Wohnwagen statt Wohnung

„Das ist kein gutes Leben“: Mallorca für Einheimische zunehmend unbezahlbar

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Die Einheimischen Mallorcas wollen Urlauberinnen und Urlaubern Hausverbot auf der Insel erteilen. Viele können sich das Leben dort nicht mehr leisten – wegen des Tourismus.

Palma – Touristinnen und Touristen sind den Einheimischen Mallorcas zunehmend ein Dorn im Auge. Denn die mehr als zehn Millionen Urlauberinnen und Urlauber, die jedes Jahr die Insel besuchen, spülen zwar Geld in die Kassen der Insel. Sie sorgen aber auch für Müll, Umweltverschmutzung und machen das Leben für die Bevölkerung auf der Insel zunehmend unbezahlbar. Einer der Bewohner ist José de las Heras. In einem Tagesthemen-Beitrag gab er einen Einblick in sein Leben.

Der pensionierter Busfahrer lebt in einem Wohnwagen. Eine Wohnung kann er sich nicht leisten. „Das ist kein gutes Leben“, sagt Heras resigniert. Eine Aussage, der immer mehr Bewohnerinnen und Bewohner zustimmen.

Leben auf Mallorca für Einheimische zunehmend unbezahlbar

Um die steigende Anzahl an Urlauberinnen und Urlaubern unterzubringen, braucht es auch immer mehr Hotels, Ferienwohnungen und anderen Unterkünften – was wiederum den Wohnraum für die Einheimischen verringert und verteuert. Hinzu kommen höhere Preise für Lebensmittel und andere Güter sowie eine zunehmende Umweltzerstörung durch die Touristinnen und Touristen.

Die Naturschutzorganisation Asociación Tinerfeña de Amigos de la Naturaleza (ATAN) bezeichnete die Situation auf der Insel laut CNN als „ökologischen und sozialen Zusammenbruch“. Dazu zählen auch die Party-Exzesse am Ballermann, die zunehmend unterbunden werden.

Den Mallorquinerinnen und Mallorquinern wird es zu bunt. Sie wollen den Touristen auf ihrer Insel Hausverbot erteilen oder die Besucherzahlen zumindest drastisch einschränken.

Nun reicht es den Einheimischen. Mit Plakaten wie „Touristen, geht heim!“ und „Mallorca steht nicht zum Verkauf!“ demonstrierten die Einwohnerinnen und Einwohner etwa Ende Mai gegen den Massentourismus und seine Auswirkungen. Selbst der Maklerverband Abini, der von den hohen Immobilienpreisen profitiert, äußerte seine Solidarität mit den Demonstrierenden und bezeichnete den Massentourismus auf der Insel als „unhaltbar“.

„Touristen, geht heim!“ – Einheimische Mallorcas protestieren gegen Massentourismus

Dieser Protest war keine Einzelaktion. In den letzten Monaten gab es immer wieder Kundgebungen dieser Art – auch auf den Kanaren. Die Mallorquinerinnen und Mallorquiner fordern eine Beschränkung des Tourismus. „Es ist an der Zeit, ein Umdenken zu fordern“, so die Umweltschutzorganisation Ecologists in Action gegenüber CNN anlässlich einer Demonstration im April 2024.

Ob diese Proteste Wirkung zeigen, bleibt abzuwarten. Allerdings sehen sich immer mehr Reiseziele gezwungen, strenge Regeln für Touristinnen und Touristen sowie die Tourismusindustrie einzuführen. So verlangen die italienischen Cinque Terre inzwischen Eintritt für Wanderwege und machen zur Hauptsaison Zugtickets für Urlauberinnen und Urlauber teurer. Und auch für die Lagunenstadt Venedig wird inzwischen Eintritt fällig. (sp)

Rubriklistenbild: © Clara Margais/dpa

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