Finanzmarkt-Analyse

MSCI World und S&P 500: Das Risiko einer ETF-Blase

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Der Boom bei ETFs scheint endlos. Doch ETFs schaffen gefährliche Feedback-Loops mit Bank-Buybacks. Die US-Tech-Dominanz verstärkt das Blasenrisiko.

Frankfurt a. M. – Der MSCI World galt lange als sicherer Hafen für Privatanleger. Doch die beispiellose Konzentration auf US-Tech-Aktien und das explosive Wachstum passiver Investments werfen neue Fragen auf: Steuern wir auf eine ETF-Blase zu, die das gesamte Finanzsystem erschüttern könnte?

ETF als Privatinvestment: MSCI World und der S&P 500 bergen ein gefährliches Klumpenrisiko

Um diese Frage zu beantworten, lohnt ein Blick auf den vermeintlichen Renditegaranten selbst. Seit 2010 legte ein europäischer ETF auf den MSCI World um fast 450 Prozent zu, begünstigt durch Nullzinsen und massive Liquiditätsspritzen der Notenbanken. Doch 2025 liegt der Index im Minus, während sich die US-Konzentration verschärft. Der Anteil amerikanischer Aktien stieg von 58 Prozent (2015) auf 74 Prozent (Ende 2024), die zehn größten Positionen machen fast ein Viertel des Index aus.

Diese Entwicklung wurde „maßgeblich von den Tech-Aktien getragene Outperformance der US-Aktien“ angetrieben, erklärt Handelsblatt-Redakteur Andreas Neuhaus. Der MSCI World sei „kein Weltindex, sondern ein US-Tech-Index im globalen Kostüm“. Neuhaus spricht in seiner Analyse gar von einer dreifachen „ETF-Lüge“. Denn der Index bilde zudem nur 23 Industrienationen ab – Schwellenländer fehlen vollständig.

Was ist der MSCI World?

Der MSCI World ist ein Aktienindex, der etwa 1.500 große und mittelgroße Unternehmen aus 23 Industrieländern abbildet. Entwickelt vom US-Finanzdienstleister MSCI, gilt er als Barometer für die globale Aktienentwicklung. Der Index besteht zu rund 70 Prozent aus US-amerikanischen Aktien, gefolgt von Japan (10 Prozent), Großbritannien (8 Prozent) und anderen europäischen Industrienationen. Die größten Positionen sind US-Tech-Giganten wie Apple, Microsoft und Nvidia. Die Gewichtung erfolgt nach Marktkapitalisierung – je wertvoller ein Unternehmen, desto höher sein Anteil im Index. Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien sind nicht enthalten, dafür gibt es separate Indizes wie den MSCI Emerging Markets. Im Unterschied zum S&P 500, der nur die 500 größten US-Unternehmen umfasst, ist der MSCI World international diversifiziert.

Quelle: Volksbanken Raiffeisenbanken

ETF-Boom trifft auf milliardenschwere Bank-Buybacks: Banken als Hauptprofiteure der ETF-Zuflüsse

Banken treiben mit Aktienrückkäufen die Kurse an. Laut EZB-Analyse haben 21 große europäische Banken seit 2020 durch 75 Buyback-Programme 61,6 Milliarden Euro an Aktionäre zurückgegeben. Durchschnittlich schüttete jede Bank 8,35 Prozent ihres CET1-Kapitals aus. Rückkäufe seien zwar „ein Zeichen von Vertrauen“, verringerten aber Kapitalpuffer und schwächten „das Sicherheitsnetz im Krisenfall“. Aktienkurse stiegen nach Buyback-Ankündigungen um durchschnittlich 2,5 Prozent.

In den USA sind die Dimensionen noch größer: JPMorgan kündigte ein 50-Milliarden-US-Dollar-Rückkaufprogramm „ohne Enddatum“ an, Morgan Stanley genehmigte 20 Milliarden US-Dollar. CEO Jamie Dimon erklärte dazu, Buybacks gäben Flexibilität, Kapital „wie wir es für richtig halten“ zurückzugeben.

