Milliarden-Euro-Zuschuss vom Bund: Diese Regionen sparen am meisten bei Netzentgelten
VonLennart Schwenck
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2026 sinken Netzentgelte dank Milliarden-Unterstützung. Deutsche Regionen ziehen unterschiedlichen Nutzen. Ein Bundesland erhält kaum Erleichterung.
Berlin – Die Bundesregierung plant eine milliardenschwere Entlastung bei den Stromkosten, die 2026 spürbare Auswirkungen für Stromkunden haben soll. Doch während einige Regionen deutlich profitieren, gehen andere nahezu leer aus. Die geplante Maßnahme wirft Fragen nach Fairness und regionaler Gerechtigkeit auf.
Denn die Netzentgelte, die rund ein Viertel der Stromrechnung privater Haushalte ausmachen, werden durch den Bundeszuschuss zwar gesenkt, allerdings sehr ungleich. Regionen mit hoher Belastung durch den Netzausbau erhalten zusätzliche Unterstützung, während andere Gebiete kaum profitieren – es droht eine Zwei-Klassen-Gesellschaft bei den Stromkosten.
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Netzentgelt-Zuschuss des Bundes: Durchschnittliche Entlastung von 17 Prozent geplant
Eine Stichprobe der Bundesnetzagentur bei 28 Verteilnetzbetreibern zeigt deutliche Kostensenkungen für das kommende Jahr. Demnach sinken die Netzentgelte für Haushaltskunden 2026 im bundesweiten Durchschnitt um 17,2 Prozent oder rund zwei Cent pro Kilowattstunde gegenüber dem Vorjahr. Gewerbe- und Industriekunden profitieren laut Bundesnetzagentur überproportional.
Die vier Übertragungsnetzbetreiber (Tennet, 50Hertz, Amprion und TransnetBW) bestätigten, dass ein geplanter Bundeszuschuss in Höhe von 6,5 Milliarden Euro zur Finanzierung der Übertragungsnetzkosten, der ab 2026 jährlich greifen soll, an ihre Kunden weiterzugeben. Das entsprechende Gesetz befindet sich derzeit noch im parlamentarischen Verfahren. Doch die regionale Wirkung könnte höchst unterschiedlich ausfallen. Eine Auswertung des Dienstleisters Enet und des Stromanbieters Rabot Energy zeigt: Weite Teile Ostdeutschlands und Bayerns sollen deutlich profitieren, während der Effekt in vielen westdeutschen Regionen gering bleibe.
Hochspannungsleitungen prägen das deutsche Stromnetz: Der geplante 6,5-Milliarden-Zuschuss soll die Übertragungsnetzkosten senken, doch die Entlastung kommt regional sehr unterschiedlich an.
Entlastung unterscheidet sich je nach Region: Ostdeutschland und Bayern als große Gewinner
Laut Solarserver wird Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt um rund drei Cent pro Kilowattstunde entlastet. Bayern folgt mit durchschnittlich 2,6 Cent. Besonders stark sinken die Netzentgelte in einzelnen Postleitzahlgebieten – etwa in Partenstein (Bayern) um 6,18 Cent oder in Sulz am Neckar (Baden-Württemberg) um 5,55 Cent pro Kilowattstunde.
Am anderen Ende der Skala steht Nordrhein-Westfalen: Dort liegen die Preisnachlässe oft unter einem Cent. Laut Bundesnetzagentur profitieren vor allem Gebiete, die stark vom Ausbau der Übertragungsnetze oder der Einspeisung erneuerbarer Energien betroffen sind – also Regionen, in denen der Stromtransport besonders aufwendig ist. In diesen Netzgebieten fallen die Kosten traditionell höher aus, weshalb der Zuschuss hier stärker wirkt. Ein Blick auf die Tabelle:
Bundesland
Netzentgelte 2026
Veränderung zu 2025
Bundesweit ⌀
362 Euro
-16 % bzw. -82 €
Baden-Württemberg
390 Euro
-17 % bzw. -93 €
Bayern
313 Euro
-20 % bzw. -93 €
Berlin
342 Euro
-23 % bzw. -121 €
Brandenburg
318 Euro
-23 % bzw. -114 €
Bremen
298 Euro
-8 % bzw. -29 €
Hamburg
471 Euro
-17 % bzw. -115 €
Hessen
377 Euro
-13 % bzw. -69 €
Mecklenburg-Vorpommern
296 Euro
-22 % bzw. -102 €
Niedersachsen
321 Euro
-18 % bzw. -81 €
Nordrhein-Westfalen
391 Euro
-12 %\tbzw. -65 €
Rheinland-Pfalz
409 Euro
-14 %\tbzw. -82 €
Saarland
345 Euro
-13 %\tbzw. -69 €
Sachsen
345 Euro
-12 %\tbzw. -53 €
Sachsen-Anhalt
340 Euro
-15 %\tbzw. -69 €
Schleswig-Holstein
346 Euro
-17 %\tbzw. -85 €
Thüringen
328 Euro
-16 %\tbzw. -73 €
Quelle: Verivox
Wer profitiert wirklich? Unterscheidung auch nach Industrie und ländliche Regionen
Nach Einschätzung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) kommt die Entlastung nicht allen gleichermaßen zugute. Große Industrieunternehmen profitieren zusätzlich von bestehenden Sonderregelungen bei den Netzentgelten (§ 19 StromNEV), während Haushalte weiterhin den größten Anteil der Netzkosten tragen. Auch geografisch entsteht ein Ungleichgewicht: Laut Strom-Report und IHK-Daten wirken die Zuschüsse besonders dort, wo viele erneuerbare Energien ans Netz gebracht werden müssen – etwa in ländlichen Regionen im Osten und Süden Deutschlands. In urbanen Ballungsräumen, wo der Netzausbau geringer ist, bleibt der Effekt dagegen überschaubar.
„Von den Anpassungen profitieren 2026 vor allem Regionen, die bisher teuren Strom importieren mussten“, erklärt Jan Rabe, CEO von Rabot Energy. Die Maßnahme sei politisch gewollt, ändere aber nichts am langfristigen Trend: Die Netzentgelte dürften mit dem weiteren Ausbau der Stromnetze wieder steigen. Die endgültigen Netzentgelte werden am 1. Januar 2026 veröffentlicht. (ls)