Neue Zahlen veröffentlicht

Immobilienpreise klettern, Mieten auch – Experten warnen: „Wohnen wird zum Luxus“

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Der Wohnungsmarkt bleibt angespannt. Die Preise für Immobilien steigen wieder, die Mieten bleiben auf hohem Niveau. Experten verlangen Interventionen der neuen Bundesregierung.

Köln/München – Der Wohnmarkt verschärft sich weiter: Nachdem als Folge der Immobilienkrise in Deutschland die Preise zuletzt gefallen waren, vermeldet das Institut der Deutschen Wirtschaft nun die Trendwende. Analysen des IW zeigen, dass die Immobilienpreise wieder deutlich anziehen – zum ersten Mal seit über zwei Jahren.

Damit wird der Kauf von Wohneigentum spürbar teurer, doch auch der Mietmarkt bleibt angespannt – in München wie in fast allen deutschen Städten. Doch Hoffnung kommt aus Berlin: Der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung muss nun endlich Bewegung in den Wohnungsbau bringen, fordern Experten.

Der neue Wohnindex zeigt: Kaufpreise für Immobilien ziehen deutlich an, die Mieten bleiben hoch. Nun ruht die Hoffnung auf Maßnahmen der neuen Bundesregierung.

Immobilienkauf wird wieder teurer, Mieten bleibt es – Experten fordern Maßnahmen der neuen Regierung

Wohnen wird immer unerschwinglicher, das zeigt der am Donnerstag (1. Mai) veröffentlichte Wohnindex des Deutschen Instituts der Wirtschaft (IW) in Köln. Wer eine Wohnimmobilie kaufen will, zahlt mehr als noch vor einem Jahr. Die Preise von Eigentumswohnungen lagen 1,1 Prozent über dem Vorjahresquartal, Ein- und Zweifamilienhäuser kosteten sogar 2,9 Prozent mehr. Besonders in den Städten Essen und Leipzig kletterten die Kaufpreise mit einem Zuwachs von 6,3 Prozent bzw. 5,8 Prozent auffällig.

Der neue Wohnindex zeigt: Kaufpreise für Immobilien ziehen wieder an, während die Mieten weiter hoch bleiben. Damit spitzt sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt weiter zu.

„Mieter zahlen für Mangel“: Immobilien-Experte warnt vor Wohnungsmarkt-Entwicklung

Auch Neuvertragsmieten sind im Vergleich zum Vorjahr im Schnitt um rund 4,7 Prozent gestiegen. Nach wie vor trifft eine hohe Nachfrage nach Wohnungen auf ein kleines Angebot: „Mieter zahlen für den Mangel“, sagt IW-Immobilienökonom und Autor des Reports Pekka Sagner.

Wenn es so weitergeht, wird Wohnen zum Luxus.

Pekka Sagner, Institut der Deutschen Wirtschaft

Der Mietmarkt sei unter Druck, in einigen Regionen Deutschlands steigen die Mieten besonders stark, Entspannung sei nicht in Sicht: Auch 2025 entstünde mit 230.000 neuen Wohnungen deutlich zu wenig neuer Wohnraum. In den Jahren vor 2023 seien es jährlich noch 300.000 gewesen. Gestiegene Zinsen, hohe Baukosten, stornierte Projekte – in der Baubranche kriselt es. „Wenn es so weitergeht, wird Wohnen zum Luxus“, warnt Sagner.

