Inmitten der Krise

Deutscher Motorenbauer fährt Rekordumsatz ein und zahlt Mitarbeitern höchste Prämie der Firmengeschichte

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Inmitten der Wirtschaftskrise hat Motorenbauer Rolls-Royce Power Systems einen Rekordumsatz erzielt und lässt daran auch die Mitarbeiter teilhaben.

Friedrichshafen - Im Jahr 2023 ging beim Großmotorenbauer Rolls-Royce Power Systems mit Sitz in Friedrichshafen (Baden-Württemberg) die Sorge vor einem Stellenabbau um. Grund dafür war jedoch keine Schieflage des Unternehmens selbst, sondern Probleme des kriselnden britischen Mutterkonzerns. Ende 2023 wurde bekannt, dass die Sparmaßnahmen tatsächlich auch das schwäbische Tochterunternehmen treffen; Rolls-Royce Power Systems scheint daraus aber nur noch stärker hervorgegangen zu sein. Im Krisenjahr 2024 konnte das Unternehmen einen Rekordumsatz erwirtschaften.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Während Schlüsselindustrien wie der Maschinenbau oder die Automobilindustrie massiv zu kämpfen haben, profitieren derzeit vor allem die Rüstungsunternehmen von der Weltlage. Das kommt auch Rolls-Royce Power Systems zugute, da das Unternehmen auch Motoren für Panzer und Militärschiffe baut. Am Freitag (28. Februar) hatte der Konzern am Stammsitz in Friedrichshafen am Bodensee verkündet, beim Umsatz erstmals die Marke von 5 Milliarden Euro überschritten zu haben. Davon profitieren auch die Mitarbeiter an mehreren deutschen Standorten.

Rekord-Umsatz bei Rolls-Royce Power Systems - Mitarbeiter erhalten Prämie von 2.000 Euro

Konkret hat das Unternehmen, das auf die 1909 gegründete Motoren- und Turbinen-Union Friedrichshafen (MTU) zurückgeht, im Krisenjahr 2024 sowohl beim Umsatz als auch bei Gewinn und Rendite Rekordergebnisse erreicht. „Diese Rekordzahlen sind das Ergebnis unserer klaren Strategie mit Fokus auf Energieversorgung, Behördengeschäft, Marine, Batteriespeicher und Service“, erklärt Rolls-Royce Power Systems-Chef Jörg Stratmann in einer Mitteilung zu den Ergebnissen. „Wir haben unsere Marktanteile bei mtu-Produkten ausgebaut und sehen weiteres Wachstumspotenzial.“ Das Unternehmen sei aufgrund des Auftragseingangs von 6 Milliarden Euro zuversichtlich für das angelaufene Jahr 2025.

Name Rolls-Royce Power Systems AG
Gründungsjahr 1909 (MTU Friedrichshafen), Januar 2014 (Rolls-Royce Power Systems)
Hauptsitz Friedrichshafen
Branche Maschinenbau, Motorenbau, Energieanlagen
Umsatz5,05 Milliarden Euro (2024)
Mitarbeiter mehr als 10.500 (2025)
Produkte Antriebssysteme, Generatoren, Motoren
Mutterkonzern Rolls-Royce Holdings, London, Vereinigtes Königreich

Der Großmotorenhersteller vom Bodensee trotzt demnach exakt den Krisen, die derzeit viele große Unternehmen vor erhebliche Probleme stellen. Davon profitieren auch die Mitarbeiter. Wie unter anderem die Schwäbische Zeitung berichtet, erhält jeder der rund 6.150 Mitarbeiter in Friedrichshafen für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Bonuszahlung von 2.000 Euro. „Das haben wir unserer Belegschaft vor wenigen Stunden bekannt gegeben“, hatte Personalchefin Thelse Godewerth demnach auf der Pressekonferenz am Freitag erklärt. Es sei die höchste Prämie der Firmengeschichte und gelte auch für die Standorte Hamburg, Duisburg und Ruhstorf.

Großmotorenbauer Rolls-Royce Power Systems hat 2024 einen Rekordumsatz erzielt und lässt daran auch die Mitarbeiter teilhaben.

Rolls-Royce Power Systems plant weitere Investitionen - auch am Stammsitz Friedrichshafen

Obwohl Rolls-Royce Power Systems auch von der Nachfrage nach militärischen Anwendungen profitiert, erzielte das Unternehmen eigenen Angaben zufolge das größte Wachstum im Bereich der Energieversorgung von Rechenzentren. Nachdem bereits im vergangenen Jahr Rekordinvestitionen getätigt wurden, plant der Motorenbauer auch 2025 an diesem Kurs festzuhalten. Laut der Mitteilung fließen erhebliche Investitionen nach Nordamerika in einen Neubau für die Montage von Stromaggregaten in Mankato und in den Ausbau des Motorenwerks in Aiken; aber auch in die laufende Optimierung und den Ausbau der Produktionskapazitäten in Friedrichshafen.

Im Gegensatz dazu hat der größte Arbeitgeber vom Bodensee an allen Ecken und Enden zu kämpfen. Autozulieferer ZF Friedrichshafen steckt in einer großen Umstrukturierung, bei der bis zu 14.000 Stellen in Deutschland abgebaut werden sollen.

Rubriklistenbild: © Felix Kaestle/Rolls-Royce Power Systems AG

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