Keine Rettung möglich

Nach Insolvenz: Deutsches Familienunternehmen schließt Stammsitz und entlässt gesamte Belegschaft

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Das traditionsreiche Familienunternehmen Menrad reichte Ende März Insolvenz ein. Mittlerweile ist sicher, dass es für den Stammsitz und die 100 dort arbeitenden Mitarbeiter keine Zukunft gibt.

Schwäbisch Gmünd – In den vergangenen Monaten gab es in Deutschland aufgrund der Wirtschaftslage nicht nur ungewöhnlich viele Insolvenzanmeldungen, sondern auch immer wieder Fälle, in denen die Unternehmen nicht erfolgreich saniert werden konnten. Beispielsweise musste die traditionsreiche Familienmetzgerei Kübler nach der Insolvenz endgültig aufgeben, und auch im Falle des Brillenherstellers Menrad gibt es nun traurige Gewissheit. Das familiengeführte Traditionsunternehmen aus Schwäbisch Gmünd hatte am 31. März am Amtsgericht Aalen Insolvenz angemeldet.

Diese 12 bekannten Unternehmen aus Baden-Württemberg gibt es nicht mehr

Eine Schlecker-Filiale im Jahr 2001.
Wer erinnert sich noch an Schlecker? Die Drogeriekette aus Ehningen (Donau) galt in der Hochphase als größte in ganz Europa.  © IMAGO/Enters
Eine ehemalige Schlecker-Filiale in Hamburg-St. Pauli.
Nach der Insolvenzanmeldung 2012 wurde die Kette zerschlagen und alle noch bestehenden Schlecker-Filialen geschlossen. © IMAGO/Jürgen Ritter
Der frühere Chef der Firma FlowTex, Manfred Schmider, sitzt am 14.01.2013 in Mannheim (Baden-Württemberg) im Gerichtssaal des Landgerichts.
Die Schlecker-Insolvenz schlug hohe Wellen und so auch der Skandal um die Firma Flowtex aus Ettlingen.  © Uwe Anspach/dpa
Akten zum FlowTex-Betrugsskandal stehen am Dienstag (26.07.2005) vor Beginn der Urteilsverkündung in einem Verhandlungssaal des Karlsruher Landgerichts.
Flowtex handelte auf betrügerische Weise mit Maschinen und verursachte einen Milliardenschaden. Im Jahr 2000 wurde die Firma aufgelöst. © Uli Deck/dpa
Jacken hängen an einer Kleiderstange.
Skandale und Insolvenzen sind aber nicht die einzigen Gründe für das Verschwinden von Unternehmen. (Symbolfoto) © IMAGO/Michael Bihlmayer
Verschiedene Dornier-Flugzeuge stehen am Dienstag (01.07.2009) im Dorniermuseum in Friedrichshafen am Bodensee.
Die Friedrichshafener Dornier-Werke wurden beispielsweise zum Teil in die EADS (heute Airbus SE) integriert.  © Patrick Seeger/dpa
Blick auf den Standort von Airbus Defence and Space in Immenstaad am Bodensee (Aufnahme mit Drohne).
Die militärische Luftfahrt, Raumfahrt, Wehr- und Systemtechnik von Dornier ist heute Teil von Airbus Defence and Space. © Felix Kästle/dpa
Die Feuerwehr-Geräte-Fabrik C. D. Magirus in Ulm (Ausschnitt aus einem Briefkopf)
Die Feuerwehr-Geräte und Nutzfahrzeugfabrik Magirus in Ulm wurde 1949 von Deutz übernommen und gehört heute zu Iveco.  © Stadtarchiv Ditzingen
Fahnen wehen am 20.03.2014 in Köln (Nordrhein-Westfalen) vor dem Eingang des Motorenwerkes der Deutz AG.
Der Kölner Motorenbauer Deutz trägt bis heute das Logo von Magirus, ein als Silhouette des Ulmer Münsters stilisiertes M.  © Henning Kaiser/dpa
Die von Heinrich Siegle gegründete Farbenfabrik G. Siegle & Co. in Stuttgart um 1865.
Die bedeutende Stuttgarter Farbenfabrik G. Siegle & Co. GmbH fusionierte 1873 mit der BASF.  © Gemeinfrei
Das Firmenlogo vor der Hauptverwaltung des Mobilfunk-Zwischenhändlers Debitel in Stuttgart-Vaihingen (Archivfoto).