Haus kaufen und auswandern: Die 10 besten Länder für deutsche Aussteiger

Allein für die atemberaubende Natur lohnt es sich, nach Kanada auszuwandern.
Allein für die atemberaubende Natur lohnt es sich, nach Kanada auszuwandern. Hier zu sehen: Der Banff Nationalpark in der Provinz Alberta, das vor allem für Skifahrer immer eine Attraktion ist. Darüber hinaus ist die Kriminalitätsrate in Kanada niedrig.  © IMAGO/Paul Giamou Photography Ltd.
Leider sind die Lebenshaltungskosten in den Großstädten wie hier Vancouver aber auch Toronto und Québec hoch.
Leider sind die Lebenshaltungskosten in den Großstädten wie hier Vancouver aber auch Toronto und Québec hoch. Doch das liegt auch an der starken Wirtschaft und den gutbezahlten Jobs, die es in Kanada gibt. Es gibt in Kanada auch für Fachkräfte ein Einwanderungssystem, das Global Talent Stream ist ein Programm davon. Außerdem hat Kanada eines der besten Gesundheitssystme der Welt.  © IMAGO/Paul Giamou Photography Ltd.
Auf Platz zwei unserer Liste ist die Schweiz, hier zu sehen die Lorraine Brücke in Bern. Die Schweiz kann bei der Natur auf jeden Fall auch mit Kanada mithalten.
Auf Platz zwei unserer Liste ist die Schweiz, hier zu sehen die Lorraine Brücke in Bern. Die Schweiz kann bei der Natur auf jeden Fall auch mit Kanada mithalten. Und auch das Gesundheitssystem ist verlässlich und modern ausgestattet. Eine private Krankenversicherung kostet etwa 360 Euro im Monat. © IMAGO/Artur Bogacki
Die Schweiz hat auch besondere Steuervorteile zu bieten: Je nach Kanton (hier die Schwyz abgebildet) kann der Steuersatz zwischen 15 und 25 Prozent variieren.
Die Schweiz hat auch besondere Steuervorteile zu bieten: Je nach Kanton (hier die Schwyz abgebildet) kann der Steuersatz zwischen 15 und 25 Prozent variieren. Deutsche Fachkräfte - vor allem hochqualifizierte - werden auch gerne in der Schweiz gesehen, es leben 310.000 Deutsche im Nachbarland. Die gemeinsame Sprache vereinfacht also die Integration.  © IMAGO/Andreas Haas
Wer eher nach günstigen Immobilienpreisen und schönem Wetter sucht, wird in Portugal fündig.
Wer eher nach günstigen Immobilienpreisen und schönem Wetter sucht, wird in Portugal fündig. Besonders im Landesinneren gibt es schöne Häuser zu Spottpreisen im Vergleich zu Deutschland: Ein 80-Quadratmeter-Häuschen in Strandnähe mit 750 Quadratmetern Grundstück gibt es schon für etwa 325.000 Euro. Außerdem genießen auch die Portugiesen eine gute Gesundheitsversorgung.  © IMAGO/Zoonar.com/Juan Jimenez
Portugal lockt auch gezielt Ausländer und vor allem Rentner mit Steuervorteilen. Wer ein Haus in Portugal kauft und seinen Wohnsitz dorthin verlegt, wird steuerlich begünstigt.
Portugal lockt auch gezielt Ausländer und vor allem Rentner mit Steuervorteilen. Wer ein Haus in Portugal kauft und seinen Wohnsitz dorthin verlegt, wird steuerlich begünstigt. Dabei verdient man in Portugal etwas weniger – hat aber auch niedrigere Lebenshaltungskosten zu stemmen.  © IMAGO/Jorge Mantilla
Im Nachbarland Spanien ist es sehr ähnlich wie in Portugal: Ein angenehmes Klima, niedrige Lebenshaltungskosten und moderate Immobilienpreise, vor allem abseits der Küste und der Metropolen.
Im Nachbarland Spanien ist es sehr ähnlich wie in Portugal: Ein angenehmes Klima, niedrige Lebenshaltungskosten und moderate Immobilienpreise, vor allem abseits der Küste und der Metropolen. In Spanien leben aber mehr Deutsche, als in Portugal, was die Integration einfacher machen kann. Außerdem gibt es ein Golden-Visa-Programm für Immobilienkäufer, die mindestens 500.000 Dollar investieren. © IMAGO
In Norwegen leben die Menschen europaweit am längsten mit einer Lebenserwartung von 83,1 Jahren. Das liegt daran, dass die Norweger das beste Gesundheitssystem in Europa genießen.
In Norwegen leben die Menschen europaweit am längsten mit einer Lebenserwartung von 83,1 Jahren. Das liegt daran, dass die Norweger das beste Gesundheitssystem in Europa genießen. Hier sprechen die Menschen fast immer Englisch, was für Fachkräfte eine Erleichterung ist. Die werden auch überdurchschnittlich gut bezahlt.  © IMAGO/Jakub Porzycki
