Nach Insolvenz: Deutsches Familienunternehmen schließt Stammsitz und entlässt gesamte Belegschaft
VonJulian Baumann
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Das traditionsreiche Familienunternehmen Menrad reichte Ende März Insolvenz ein. Mittlerweile ist sicher, dass es für den Stammsitz und die 100 dort arbeitenden Mitarbeiter keine Zukunft gibt.
Als Grund für die Insolvenz des bereits 1896 gegründeten Unternehmens, das neben dem Hauptsitz in Schwäbisch Gmünd (Baden-Württemberg) auch einen Standort in München betreibt, wurden Liquiditätsprobleme aufgrund von rückläufigen Auftrags- und Umsatzentwicklungen in einem zunehmend schwierigen Marktumfeld angegeben. Insolvenzverwalter Florian Zistler von der Kanzlei PLUTA hatte angekündigt, alles zu versuchen, um eine erfolgreiche Sanierung zu ermöglichen. Das ist zumindest für den Stammsitz nicht gelungen.
Menrad-Insolvenz: Erfolglose Investorensuche resultiert in Standort-Schließung und Kündigungen
Aus einer Mitteilung von PLUTA geht hervor, dass die 100 Mitarbeiter der Ferdinand Menrad GmbH + Co. KG in Schwäbisch Gmünd am Dienstag (28. Mai) über das Ende des Standortes informiert wurden. „Der Standort in Schwäbisch Gmünd muss geschlossen werden, da kein Investor den gesamten Betrieb übernehmen will“, heißt es dort. „Hintergrund sind die hohen Kosten des Unternehmens.“ Die Mitarbeiter, die in den vergangenen Monaten über das Insolvenzgeld ihre Löhne erhalten hatten, müssen gekündigt werden. Für 10 Mitarbeiter im Außendienst des Unternehmens zeichnet sich dagegen eine Übernahmemöglichkeit ab.
Name
Ferdinand Menrad GmbH + Co. KG
Gründung
1896
Sitz
Schwäbisch Gmünd, Baden-Württemberg
Branche
Eyewear
Mitarbeiter
250 weltweit, davon 115 am Stammsitz
Standorte
Schwäbisch Gmünd (Verwaltung, Vertrieb, Logistik), München (Produktdesign, Export- und Marketing) + Vertriebsgesellschaften in mehreren Ländern
Partnerschaften (Brands)
Joop, Ted Baker, Scotch & Soda, Hackett und weitere
Dass der Stammsitz von Menrad geschlossen werden muss und die 100 Mitarbeiter auf einen Schlag die Kündigung erhalten, liegt an einer massiven Finanzierungslücke, wie Insolvenzverwalter Zistler erklärt. Demnach ist das Familienunternehmen selbst nicht in der Lage, nach Ablauf der drei Monate die Gehälter der Mitarbeiter wieder selbst zu bezahlen. „Da kein Investor den gesamten Betrieb übernehmen möchte, ist die Betriebseinstellung des Standorts in Schwäbisch Gmünd leider die einzige Option“, erklärt der Anwalt. Ein Sozialplan soll die Auswirkungen für die Beschäftigten abfedern.
Marke Menrad soll erhalten werden – Gespräche laufen
Dass der Menrad-Hauptsitz in Schwäbisch Gmünd nach über 115 Jahren schließt, ist ein weiterer herber Rückschlag für die größte Stadt im Remstal. Anfang 2024 hatte nämlich der traditionsreiche Spielwarenhersteller Schleich angekündigt, seinen Stammsitz von Schwäbisch Gmünd nach München zu verlagern. Nach erheblichem Protest bleibt aber immerhin ein Teil des Unternehmens in der Stadt. Im Fall von Menrad soll dagegen zumindest die traditionsreiche Marke bewahrt werden, für die derzeit weiterhin Übernahmegespräche laufen.