ETF-Sparplan als passives Investment: Der gefährliche Feedback-Loop-Mechanismus

Passive Investments haben einen selbstverstärkenden Mechanismus geschaffen. Laut Bloomberg Intelligence halten passive Investments mittlerweile 52 Prozent oder 15,4 Billionen Dollar der US-Aktien- und Anleihenmärkte. Da ETFs marktkapitalisierungsgewichtet sind, erhalten die größten Unternehmen überproportional viele Kapitalzuflüsse. Die Deutsche Bundesbank warnt hier vor einem „Crowding-out-Effekt“: Marktteilnehmer investieren zunehmend über ETFs statt direkt, wodurch Liquidität vom Markt für Einzelwertpapiere abgezogen wird.

Dieser Mechanismus verstärkt sich durch Share Buybacks: Wenn Unternehmen eigene Aktien zurückkaufen, steigt oft der Aktienkurs und damit die Gewichtung im Index. Das zieht automatisch mehr ETF-Käufe an. Steigende Aktienkurse können durch Buybacks einen Feedback-Loop auslösen, „wo steigende Aktienkurse mehr Käufe auslösen, die wiederum die Preise höher treiben“.

Donald Trumps Milliardäre: Wie viel Geld geben Bezos und Co.?

Mark Zuckerberg, Jeff Bezos, Sundar Pichai, Elon Musk
Mark Zuckerberg, Jeff Bezos, Sundar Pichai, Elon Musk und viele mehr: Bei Donald Trumps Amtseinführung 2025 tummelten sich die Milliardäre in der Rotunde des US-Kapitols. Die Stimmung war bestens und dafür gab es bei vielen auch einen guten Grund: Immerhin hatte sie der Wahlerfolg Trumps eine gehörige Stange Geld gekostet. Doch wie viel zahlten Bezos und Co. an Trumps Kampagne? Und was bekamen sie dafür? Ein Überblick. © imago
Elon Musk und Donald Trump
Der reichste Mann der Welt war auch der größte Spender Donald Trumps. Elon Musk soll der Kampagne des Republikaners 359 Millionen US-Dollar gespendet haben. Für Musk ein überschaubares Investment: Sein Privatvermögen wird auf 378 Milliarden US-Dollar geschätzt. Musk unterstützte Trump aber nicht nur mit Geld, sondern wurde auch selbst im Wahlkampf aktiv. Nach Trumps Wahlsieg zog der Tesla-Chef vorübergehend mit ins Weiße Haus und wurde dort Chef des „Department of Government Efficiency“, abgekürzt DOGE, das die Ausgaben der Bundesregierung senken sollte. Doch die Freundschaft zwischen Musk und Trump hielt nicht lange und zerbrach in aller Öffentlichkeit, als beide sich im Streit über Trumps Haushaltsplan öffentlich beschimpften. © Francis Chung/Imago
Jeff Bezos und Lauren Sanchez in Venedig
imago823473659.jpg © imago
Ein echter Großspender Donald Trumps ist dafür Timothy Mellon.
Ein echter Großspender Donald Trumps ist dafür Timothy Mellon. Der Multimilliardär ist Erbe eines Familienvermögens, das über mehr als ein Jahrhundert zurückreicht und vor allem aus Finanzgeschäften stammt. Er tritt nur selten in der Öffentlichkeit auf, ist aber seit 2018 einer der größten Einzelspender der Republikanischen Partei. Vor der US-Wahl 2024 unterstützte Mellon sowohl die Kandidatur von Robert F. Kennedy Jr. mit 25 Millionen US-Dollar als auch die Kandidatur Trumps mit bis zu 100 Millionen US-Dollar – zu einem Zeitpunkt, als beide noch gegeneinander antraten. Ein Wahlplakat der Demokraten wies auf diesen Widerspruch hin, konnte aber den Sieg Trumps auch nicht verhindern. © afp
Trump Linda McMahon