Norwegen ist bekannt für seine atemberaubende Natur – und für eine ausgewogene Work-Life-Balance. Die Lebenshaltungskosten mögen hoch sein, die Jobs sind aber auch gut bezahlt.
Norwegen ist bekannt für seine atemberaubende Natur – und für eine ausgewogene Work-Life-Balance. Die Lebenshaltungskosten mögen hoch sein, die Jobs sind aber auch gut bezahlt.  © IMAGO/Zoonar.com/Fokke Baarssen
Wir verlassen Europa und schauen mal ans andere Ende der Welt: Neuseeland. Auch hier genießen die Menschen eine gute soziale Sicherung – und haben eine starke Willkommenskultur.
Wir verlassen Europa und schauen mal ans andere Ende der Welt: Neuseeland. Auch hier genießen die Menschen eine gute soziale Sicherung – und haben eine starke Willkommenskultur. Für Fachkräfte gibt es Programme wie das Skilled Migrant Category, das die Einwanderung erleichtern soll. Hier profitieren Aussteiger von niedriger Kriminalitätsraten und einem entspannten Lebenstil.  © IMAGO
Und natürlich ist auch die Natur in Neuseeland kaum zu übertreffen.
Und natürlich ist auch die Natur in Neuseeland kaum zu übertreffen. Nicht umsonst wurden hier auch die Herr-der-Ringe-Filme gedreht – das Dorf der Hobbits kann man auch noch besuchen.  © IMAGO
Wir bleiben am anderen Ende der Welt: Singapur ist ebenfalls ganz oben auf der Liste der sichersten und modernsten Länder der Welt.
Wir bleiben am anderen Ende der Welt: Singapur ist ebenfalls ganz oben auf der Liste der sichersten und modernsten Länder der Welt. Das Gesundheitssystem gehört zu den fortschrittlichsten überhaupt und die Einkommenssteuer ist extrem niedrig bei 8-10 Prozent. Nur die Lebenshaltungskosten sind nicht ganz so niedrig, wie man es von anderen südostasiatischen Ländern kennt – und das trifft auch die Immobilienpreise.  © IMAGO
Zurück nach Europa blicken wir in anderes Nachbarland: Die Niederlande. Hier profitieren Auswanderer von einer kulturellen wie sprachlichen Nähe zu Deutschland.
Zurück nach Europa blicken wir in anderes Nachbarland: Die Niederlande. Hier profitieren Auswanderer von einer kulturellen wie sprachlichen Nähe zu Deutschland. Wer sich am Meer wohlfühlt, wird in der Niederlande besonders glücklich werden. Vor allem die Fahrradfreundlichkeit wird viele Menschen begeistern, die sich eine nachhaltigere Lebensweise wünschen.  © IMAGO/Myron Standret
Leider sind die Immobilienpreise in den größeren Städten wie Amsterdam sehr angespannt.
Leider sind die Immobilienpreise in den größeren Städten wie Amsterdam sehr angespannt. Dafür gibt es ein gutes Gesundheitssystem und eine gut ausgebaute Infrastruktur.  © IMAGO/Stephan Sühling
Ebenfalls beliebt bei deutschen Auswanderern ist Österreich – das in Sachen Natur auch mithalten kann. Für Deutsche ist die Sprache ein Riesenbonus, weshalb es auch eine große deutsche Community vor Ort gibt.
Ebenfalls beliebt bei deutschen Auswanderern ist Österreich – das in Sachen Natur auch mithalten kann. Für Deutsche ist die Sprache ein Riesenbonus, weshalb es auch eine große deutsche Community vor Ort gibt.  © IMAGO/imageBROKER/Karl-Heinz Schein
Besonders in Wien aber auch in Salzburg und Innsbruck gibt es eine hohe Lebensqualität.
Besonders in Wien aber auch in Salzburg und Innsbruck gibt es eine hohe Lebensqualität. Fachkräfte werden in den Bereichen Tourismus und Kultur immer gesucht, doch auch in Medizin und Technik wird man schnell fündig.  © IMAGO
Zuletzt auf der Liste: Japan. Tokio ist eine der größten Städte der Welt und zählt auch zu den aufregendsten.
Zuletzt auf der Liste: Japan. Tokio ist eine der größten Städte der Welt und zählt auch zu den aufregendsten. Hier ist immer etwas los. Speziell in Tokio ist aber auch der Wohnungsmarkt angespannt – aufgrund der alternden Bevölkerung werden Fachkräfte aber händeringend gesucht.  © IMAGO/Alfredo Ruiz
Wer noch nicht überzeugt wurde: Japan hat mit 84,4 eine der höchsten Lebenserwartungen der Welt. Das liegt an der Gesundheitsversorgung, die nach allen Parametern zu den Spitzenreitern gehört.
Wer noch nicht überzeugt wurde: Japan hat mit 84,4 eine der höchsten Lebenserwartungen der Welt. Das liegt an der Gesundheitsversorgung, die nach allen Parametern zu den Spitzenreitern gehört. Und ganz nebenbei beeindruckt auch Japan mit einer wunderschönen Natur.  © IMAGO/Alfredo Ruiz

