Nach über 70 Jahren

Deutsche Maschinenfabrik ist nach Stellenabbau insolvent – Dutzende Mitarbeiter betroffen

  • schließen

Die Insolvenzwelle geht weiter und hat nun auch ein traditionsreiches Unternehmen vom Bodensee erreicht, das bereits in jüngerer Vergangenheit Personal abbauen musste.

Bermatingen - Die Anzahl an Firmenpleiten ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen, und auch im bisherigen Jahresverlauf stellt sich keine Besserung ein. Nachdem jüngst ein traditionsreicher Maschinenbauer als Folge eines Cyberangriffs Insolvenz anmelden musste, ist aktuell auch ein Nutzfahrzeughersteller aus der Bodenseeregion betroffen. Die Maschinenfabrik Bermatingen, mit Sitz in der gleichnamigen Gemeinde im Bodenseekreis (Baden-Württemberg), hatte im vergangenen Jahr noch ihr 70-jähriges Bestehen gefeiert, hat aber bereits seit einigen Jahren zu kämpfen.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Die heutige Maschinenfabrik Bermatingen geht auf Alfons Fleck zurück, der sich im Jahr 1954 eine Drehmaschine gekauft hatte, um für Firmen wie die ZF Friedrichshafen oder den Traktorbauer Porsche-Diesel im nahen Friedrichshafen Drehteile herzustellen. Daraus entstand ein Mittelständler, der sich auf die Herstellung von Mulchgeräten für die Land- und Forstwirtschaft spezialisiert hat. Weil der Agrarmarkt mit Problemen zu kämpfen hat, US-Marktführer John Deere hatte 2024 an einem deutschen Standort Kurzarbeit eingeführt, ist die Maschinenfabrik in die Insolvenz gerutscht.

Maschinenfabrik Bermatingen musste bereits Belegschaft massiv reduzieren

Der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ist bereits am 13. Januar beim Amtsgericht Konstanz eingegangen, wie die Maschinenfabrik Bermatingen jetzt gegenüber dem Südkurier bestätigte. In einer Mitteilung vom Freitag (7. Februar) erklärt das Familienunternehmen, dass die Schwierigkeiten des Agrarmarktes, die hohen Kosten sowie die Folgen der Corona-Pandemie eine Restrukturierung notwendig gemacht haben. Dabei wurde die Belegschaft des Mittelständlers in den vergangenen Jahren von ursprünglich 250 auf aktuell noch rund 100 Mitarbeiter reduziert. Da sich die Lage 2025 aller Voraussicht nach nicht bessern wird, ist diese laufende Restruktierung laut den Inhabern gefährdet.

Name MaBe GmbH & Co. KG (Maschinenfabrik Bermatingen)
Gründung 1954
Sitz Bermatingen, Baden-Württemberg
Branche Fahrzeugbau, Maschinenbau, Lasertechnik
Mitarbeiter 100 (2025)
Standbeine Maschinenfabrik, Laserzentrum

Mit der Einleitung eines Insolvenzverfahrens soll demnach die Zukunft der Maschinenfabrik Bermatingen, die lange Zeit als größter industrieller Arbeitgeber der Gemeinde galt, langfristig gesichert werden. Zum vorläufigen Sachverwalter wurde der Ravensburger Rechtsanwalt Matthias Rösch ernannt, der Geschäftsbetrieb soll allerdings in Eigenverwaltung des Unternehmens vollumfänglich fortgeführt werden, wie es in der Mitteilung heißt. Im Normalfall sind die Gehälter und Löhne der rund 100 Mitarbeiter für mindestens drei Monate durch das Insolvenzgeld gedeckt. Nähere Angaben zum weiteren Vorgehen wollte das Unternehmen allerdings nicht machen.

Die Maschinenfabrik Bermatingen will mit einem Sanierungsverfahren den Geschäftsbetrieb sichern.

Familienunternehmen aus der Bodenseeregion will mit Sanierungsverfahren raus aus der Krise

Die Maschinenfabrik Bermatingen war nicht nur der größte Arbeitgeber der Gemeinde im südlichen Baden-Württemberg, sondern auch für den Wohlstand des Ortes maßgeblich mitverantwortlich. Erst 2018 hatte das Unternehmen im Industriegebiet eine neue, moderne Firmenzentrale errichtet und die bisherige Produktionsfläche dadurch massiv erweitert. Durch die Restrukturierung ist die Belegschaft zwar deutlich reduziert worden, durch das Sanierungsverfahren soll es nach dem Tief für den Familienbetrieb aber wieder bergauf gehen. Aktuell zieht eine andere Insolvenz in der Bodenseeregion weite Kreise und führte unter anderem zur Schließung von mehreren Traditions-Gasthäusern.

Rubriklistenbild: © Maschinenfabrik Bermatingen

Kommentare