Linda McMahon hat zusammen mit ihrem Ehemann Vince McMahon die Wrestling-Liga WWE groß gemacht. Sie ist seit Jahren politisch aktiv und versuchte 2010 und 2012 erfolglos, in den US-Senat gewählt zu werden. In der ersten Amtszeit von Donald Trump war sie Chefin einer für kleine Unternehmen zuständigen Behörde. Jetzt hat sie den Posten der Bildungsministerin inne. Sie hat etwa 20 Millionen US-Dollar an Trumps PACs gespendet.  © Samuel Corum/Imago
Anthony Pratt
Anthony Joseph Pratt ist ein australischer Geschäftsmann. Er ist Vorstandsvorsitzender von Pratt Industries und Visy, dem weltweit größten privaten Verpackungs- und Papierunternehmen. Er hat Trump mit etwa 10 Millionen US-Dollar unterstützt. © Darren England/Imago
Donald Trump Medal of Freedom Miriam Adelson
Miriam Adelson ist die Witwe des Casino-Magnaten und langjährigen republikanischen Großspenders Sheldon Adelson. Die Adelsons spendeten allein im Jahr 2020 satte 220 Millionen Dollar für republikanische Zwecke. Miriam Adelson spendet auch nach dem Tod ihres Ehemanns 2021 weiterhin hohe Summen. So steuerte sie 2024 eine dreistellige Millionensumme zum Wahlkampf bei (111 Millionen US-Dollar). Bereits 2018 hatte Trump sie mit der Presidential Medal Of Freedom geehrt, der höchsten zivilen Auszeichnung der USA.  © Kevon Dietsch/Imago
Demo DAPL
Ein Top-Spender ist auch Kelcy Warren. Dessen börsennotiertes Unternehmen Energy Transfer ist vor allem für die höchst umstrittene Dakota Access Pipeline (DAPL) bekannt, deren Bau Trump in einer seiner ersten Amtshandlungen vorangetrieben hat. Schon 2016 hatte Warren 100.000 Dollar für Trump gespendet. Vier Jahre später waren es mehr als 11 Millionen Dollar, 2024 erhöhte er die Summe auf 13 Millionen Dollar. © Lenin Nolly/Imago
Oil Well Pumpjack Operating in Industrial Field
Der Ölmanager Timothy Dunn stellte Trumps Super-PAC bereits im Dezember 2023 einen Scheck über fünf Millionen Dollar aus. Dunns Ölförderunternehmen CrownQuest mit Sitz in Westtexas ist eines der größten privaten Ölunternehmen des Landes.  © Paul Giamou/Imago
Cameron Winklevoss, Tyler Winklevoss
Die eineiigen Zwillinge Cameron und Tyler Winklevoss sind vor allem für ihre Behauptung bekannt, Mark Zuckerberg habe ihre Idee für Facebook gestohlen. Im Rahmen eines Vergleichs im Jahr 2008 erhielten sie 65 Millionen Dollar. Einige ihrer Spenden in Höhe von jeweils 1,3 Millionen Dollar gingen an America PAC, das Elon Musk nach eigenen Angaben mitgegründet hat. © Imago
Don Ahern
verdankt einen Großteil seines geschätzten Vermögens von einer Milliarde Dollar der Miete von Baumaschinen. Er besitzt außerdem ein Hotel abseits des Strips in Las Vegas, das zu einem beliebten Treffpunkt konservativer Politiker geworden ist. Er ist ein überzeugter Trump-Anhänger. Anders als einige Großspender hat Ahern auch im Vorwahlkampf nur Trump unterstützt. © Etahn Miller/AFP
Trump Penske
Roger Penske baute ein milliardenschweres Automobilimperium auf und hat als Besitzer des Teams Penske das berühmte Rennen Indianapolis 500 insgesamt 20 Mal gewonnen. Kurz nachdem er 2019 seinen ersten Scheck zur Unterstützung von Trumps Wiederwahl ausgestellt hatte, ehrte ihn Trump mit der Freiheitsmedaille. © Shawn Thew/Imago
Andrea and Steve Wynn
Der Nachname von Steve Wynn prangt auf den Fassaden der Casinos in Las Vegas und Macau. Wynn hat 2024 mehr als eine Million Dollar an Gruppen gespendet, die Trump unterstützen. Auch seine Frau Andrea stellt der Republikanischen Partei gerne hohe Schecks aus. © Meghan McCarthy/Imago
Richard Kurtz, Jeff Kurtz, Danny Rubin
