VonJulian Baumannschließen
Der Stellenabbau bei Rolls-Royce soll auch den Geschäftsbereich Power Systems in Friedrichshafen betreffen. Betriebsbedingte Kündigungen sind jedoch vorerst ausgeschlossen.
Friedrichshafen - Motorenbauer Rolls-Royce Power Systems um die traditionsreiche Marke mtu Friedrichshafen ist eigentlich auf Erfolgskurs, Sorge bereitet allerdings der kriselnde britische Mutterkonzern. Dieser hatte vor wenigen Wochen einen massiven Stellenabbau weltweit angekündigt, dem 2.000 bis 2.500 Arbeitsplätze zum Opfer fallen sollen. Ob davon auch die Mitarbeiter in Friedrichshafen (Bodenseekreis) betroffen sein werden, war vorerst unklar. „Es ist derzeit noch zu früh, um sagen zu können, wo der vorgeschlagene Stellenabbau konkret erfolgen wird“, hatte ein Unternehmenssprecher auf BW24-Anfrage erklärt.
Inzwischen ist jedoch bestätigt, dass auch der schwäbische Motorenbauer nicht von den Sparmaßnahmen ausgenommen sein wird und am Stammsitz in Friedrichshafen 375 Stellen entfallen sollen. Wie die Schwäbische Zeitung berichtet, konnte der Betriebsrat mit dem Vorstand des Geschäftsbereichs aber einen „Zukunftspakt“ schließen, der betriebsbedingte Kündigungen bis 2026 ausschließt. Beim Motorenbauer vom Bodensee geht aufgrund des kriselnden Mutterkonzerns bereits seit einiger Zeit die Sorge vor einem Stellenabbau um.
Motorenbauer Rolls-Royce Power Systems verlängert Beschäftigungsgarantie bis 2026
Rolls-Royce Power Systems betreibt neben dem Hauptsitz in Friedrichshafen noch weitere Standorte in Deutschland und eröffnete in diesem Jahr eine neue Produktionshalle für Verbrennungsmotoren in der Gemeinde Kluftern im Bodenseekreis. Die Sparmaßnahmen aus London sollen beim Geschäftsbereich Power Systems insgesamt 625 Stellen und in der Zeppelinstadt selbst wie erwähnt 375 Stellen betreffen. Betriebsratschef Thomas Bittelmeyer reagierte dennoch gelassen. „Was die Zentrale in England will, ist für mich zweitrangig“, sagte er laut der Schwäbischen Zeitung. Wichtig sei dagegen, was die Vorstände in Friedrichshafen selbst entscheiden.
| Name | Rolls-Royce Power Systems AG |
|---|---|
| Gründungsjahr | 2014 |
| Hauptsitz | Friedrichshafen, Baden-Württemberg |
| Kernmarke | MTU Friedrichshafen GmbH (gegründet 1909) |
| Leitung | Jörg Stratmann, Vorstandsvorsitzender |
| Branche | Maschinenbau |
| Produkte | Dieselmotoren für Schiffe, Schienenfahrzeuge und Industriemaschinen. Energieanlagen, Gasturbinen |
| Mitarbeiterzahl | 9.000 |
| Umsatz | 3,2 Milliarden Euro |
Und die haben eben gemeinsam mit dem Betriebsrat von Power Systems einen Kündigungsschutz bis 2026 beschlossen. Damit wurde die Ende 2023 auslaufende vorherige Absprache für eine Standort- und Beschäftigungssicherung um drei Jahre verlängert. Auch beim Nachbarn, dem Autozulieferer ZF Friedrichshafen, gibt es für den Stammsitz sogenannte Zielbilder. Der Kündigungsschutz bei Rolls-Royce Power Systems bedeutet allerdings nicht, dass die Stellen erhalten bleiben. Stattdessen soll der Abbau von Arbeitsplätzen sozialverträglich abgewickelt werden.
Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg




Stellenabbau bei RRPS: Hohe Abfindungen für Freiwillige offenbar nicht für gesamte Belegschaft
Um einen Abbau von Arbeitsplätzen sozialverträglich durchführen zu können, braucht es entsprechende Anreize. Auch der schwäbische Batteriekonzern Varta hatte am Hauptsitz in Ellwangen ein „Freiwilligenprogramm“ gestartet, das inzwischen abgeschlossen ist. Bei Rolls-Royce Power Systems wird den Mitarbeitern, die bereit sind das Unternehmen freiwillig zu verlassen, eine Abfindung in Höhe von bis zu zwei Jahresgehältern geboten. Dies gilt laut Bittelmeyer aber nicht für die gesamte Belegschaft. „Wer ein solches Angebot bekommt, ist noch nicht definiert“, erklärte der Betriebsratsvorsitzende.
Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass der IT-Unternehmer Ulrich Dietz die Brennstoffzellensparte von Rolls-Royce Power Systems übernehmen will. Während der Gründer des Stuttgarter Technologieunternehmen GFT den Deal nach eigenen Angaben in den kommenden Monaten abgewickelt haben möchte, hatte sich der Motorenbauer selbst zurückhaltender geäußert. Angenommen werden kann jedoch, dass ein Teil der Stellen durch diese Übernahme abgebaut werden könnte, da Dietz beziehungsweise sein Unternehmen Globe Cell Systems die 30 Mitarbeiter von Rolls-Royce Power Systems mitübernehmen und einen neuen Standort bei Friedrichshafen errichten will.
Rubriklistenbild: © Robert Hack/Rolls-Royce Power Systems

