Hürden bei der Arbeitsuche

Bürgergeld-Studie deckt auf: Eine Maßnahme verbessert Chancen – doch Merz-Haushalt gefährdet Erfolg

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Bürgergeld-Beziehende sollen schnellstmöglich in Arbeit kommen. Doch viele kämpfen mit Hürden. Eine Maßnahme kann helfen – doch die Umsetzung droht zu scheitern.

Nürnberg/Berlin – Raus aus der Bedürftigkeit und der Abhängigkeit vom Bürgergeld: Für nahezu alle Leistungsbeziehenden ist das ein Ziel. Verschiedene Hürden, in der Fachsprache „Vermittlungshemmnisse“ genannt, erschweren den Weg in den passenden Job jedoch. Gerade für Menschen mit körperlichen oder psychischen Krankheiten ist die Arbeitsaufnahme schwierig.

Bundeskanzler Friedrich Merz will bei der Grundsicherung sparen – der Weg dorthin ist Vermittlung und Förderung.

In der Debatte innerhalb der Regierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) rund um das Bürgergeld und dessen Umbau zur neuen Grundsicherung finden diese Menschen selten statt. Höchstens als unbekannte Masse in der Zahl der erwerbslosen Bürgergeld-Beziehenden: Rund 1,8 Millionen sind es, die formell dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Doch gerade Langzeitarbeitslosen sammeln diese Vermittlungshemmnisse, die sich unattraktiv für Unternehmen machen. Studien haben bereits häufiger gezeigt, dass schon die Dauer der Arbeitslosigkeit und damit der fehlenden gesellschaftlichen Teilhabe zu gesundheitlichen Problemen führt. Die Probleme bedingen und verschlimmern sich gegenseitig.

Jobcenter können Coachings für Bürgergeld-Beziehende anbieten – auch Gesundheit als Thema

Das Teilhabechancengesetz des damaligen Arbeitsministers Hubertus Heil (SPD) sollte genau diesen Menschen helfen. Langzeiterwerbslose sollten an den Arbeitsmarkt und gesellschaftliche Teilhabe herangeführt werden. Die Maßnahmen verbinden geförderte Arbeitsverhältnisse mit direkten Coachings. Fachleute bescheinigen den Instrumenten eine positive Wirkung. Daran knüpft auch eine neue Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) an.

Die IAB-Forschenden haben das Instrument der „Teilhabe am Arbeitsmarkt“, bei dem die Jobcenter das Gehalt für zwei Jahre vollständig übernehmen und anschließend jeweils zehn Prozentpunkte weniger zahlen. Eine beschäftigungsbegleitende Betreuung umfasst dabei ein Coaching, das die Arbeitsfähigkeit stärken soll. Das Coaching soll sich nach dem individuellen Bedarf richten – also auch gesundheitliche Probleme thematisieren.

IAB-Studie bescheinigt Coaching im Grundsicherungssystem positive Wirkung

Die geförderten Personen, die ein solches gesundheitliches Coaching erhalten haben, berichten in der IAB-Erhebung von einem signifikant besseren Gesundheitszustand. Dazu gibt nur eine Minderheit von 14 Prozent an, dass sie „ziemlich“ bis „sehr“ durch psychische Probleme belastet seien.

Die Forschenden räumen zwar ein, dass die Studie keine Aussage darüber zulassen, ob die bessere Gesundheit dieser Gruppe von Bürgergeld-Beziehenden ein direkter Effekt der Förderung ist. Eine präventive Gesundheitsförderung stelle jedoch einen „wichtigen Coaching-Bereich“ dar. „Unsere Ergebnisse deuten nun darauf hin, dass ein ganzheitliches Coaching grundsätzlich ein passendes Mittel sein kann, um gesundheitliche Probleme zu adressieren und persönliche Problemlagen zu verbessern“, heißt es in der IAB-Studie. „Coaching könnte somit ein weiterer Baustein bei der Steigerung der Beschäftigungsfähigkeit von Leistungsbeziehenden in der Grundsicherung sein.“

Coaching spielt bei Bürgergeld-Ausweg keine große Rolle – Langzeitarbeitslose dazu weniger adressiert

Das ist insofern wichtig, dass ein Großteil der Arbeitssuchenden im Bürgergeld-Bezug Vermittlungshemmnisse aufweist. Gerade bei Krankheiten kommt häufig erschwerend hinzu, dass die Betroffenen zwar formell als erwerbsfähig gelten, jedoch lediglich wenige Stunden am Tag arbeiten können. Wenn sie eine Arbeit finden, ist diese häufig nicht existenzsichernd und sie bleiben von Sozialleistungen wie der Grundsicherung abhängig.

In der bisherigen Förderung der Langzeitarbeitslosen spielt das Coaching jedoch nur eine geringe Rolle. Trotz der positiven Bewertung haben nur knapp die Hälfte der Befragten ein solches Coaching erhalten. Hinzu kommt: Insgesamt geht die Förderung dieser speziellen Gruppe von Bürgergeld-Beziehenden zurück.

Regierung will Gesundheit von Erwerbslosen bei Bürgergeld-Reform stärker in den Fokus rücken

Die Bundesregierung will die gesundheitlichen Fragen durch die Reform der Grundsicherung stärker in den Blick nehmen. „Gesundheitliche Risiken sollen so rechtzeitig erkannt und einer Verschlechterung vorgebeugt werden“, heißt es aus dem Bundearbeitsministerium. „Die Jobcenter weisen im Rahmen ihrer Beratung frühzeitig auf Präventions- und Gesundheitsleistungen anderer Träger hin.“ Dadurch sollen laut Formulierung im Referentenentwurf zur neuen Grundsicherung „eine drohende Einschränkung oder den Verlust der Erwerbsfähigkeit“ verhindert werden. Ziel ist eine „ganzheitliche, präventive Eingliederungsstrategie“.

Doch eben diese Träger von Instrumenten zur Förderung und Eingliederung von Bürgergeld-Beziehenden äußern Zweifel, ob diese „ganzheitliche Eingliederungsstrategie“ möglich ist. Grund für die Zweifel sind die Haushaltsplanungen. Sie kritisieren, dass das Budget für die Eingliederungsleistungen der Jobcenter zu knapp bemessen sei – besonders vor dem Hintergrund, dass die Jobcenter das Geld auch für ihre Verwaltungsausgaben nutzen können. Ob die Integration in Arbeit gelingt und Friedrich Merz seine ehrgezigen Bürgergeld-Sparziele erreicht, ist damit offen.

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen/dpa

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