2016 eingestellt

Nachtzüge der Deutschen Bahn: Wie sie aussahen – und warum sie nicht mehr fahren

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Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2016 wurde das Nachtzuggeschäft der Deutschen Bahn eingestellt. Wie es dazu kam und wie die Nachtzüge früher aussahen.

Köln – „Ausgeschlafene Reisen nachts“: Mit diesen Worten warb die Deutsche Bahn um Kunden für ihre Nachtzugangebote. Mittlerweile sind derartige Broschüren und Werbematerialien eine Rarität, ein Relikt der Vergangenheit: 2016 stellte die DB den Nachtzugbetrieb ein, der zuletzt den Titel City Night Line (CNL) trug.

Wann es die ersten Nachtzüge in Deutschland gab

Ein Schlafwagen eines City Night Line-Zuges. (Bild aus dem Jahr 2007)

Ursprünglich waren Nachtzüge mal ein Luxusversprechen des Reiseverkehrs. Um 1830 wurden in den USA die ersten Schlafwagen gebaut, in Deutschland wurden 1852 die ersten Nachtzüge angeboten – nur 17 Jahre nach Beginn des regulären Eisenbahnbetriebs in Deutschland, wie die Webseite Nachtzug-Planer angibt. Vor allem bürgerliche und adelige Schichten nutzten das komfortable Reisen bei Nacht.

Bis Dezember 2016 warb die Bahn noch damit, dass Ausgeschlafene nachts reisen – danach war Schluss mit Nachtzügen

Mit der Zeit des Wirtschaftswunders in den 1950ern wurden Urlaubsreisen in der BRD immer populärer. Obwohl viele Deutsche Autos kauften, um zu beliebten Reisezielen vor allem in Italien und Spanien zu kommen, waren auch Nachtzüge ein beliebtes Verkehrsmittel für all jene Urlauber, die kein Auto hatten oder es nicht für Fahrt nutzen zu wollen.

Unter den Namen „City Night Line“ fuhren zuletzt Nachtzüge der Deutschen Bahn

Wie der DB Nachtzug ausgestattet war

Aufbruchsstimmung: So stolz präsentierte die Bahn die Schlafabteile im modernisierten DB Nachtzug im April 1999

Über Jahre hinweg gab es verschiedene Nachtzuglinien in Deutschland, darunter etwa den EuroCity-Nacht. Dieser war Teil des EC-Netzes, das 1987 von der Staatsbahnen der EG, Österreichs und der Schweiz gegründet wurde. 1993 wurde daraus die Zuggattung Euronight, die es heute noch gibt und vor allem von den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) betrieben wird. Die ÖBB stellten jüngst das Design der neuen Generation des Nightjet vor. Eine Nachtzugmarke, die ebenfalls von den ÖBB betrieben wird.

Die DB setzte von den 1990ern an auf Vereinheitlichung des Angebots und führte 1999 die Marke „DB Nachtzug“ ein. Diese sollte für ein einheitliches Qualitäts- und Servicekonzept stehen. Vom Mai jenes Jahres an wurden auf zehn Strecken zunächst modernisierte Nachtzüge angeboten, um das Reisen im Schlaf attraktiver zu machen.

Auf Bildern aus dieser Zeit kann man sehen, wie die Nachtzüge damals aussahen. Abteile mit einem oder zwei Betten an der Wand, ein Klapptisch sowie ein oder zwei Sitzgelegenheiten. Gerade zu Beginn des neuen Jahrtausends, als Laptops zunehmend populärer wurden, waren die Klapptische ein wichtiges Versprechen, dass Reisende an den Geräten bequem arbeiten oder Freizeitaktivitäten nachgehen konnten auf den langen Nachtfahrten.

Welche Wagentypen es in den City-Night-Line-Zügen der Deutschen Bahn gab

So sah das Abteil des Schlafwagens eines Nachtzugs der Deutschen Bahn im Jahr 2003 aus

Bereits 1999 war CityNightLine (CNL) zu einer hundertprozentigen Tochter der DB geworden. CNL war ursprünglich ein Gemeinschaftsunternehmen der DB, der ÖBB und der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), weshalb das Unternehmen auch nach der DB-Übernahme seinen Sitz in Zürich behielt. Zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2002 wurde das Nachtzugangebot der Deutschen Bahn auf 20 Züge ausgebaut. City Night Line führte als neues Produkt die bisherigen Angebote CityNightLine, DB Nachtzug und UrlaubsExpress zusammen.