Die Stuttgarter Debitel AG ist seit 2008 Teil der Freenet AG. Das ursprüngliche Unternehmen wurde 2011 aufgelöst.  © Bernd Weißbrod/dpa
Die Schokoladenfabrik von Roth in der Bahnhofstraße in Stuttgart (heute Heilbronner Straße) im Jahr 1895 als Abbildung auf einem Briefkopf.
Apropos Stuttgart. Die Landeshauptstadt galt mit Unternehmen wie Roth (1841-1942) einst als bedeutende Schokohochburg.  © gemeinfrei
Schokolade der Marke Moser-Roth, die von Aldi vertrieben werden.
Die Handelsmarke Moser-Roth besteht bis heute, das ursprüngliche Unternehmen wurde aber 1942 aus politischen Gründen stillgelegt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Frontansicht des ehemaligen Eszet-Werkgebäudes in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 2012.
Eine weitere bedeutende Schokoladenfabrik in Stuttgart war die Firma Eszet - Staengel & Ziller (1857-1975).  © Stephan Klage/Wikipedia/CC BY-SA 3.0
Eszet Schnitten in verschiedenen Geschmackrichtungen.
Das bekannteste Produkt, die Eszet-Schnitten, werden bis heute von Stollwerck hergestellt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Ritter Sport Schokolade Schokoladentafel.
Von den Stuttgarter Schokoladenherstellern existiert heute nur noch Alfred Ritter, mit der Marke Ritter Sport.  © IMAGO/Markus Mainka
Luftbild, aus einem Flugzeug aufgenommen, vom der Innenstadt von Karlsruhe mit dem Schloss.
Nicht süß, aber nahrhaft war das ungesäuerte Brot, das die Matzenfabrik Strauss von 1863 bis 1936 in Karlsruhe herstellte.  © Uli Deck/dpa
Hinweisschild verweist im Karlsruher Stadtteil Neureut auf den früheren Standort der Matzenfabrik Strauß.
Die Firmengeschichte endete 1936, weil der letzte Besitzer, Semy Strauß, aufgrund der Bedrohung durch die Nationalsozialisten nach Palästina emigrierte.  © Chrischerf/Wikipedia/CC BY-SA 4.0
Porsche-Gründer Ferdinand Porsche in einem Sportwagen des Stuttgarter Autobauers.
Eine andere Firmengeschichte begann dagegen erst, weil die Nationalsozialisten von Ferdinand Porsche neben einem „Volkswagen“ auch einen „Volkstraktor“ wollten.  © Porsche/dpa
Ein Porsche-Traktor mit ZF-Getriebe in der historischen Sammlung der ZF Friedrichshafen AG.
Die Porsche-Diesel-Motorenbau GmbH stellte von 1956 bis 1963 in Friedrichshafen-Manzell Traktoren mit Dieselmotor her.  © Felix Kästle/dpa
Das Logo der Luxusautomobilmarke Maybach.
Mythos Maybach: Das ursprüngliche Unternehmen existierte von 1909 bis 1966. Erst in Bissingen (Enz), dann in Friedrichshafen.  © IMAGO/Mollenhauer
Maybach-Motorenproduktion im Daimler-Benz-Werk in Berline-Marienfelde.
1960 übernahm Daimler-Benz die Firma Maybach und vereinigte sie mit dem konzerneigenen Großmotorenbau.  © IMAGO/Eventpress Herrmann
Das Logo der MTU ist auf einer Zylinderkopfabdeckung der MTU-Baureihe 2000 angebracht, die gerade zusammenmontiert wird.
Seit 1969 ist die frühere Maybach-Motorenbau GmbH als MTU Friedrichshafen die Kernmarke von Rolls-Royce Power Systems.  © Felix Kästle/dpa
Der neue Mercedes-Maybach SL Monogram Series.
2002 reaktivierte DaimlerChrysler die Marke Maybach. Die Tradition wird seit 2014 unter der Marke Mercedes-Maybach fortgesetzt.  © Mercedes-Benz AG Communications
Das Logo des Autozulieferers Allgaier ist an einem Gebäude am Unternehmessitz zu sehen.
Der traditionsreiche Autozulieferer Allgaier Automotive soll nach einer Insolvenz Ende 2025 geschlossen werden.  © Marijan Murat/dpa