Der Immobilientycoon Richard Kurtz (links neben Jeff Kurtz und Danny Rubin) ist seit 2022 als Spender in Erscheinung getreten. 2024 hat er für Trumps Kandidatur gespendet, 2022 war er auch einer der größten Spender für die Senatskandidatur des heutigen Vizepräsidenten JD Vance. Gern brüstet er sich damit, Vance die Tür ins Weiße Haus geöffnet zu haben. Bei einem privaten Abendessen mit Trump habe er Vance als Vize empfohlen, sagte er gegenüber Forbes. © Jeremy Smith/Imago
Antonio Gracias
Antonio Gracias hat sein Vermögen mit einer frühen Investition in Tesla aufgebaut. Als Freund von Elon Musk ist er tief in die Geschäftstätigkeit des Automobilherstellers eingebunden. Gracias saß jahrelang im Vorstand von Tesla und SpaceX. Ähnlich wie Musk hat Gracias einen rasanten politischen Wandel durchgemacht: 2020 gehörte Gracias noch zu den Großspender von Joe Biden. Im Jahr 2024 spendete er ausschließlich an Republikaner. © Scott Olson/AFP
Doug Leone
Im Gegensatz zu vielen anderen rechten Kräften im Silicon Valley, die sich erst kürzlich der Republikanischen Partei angeschlossen haben, spendet Douglas Leone seit Jahren an republikanische Kandidaten. Er leitete die Risikokapitalfirma Sequoia Capital, die ihm half, ein Vermögen von geschätzten 7,8 Milliarden Dollar anzuhäufen.  © Marco Destefanis/Imago
Zuckerberg Chan
Mark Zuckerberg, Chef des Facebook-Konzerns Meta, hat nach der US-Wahl 2024 mit der Abkehr vom bisherigen Moderationsmodell auf seinen sozialen Plattformen einen Kurswechsel und damit auch eine klare Annäherung an Trump und die Republikanische Partei eingeleitet. So spendete Meta eine Million Dollar für die Zeremonie zu dessen Vereidigung als Präsident am 20. Januar. Zudem lud Zuckerberg, begleitet von seiner Ehefrau Priscilla Chan, zusammen mit republikanischen Großspendern zu einem Empfang. © Chip Somodevilla/Imago
Diane Hendricks
Diane Hendricks feierte sich während des Wahlkampfs gerne als reichste Selfmade-Frau Amerikas. Ihr Baustoffunternehmen ABC Supply erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 20 Milliarden Dollar. Hendricks pumpte mehr als 26 Millionen Dollar in Gruppen, die Trump bei der US-Wahl 2024 unterstützten. © Mike De Sisti/Imago
Devon Energy Editorial
George Bishop gründete 1981 den Öl- und Gasproduzenten GeoSouthern Energy und verkaufte 2013 Vermögenswerte im Wert von 6 Milliarden Dollar an Devon Energy. 2016 und 2020 spendete Bishop sechsstellige Beträge an Trump. 2024 erhöhte er seine Spenden um ein weiteres Komma: 1,5 Millionen Dollar flossen an Trumps PACs und Komitees. Seine Frau Kathy steuerte 500.000 Dollar bei.  © Imago
Joe Ricketts
Joe Ricketts ist Gründer, ehemaliger CEO und ehemaliger Vorsitzender des Finanzdienstleisters TD Ameritrade. Er und seine Frau Marlene hatten 2016 eine republikanische Anti-Trump-Gruppe gepumpt. 2024 war das anders. Diesmal unterstützten sie Trump mit mehreren Millionen Dollar. Dagegen ist ihre Tochter Laura als prominente demokratische Spenderin in Erscheinung getreten.  © John J. Kim/Imago
DICK UIHLEIN
Richard Uihlein gehört zusammen mit seiner Ehefrau Elizabeth zu den großzügigsten Spendern der Republikaner. Sie gründeten 1980 das Verpackungsmaterialunternehmen Uline in ihrem Keller. Die Uihleins besitzen mittlerweile 100 Prozent ihres Unternehmens und machen ihre politischen Ansichten gerne öffentlich – unter anderem auch im Firmenkatalog. Die Uihleins haben im Wahlkampf etwa 93 Millionen in republikanische Kampagnen gesteckt. © Mark Hertzberg/Imago