Die CNL-Züge boten verschiedene Komfortvarianten. Wer preisgünstiger reisen wollte, schlief im Ruhesessel im Großraumwagen. Liege- und Schlafwagen boten dagegen bequemere Nachtruhe, fürs leibliche Wohl sorgte der Speisewagen. Hinzu kam ein spezielles Abteil für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. Die angebotenen Schlafwagen wurden speziell für City Night Line entwickelt. Dort gab es meist zwei, manchmal drei Betten pro Abteil, ebenso wie einen Laptop-Anschluss und eine Waschgelegenheit. In der Deluxe-Ausführung eines Abteils kamen eine eigene Dusche und ein eigenes WC hinzu; alle anderen mussten gemeinschaftliche Duschen und WCs auf dem Gang nutzen.

Warum die Deutsche Bahn den Betrieb von Nachtzügen einstellte

Ein typisches Frühstückstablett im DB Nachtzug

Die Konkurrenz durch Billigflieger machte die Nachtzüge jedoch zunehmend unwirtschaftlicher. Nach Bahn-Angaben machte CNL gegen Ende Verluste von 31 Millionen Euro pro Jahr. Auch das Alter der Züge und der daraus resultierende Investitionsbedarf wurden als Gründe zitiert, als die Deutsche Bahn erst immer mehr Verbindungen einstellte, ehe im Dezember 2016 das endgültige Aus für die deutschen Nachtzüge anstand.

Dagegen regte sich Protest. Ein Bündnis namens „Bahn für alle“ aus 19 Organisationen wie Attac, NaturFreunde Deutschlands und ver.di ließ von Eisenbahnfachleuten ein Nachtzug-Konzept mit dem Titel „LunaLiner“ ausarbeiten, das profitabel bleiben sollte und mit dem Zugbestand der DB auf 17 Hauptstrecken ein Netzwerk zu Reisezielen wie Stockholm, Paris, Amsterdam, Rom und Warschau verbinden sollte. Auch Kunden protestierten gegen die Einstellung, ebenso wie Umweltschützer. Für den Klimaschutz war die Einstellung des Nachtzugverkehrs zugunsten von Billigfliegern ein Rückschlag. Letzten Endes wurde jedoch vergeblich protestiert; zum Fahrplanwechsel im Dezember 2016 wurden CNL-Nachtzüge eingestellt.

Welche Nachtzüge heute fahren – und Deutschland mit Europa verbinden

Mit dem CNL-Aus schlug die Stunde der ÖBB, die viele der Wagen aus dem DB-Bestand übernahm und für ihre eigenen Produkte Nightjet und EuroNight weiterverwendeten. Die ÖBB bieten auch heutzutage einen Großteil jener Nachtzüge, die in Deutschland halten, an.

Das Bündnis „Bahn für alle“ setzt sich dagegen weiter für Nachtzüge ein, stellt auf seiner Homepage Zukunftspläne, Studien und Konzeptpapiere für das Projekt „Nachtzüge für alle“ vor. Neben den ÖBB sind es derzeit vor allem private Anbieter, die auf Nachtzüge setzen. Das Reiseunternehmen TUI etwa bietet TUI City Express von Amsterdam über Deutschland nach Prag gemeinsam mit der niederländischen Reisegesellschaft GreenCityTrip. In den Wintermonaten betreibt das deutsche Unternehmen den TUI Ski Express, der Wintersportler nach Österreich bringt. Das niederländische Start-Up European Sleeper bietet den Goodnight Train zwischen Berlin und Amsterdam an, der 2024 bis nach Prag verlängert werden soll. Aus Schweden kommen sowohl der private Anbieter Snälltåget mit dem Berlin City Express als auch die Staatsbahn, die den SJ EuroNight anbietet. Beide Unternehmen verbinden Berlin und Hamburg mit Stockholm. (nbo) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Düsseldorf und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Rubriklistenbild: © Hohlfeld/imago

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