehalt von 4000 Euro mal eben allein für die Krankenversicherung fast 750 Euro mehr pro Jahr im Vergleich zu heute.“

Krankenkassen werden teurer: Merz-Regierung schiebt notwendige Schritte „auf die lange Bank“

Auch die Grünen-Politikerin kritisiert die aktuelle Regierung daher scharf. Der Rechnungshof zerreiße mit seinem Schreiben den Plan von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU), mit den Reformen noch länger zu warten, in der Luft

Der BRH wirft der Merz-Regierung vor, notwendige Schritte „auf die lange Bank“ zu schieben. Statt zu handeln, plane die Regierung eine Expertenkommission – während die Kosten weiter explodieren. Die Rechnungsprüfer beklagen insbesondere eine Nachgiebigkeit der Politik und die Abschaffung kostendämpfender Regelungen.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Merz muss handeln: Finanzielle Situation der Krankenkassen braucht Stabilisierung

Die demografische Entwicklung verschärft das Problem zusätzlich. Eine alternde Bevölkerung bedeutet höhere Ausgaben bei gleichzeitig sinkenden Einnahmen, wenn die Babyboomer in Rente gehen. Neben ohnehin wachsenden Ausgaben sind mit Renteneintritt der Versicherten geringere Einnahmen zu erwarten.

Der GKV-Spitzenverband fordert ein sofortiges Ausgabenmoratorium für alle Leistungsbereiche. Nur so lasse sich der Beitragsanstieg stoppen. Die Zeit drängt – jeder Monat ohne Reform koste die Versicherten Millionen. Der Bundesrechnungshof verlangt ausgabenseitige Maßnahmen, die kurzfristig die finanzielle Situation der gesetzlichen Krankenversicherung stabilisieren. (nana)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Chris Emil Janssen

Kommentare