Proteste in Kalifornien
In Los Angeles formierte sich Anfang Juni er erste große Anti-Trump-Protest in den USA. In der Stadt ist auch ein einflussreicher Trump-Spender aktiv. Geoffrey Palmers Immobilienfirma besitzt mehr als 11.000 Wohnungen im Großraum Los Angeles und ist damit einer der größten Vermieter der Stadt. Palmer engagiert sich seit Jahrzehnten politisch – in Kalifornien und anderswo. Zwischen 2016 und 2024 spendete er bis zu 10 Millionen Dollar an Trump-nahe PACs. © Maximilian Haupt/dpa
BERNARD BERNIE MARCUS
Bernard Marcus gründete 1978 zusammen mit Arthur Blank Home Depot. Im Laufe der Jahre lieferten sich die Gründer bei Bundeswahlen einen harten Kampf: Blank spendete Millionen an die Demokraten, Marcus an die Republikaner. Gemeinsam mit seiner Frau Billi spendete Marcus etwa 2,7 Millionen Dollar, um Trump 2024 zur Wahl zu verhelfen. © Michael Brochstein/Imago
Robert „Woody“ Johnson
Robert „Woody“ Johnson diente Trump als Botschafter in Großbritannien. Während seiner Amtszeit bat Trump ihn Berichten zufolge um Mithilfe bei der Organisation der British Open für sein schottisches Golfresort. Der ehemalige Botschafter konnte dies zwar nicht tun, erwies sich aber als zuverlässiger Spendensammler: Gemeinsam mit seiner Frau Suzanne spendete er 2,7 Millionen Dollar und half laut CNBC, republikanische Großspender zu umwerben, die sich nach dem 6. Januar von der Partei abwandten . © Ron Sachs/Imago
Horse Racing: 150th Belmont Stakes,
Kenny Troutt (2. von rechts) investiert sein Vermögen in zwei Bereiche: Pferde und Republikaner. 2018 spendeten er und seine Frau Lisa 1,3 Millionen Dollar für die republikanischen Halbzeitwahlen – und sein Pferd Justify gewann als erst zweites Pferd im 21. Jahrhundert die Triple Crown und brachte ihm fast 4 Millionen Dollar ein (hier feiert er den Sieg bei den Belmont Stakes). Das Paar unterstützt Trump seit 2016. © Matt Stone/Imago
Sen. Kelly Loeffler
Kelly Loeffler weiß, wie teuer Wahlkämpfe sein können: Bei ihrer Kandidatur für den Senat in Georgia 2020 sammelte sie 92 Millionen Dollar, verlor aber trotzdem gegen Raphael Warnock. Loeffler spendet schon seit mehr als einem Jahrzehnt hohe Summen an die Republikaner. Ihr Ehemann Jeff Sprecher ist Gründer der Intercontinental Exchange, der die New Yorker Börse gehört, wo Loeffler einst als Führungskraft tätig war. Zusammen haben sie fast 5 Millionen Dollar zur Unterstützung von Trump gespendet.  © Bill Clark/Imago
Phil Ruffin
Phil Ruffin ist eng mit Donald Trump verbunden, als Freund, Geschäftspartner und Spender. Beide sind Miteigentümer des Trump International Hotels in Las Vegas. Als Ruffin seine Frau Oleksandra in Mar-a-Lago heiratete, war Trump sein Trauzeuge. Ruffin unterstützt Trump seit 2016, hat aber für 2024 noch einmal nachgelegt. Seine 3,3 Millionen Dollar an Spenden waren mehr als bei den letzten beiden Wahlen zusammen. © Imago
JIMMY JOHN LIAUTAUD,
Jimmy John Liautaud hat sein Geld mit einer Sandwichkette gemacht. Große Kasse machte er 2016, als er den Großteil seines Unternehmens an eine Private-Equity-Firma verkaufte. Seitdem engagiert er sich stärker in der Politik, ebenso wie seine Frau Leslie. Sie unterstützte Trump 2016 und 2020, ihr Mann schloss sich ihr jedoch erst jetzt mit Spenden in Höhe von 2,8 Millionen Dollar an. © Brian Cahn/Imago