„Anhaltend starke Nachfrage und immer begrenzteres Angebot“: Wohnungsmarkt-Situation spitzt sich zu

„Die anhaltend starke Nachfrage trifft auf ein immer begrenzteres Angebot – auch in mittleren und kleineren Städten“, erklärt Sagner. Der Mangel an Neubau und die zunehmende Attraktivität von Stadt-Umland-Räumen sorgten dafür, dass auch außerhalb der klassischen Zentren kräftige Mietsteigerungen zu beobachten sind.

Dennoch spitzt sich auch in den Städten das Problem weiter deutlich zu: In Leipzig beispielsweise zahlen Mieter 7,7 Prozent mehr als noch im vergangenen Jahr, in Essen und Frankfurt Wohnende müssen 6,1  Prozent draufzahlen, Düsseldorfer Mieter 5,8 Prozent. Auch Hamburg, München und Stuttgart legen mit jeweils rund 4,9 Prozent und 4,6 Prozent weiter deutlich zu. Berliner Mieter und Mieterinnen müssen „nur“ eine Mietsteigerung von drei Prozent verkraften. Einzige Ausnahme unter den zehn größten Städten Deutschlands: Köln, wo die Preise leicht um 0,3 Prozent sanken.

Der Wohnungsmarkt bleibt mit weiter steigenden Mieten stark angespannt. In einigen Städte gibt es konstante Verteuerungen, in anderen verlangsamt sich die Steigerung – eine Atempause, keine Trendwende.

Wohnungsbau-Turbo: „Neue Regierung muss sich an der Umsetzung ihrer Versprechen messen lassen“

Der Bedarf an Wohnraum wächst weiter, aber gebaut wird zu wenig. Doch es gebe Anlass zur Hoffnung: „Der neue Koalitionsvertrag von Union und SPD könnte wichtige Impulse setzen“, so der IW-Immobilienexperte: „Die Maßnahmen des versprochenen „Wohnungsbau-Turbos“, nämlich ein Abbau der Bürokratie und der Vorschriften und die Beschleunigung der Vergabe von Baugenehmigungen sind überfällige Schritte in die richtige Richtung.“

Sagner führt aus: „Die neue Regierung wird sich daran messen lassen müssen, ob sie Gesetzesentwürfe wie versprochen innerhalb der ersten 100 Tage nach Regierungsbildung tatsächlich auf den Weg bringt“.

Die neue Regierung wird sich daran messen lassen müssen, ob sie wie versprochen den Wohnungsbau-Turbo innerhalb der ersten 100 Tage nach Regierungsbildung tatsächlich auf den Weg bringt. 

Pekka Sagner, Wohnungspolitik-Experte des IW

Donald Trump Zollkrieg: „Schwer kalkulierbare Verschiebungen“ könnten Wohnungskrise verschärfen

Jedoch gäbe es auch Auswirkungen des Handelsstreits mit den USA, die auf die Entwicklung Einfluss nähmen: „Die erneute Präsidentschaft Donald Trumps führt zu schwer kalkulierbaren Verschiebungen für die deutsche Wirtschaft – auch die Bauwirtschaft“, warnt der Ökonom.

Zum einen spielten die Entwicklungen eine wichtige Rolle für die Finanzierungskonditionen, sprich: Zinsen. „Zum anderen verteuern neue Zölle auf Baustoffe wie Stahl und Aluminium Bauprojekte unmittelbar, durch Lieferkettenprobleme kommt es zu Verzögerungen und zusätzlichen Kosten im Neubau“. Diese Effekte verschärften die Investitionsbedingungen im Neubau, „und erhöhen zugleich den Druck auf den Bestand, was preistreibend wirken kann“.

Rubriklistenbild: © Imago/Wolfgang Maria Weber

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