Als Grund für die Insolvenz des bereits 1896 gegründeten Unternehmens, das neben dem Hauptsitz in Schwäbisch Gmünd (Baden-Württemberg) auch einen Standort in München betreibt, wurden Liquiditätsprobleme aufgrund von rückläufigen Auftrags- und Umsatzentwicklungen in einem zunehmend schwierigen Marktumfeld angegeben. Insolvenzverwalter Florian Zistler von der Kanzlei PLUTA hatte angekündigt, alles zu versuchen, um eine erfolgreiche Sanierung zu ermöglichen. Das ist zumindest für den Stammsitz nicht gelungen.

Menrad-Insolvenz: Erfolglose Investorensuche resultiert in Standort-Schließung und Kündigungen

Aus einer Mitteilung von PLUTA geht hervor, dass die 100 Mitarbeiter der Ferdinand Menrad GmbH + Co. KG in Schwäbisch Gmünd am Dienstag (28. Mai) über das Ende des Standortes informiert wurden. „Der Standort in Schwäbisch Gmünd muss geschlossen werden, da kein Investor den gesamten Betrieb übernehmen will“, heißt es dort. „Hintergrund sind die hohen Kosten des Unternehmens.“ Die Mitarbeiter, die in den vergangenen Monaten über das Insolvenzgeld ihre Löhne erhalten hatten, müssen gekündigt werden. Für 10 Mitarbeiter im Außendienst des Unternehmens zeichnet sich dagegen eine Übernahmemöglichkeit ab.

Name Ferdinand Menrad GmbH + Co. KG
Gründung 1896
SitzSchwäbisch Gmünd, Baden-Württemberg
Branche Eyewear
Mitarbeiter 250 weltweit, davon 115 am Stammsitz
Standorte Schwäbisch Gmünd (Verwaltung, Vertrieb, Logistik), München (Produktdesign, Export- und Marketing) + Vertriebsgesellschaften in mehreren Ländern
Partnerschaften (Brands) Joop, Ted Baker, Scotch & Soda, Hackett und weitere

Dass der Stammsitz von Menrad geschlossen werden muss und die 100 Mitarbeiter auf einen Schlag die Kündigung erhalten, liegt an einer massiven Finanzierungslücke, wie Insolvenzverwalter Zistler erklärt. Demnach ist das Familienunternehmen selbst nicht in der Lage, nach Ablauf der drei Monate die Gehälter der Mitarbeiter wieder selbst zu bezahlen. „Da kein Investor den gesamten Betrieb übernehmen möchte, ist die Betriebseinstellung des Standorts in Schwäbisch Gmünd leider die einzige Option“, erklärt der Anwalt. Ein Sozialplan soll die Auswirkungen für die Beschäftigten abfedern.

Der Stammsitz des Traditionsunternehmen Menrad in Schwäbisch Gmünd wird geschlossen und den 100 Mitarbeitern gekündigt.

Marke Menrad soll erhalten werden – Gespräche laufen

Dass der Menrad-Hauptsitz in Schwäbisch Gmünd nach über 115 Jahren schließt, ist ein weiterer herber Rückschlag für die größte Stadt im Remstal. Anfang 2024 hatte nämlich der traditionsreiche Spielwarenhersteller Schleich angekündigt, seinen Stammsitz von Schwäbisch Gmünd nach München zu verlagern. Nach erheblichem Protest bleibt aber immerhin ein Teil des Unternehmens in der Stadt. Im Fall von Menrad soll dagegen zumindest die traditionsreiche Marke bewahrt werden, für die derzeit weiterhin Übernahmegespräche laufen.

Rubriklistenbild: © Imago/Werner Dieterich

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