Steigende Preise zur Bekämpfung

Massentourismus wird in Kroatien zum Problem: Droht der Adria das Mallorca-Schicksal?

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Dubrovnik ist ganzjährig ein beliebtes Reiseziel.
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Kroatien will nachhaltigen Tourismus, scheitert aber an der Umsetzung. Das Land leidet an und lebt von Massentourismus.

Frankfurt - „Wir sollten kein Land des Massentourismus sein“, begründet der Kroatiens neuer Tourismusminister Tonci Glavina sein Plädoyer für einen „nachhaltigen Tourismus“. Der Fremdenverkehr dürfe der Bevölkerung „nicht mehr Lasten als Nutzen“ bescheren: „Wir müssen darum jetzt handeln, damit uns in drei bis fünf Jahren nicht dieselben Probleme wie Mallorca plagen.“

Neu ist die Botschaft nicht. Und auch die ebenso widersprüchliche wie hapernde Umsetzung der hehren Absichten wirkt vertraut: Spätestens wenn die Hochsaison naht, setzen Kroatiens Fremdenverkehrsstrategen genauso wie die Küstenkommunen und Adria-Gastronomen konsequent auf ihr bewährtes Rezept: steigende Gäste- und Umsatzzahlen bei anziehenden Preisen.

Tourismus in Kroatien macht ein Fünftel des BIP aus

Zwar beteuert Minister Glavina, dass ihm vor allem an Zuwächsen in der Vor- und Nachsaison gelegen sei und die Zahl der Übernachtungen im Hochsommer ruhig „etwas geringer“ ausfallen könnten. Doch trotz ähnlicher Verlautbarungen seiner Vorgänger hat sich die Zahl der Touristinnen und Touristen seit 2010 nahezu verdoppelt.

Knapp 20 Millionen Menschen reisen jedes Jahr nach Kroatien. Der Tourismus macht ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts aus. Zwar steigen die Besucherzahlen in der Vorsaison. Doch 55 Prozent ihrer Umsätze erwirtschaftet die Branche noch immer in zwei Monaten: Juli und August. Überdimensionierte Bettenburgen wie auf Mallorca oder auf Gran Canaria sind an Kroatiens Küste zwar kaum zu finden. Doch auch in diesem Sommer werden von Rovinj bis Dubrovnik Herbergen ausgebucht und das Gedränge in Altstadtgassen und Stränden dicht sein.

Ungeachtet aller Nachhaltigkeitsappelle wird in Kroatien mit einem Rekordsommer gerechnet. Schon 2023 vermeldete der Küstenstaat trotz kräftiger Preissprünge nach der Euro-Einführung mit 92,4 Millionen mehr Übernachtungen als im bisherigen Rekordjahr 2019.

Preise für den Urlaub in Kroatien steigen an

Das Preisniveau liegt unter dem in Italien, aber über dem in Spanien, Griechenland oder Portugal. Obwohl Kroatien am Mittelmeer nicht mehr zur Riege der Billigurlaubsländer wie Albanien, Bulgarien oder der Türkei zählt, ist es ungebrochen populär.

Allenfalls mit kräftig erhöhten Preisen lenkt das stark vom Fremdenverkehr abhängige Land einen Teil der im Hochsommer einfallenden Touristenmassen von der teueren Haupt- in die günstigere Nebensaison um: Schon im ersten Quartal des Jahres hat Kroatien die höchsten Besucherzuwächse in der EU nach Zypern vermeldet.

Ansonsten beschränkt sich Zagreb auf Appelle an Kommunen und Gastronomen, mit den Ressourcen des Landes „verantwortlich“ umzugehen. Wie das aussieht, ist in Dubrovnik zu sehen. Seit Jahren gibt es dort immer neue Aktionspläne für einen nachhaltigen Tourismus, aber die Altstadt platzt aus allen Nähten. In Medien wird bereits über die Einführung von Eintrittskarten für die Altstadt von Dubrovnik diskutiert.

Einheimische wandern aus: Massentourismus wird zur Belastung

Die Menschen an Kroatiens Küstenregionen plagen ähnliche Probleme wie die ihrer Leidensgenossen in Andalusien, auf Mallorca oder Gran Canaria. Trotz des Bevölkerungsschwunds sind bezahlbare Wohnungen für junge Familien kaum zu finden, weil sie als Ferienappartements genutzt werden. Die steigenden Lebenshaltungskosten beschleunigen die Abwanderung. Wegen fehlender Saisonkräfte und des kräftig angezogenen Bedarfs werden ausländische Gäste zunehmend von ausländischen Arbeitsmigranten aus Billiglohnländern bedient.

Über die Notwendigkeit eines nachhaltigen Fremdenverkehrs wird seit Jahren gesprochen. Doch hinter der ausbleibenden Umsetzung wittern Kritiker auch System. Nur „auf dem Papier“ werde in Kroatien der Nachhaltigkeit gehuldigt, konstatiert das Portal „dnevnik.hr“: „Es gibt keinen echten politischen Willen für den Kampf gegen den ausufernden Tourismus.“

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