„Man spürt keinen Puls mehr“: Bei Traditionsunternehmen erlöschen nach über 200 Jahren die Lichter ganz
VonJulian Baumann
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Die traditionsreiche Großdruckerei Ebner & Spiegel hatte im April Insolvenz eingereicht. Nun verstummte auch die letzte Maschine und über 200 Mitarbeiter blicken in eine ungewisse Zukunft.
Im März hatte CPI Deutschland, das Mutterunternehmen der beiden Ulmer Druckereien Ebner & Spiegel und CPI Ulmer Buch Service, erklärt, dass die Fortführung des Betriebs aufgrund von „sinkenden Produktionsvolumen am Standort Ulm in Verbindung mit steigenden Stückkosten“ nicht mehr tragbar sei. Wie die Augsburger Allgemeine aktuell berichtet, hat sich inzwischen selbst die letzte Hoffnung auf eine Rettung zerschlagen und das Traditionsunternehmen aus Baden-Württemberg stellt endgültig den Betrieb ein.
Ebner & Spiegel in Ulm: Letzte Maschine verstummte in der Nacht auf Freitag – „alles leer, niemand mehr da“
Die Buchdruckerei Ebner & Spiegel geht auf die im Jahr 1817 gegründete J. Ebner‘sche Buchhandlung und Buchdruckerei und die im Jahr 1930 gegründete Franz Spiegel GmbH zurück. Nachdem die französische CPI-Gruppe im Jahr 2001 die vollständigen Anteile an der Großdruckerei von der Stuttgarter Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck erworben hatte, fungierte das Unternehmen als CPI Ebner & Spiegel GmbH. Da weder ein Käufer für das insolvente Unternehmen gefunden werden konnte, noch sich die angekündigte Umwandlung des Standorts in einen digitalen Druckbetrieb bewahrheitet, gehen die Lichter ganz aus.
Name
CPI Ebner & Spiegel GmbH
Gründung
1817 (Vorgängerunternehmen)
Sitz
Ulm, Baden-Württemberg
Branche
Buchdruck, Dienstleistung
Mitarbeiter
178
Umsatz
14,97 Millionen Euro
Laut der Augsburger Allgemeinen lief in der Nacht auf Freitag (26. auf 27. Juni) der letzte Druckbogen durch die Maschine. „Nochmal durch die Hallen gelaufen, man spürt keinen Puls mehr von Ebner und Spiegel“, führte der Betriebsratschef Christian Clement aus. „Alles leer, niemand mehr da – alle Maschinen aus, das einzige Geräusch kommt vom Kaffeeautomaten.“ Damit endet in der baden-württembergischen Donaustadt an der Grenze zu Bayern die Geschichte von einem der größten Buchdruckbetriebe des Landes.
Ende von Ebner & Spiegel: Mehr als 200 Mitarbeiter bei Traditions-Druckerei betroffen
Gemeinsam mit der deutlich kleineren Tochter CPI Ulmer Buch Service sind mehr als 200 Mitarbeiter von der Schließung des Ulmer Traditionsunternehmens betroffen, die demnach vor einer unsicheren Zukunft stehen. Obwohl CPI Deutschland wie bereits erwähnt das sinkende Produktionsvolumen in Verbindung mit steigenden Kosten als Grund für die Insolvenz – und in Konsequenz damit für die letztendliche Schließung – anführte, hat offenbar auch der französische Mutterkonzern seinen Teil beigetragen.
CPI hatte die beiden Ulmer Druckereien im Jahr 2002 zur heutigen CPI Ebner & Spiegel GmbH fusioniert und im Zuge dessen 13 Millionen Euro in die Modernisierung des Betriebs investiert. Der Augsburger Allgemeinen zufolge hat das Unternehmen in den folgenden Jahren Maschinen und Aufträge aus Ulm abgezogen und an andere CPI-Standorte verlagert und zudem Personal reduziert. Erst vor wenigen Tagen wurde außerdem bekannt, dass ein traditionsreiches Familienunternehmen nach der Insolvenz seinen Stammsitz schließen und die Belegschaft entlassen muss.