Marktverzerrungen und Kapitalallokation: Regulatorische Warnsignale und Basel III-Beschränkungen

Die EU-Marktmissbrauchsverordnung zwingt Banken, Buybacks an unabhängige Broker auszulagern, um Marktverzerrungen zu begrenzen. Die Basel III-Vorschriften sehen „Dividenden-Stopper“ vor, die auch Aktienrückkäufe verhindern können. Wie der Basler Ausschuss dokumentiert, führten viele Banken zu Beginn der Finanzkrise „weiterhin hohe Ausschüttungen in Form von Dividenden, Aktienrückkäufen und großzügigen Vergütungen vor, obwohl sich ihre finanzielle Verfassung verschlechterte.“ Diese prozyklischen Muster könnten sich in einer ETF-getriebenen Blase verstärken. Selbst die Bank of Japan (BOJ) musste ihre ETF-Käufe anpassen, da massive Käufe „Preisverzerrungen“ verursachten, die „sich wahrscheinlich fortsetzen und intensivieren würden“.

Mit jährlich etwa sechs Billionen Yen – etwa 37,5 Milliarden Euro – wurde die japanische Notenbank zu einem der größten stillen Investoren und trieb dabei möglicherweise die Überbewertung einiger Small-Cap-Unternehmen voran. Laut einer Analyse könnten „scheinbar überteuerte Aktien einen schärferen Fall erleiden, wenn die BOJ ihre Geldpolitik zurückfährt“. Was als geldpolitisches Instrument gedacht war, wurde letztendlich zu einem Marktrisiko.

MSCI World als US-Tech-Index: KI-Hype als Brandbeschleuniger

2025 flossen bereits über 192,7 Milliarden US-Dollar Risikokapital in KI-Start-ups. Doch das ist noch verschwindend gering, schaut man sich einmal die Verhältnismäßigkeiten an. Denn Tech-Konzerne wie OpenAI, Meta und xAI planen Investitionen von bis zu 2,2 Billionen US-Dollar. Derartige Ankündigungen sind natürlich Musik in den Ohren von Investoren und Aktienhändlern. So wurde zum Beispiel OpenAI im Oktober 2025 mit 500 Milliarden US-Dollar bewertet – Rekord für ein Start-up. Und hier kommt das Paradoxon: Laut einer MIT-Analyse verzeichnen „95 Prozent der befragten Organisationen keine messbare Rendite aus ihren KI-Investments“. In Deutschland nutzen zwar 41 Prozent der Unternehmen bereits KI-Tools, weitere 19 Prozent bereiten den Einsatz vor, von spürbaren Produktivitätsgewinnen könne aber „keine Rede sein“.

Besonders besorgniserregend ist dabei die Tatsache, dass sich die Tech-Giganten zunehmend gegenseitig finanzieren. Laut Bloomberg haben OpenAI, Nvidia, AMD und Oracle ein Netz aus „zirkulären Deals“ geknüpft, bei dem die Unternehmen Milliarden in sich selbst investieren. Nvidia investiert bis zu 100 Milliarden US-Dollar in OpenAI – die wiederum Millionen von Nvidia-Chips kauft. OpenAI hat einen 300-Milliarden-Dollar-Deal mit Oracle, während AMD und OpenAI sich gegenseitig zu Großaktionären machen. Swipe:

Diese „zirkuläre Finanzierung“ erinnert Analysten an die Dotcom-Blase der späten 90er Jahre. Der Unterschied: Die Summen sind heute um ein Vielfaches höher. „Jeder Chip kostet Zehntausende von Dollar“, erklärt Bloomberg-Reporterin Emily Forgash. Während der Dotcom-Ära flossen Millionen in Internet-Start-ups – heute sind es Hunderte von Milliarden für KI-Infrastruktur. Das Problem: OpenAI verbrennt trotz hoher Umsätze weiterhin Geld und ist nicht profitabel. Dennoch wurde das Unternehmen im Oktober 2025 mit 500 Milliarden Dollar bewertet. Stacy Rasgon von Bernstein Research warnt: OpenAI-Chef Sam Altman „hat die Macht, die Weltwirtschaft für ein Jahrzehnt zum Absturz zu bringen oder uns alle ins gelobte Land zu führen. Und im Moment wissen wir nicht, was passieren wird.“

Und während Banken Milliarden in KI-Unternehmen pumpen, arbeitet OpenAI bereits daran, diese überflüssig zu machen. Medienberichten zufolge stellte das Unternehmen unter dem Codenamen „Project Mercury“ still und leise über hundert ehemalige Wall-Street-Banker von Goldman Sachs, JPMorgan und Morgan Stanley ein. Ihr Auftrag: Der KI beibringen, Finanzmodelle für Börsengänge, Umstrukturierungen und M&A-Transaktionen zu erstellen. Die Ironie dabei ist perfekt – dieselben Banken, die OpenAI mit hunderten Milliarden finanzieren, trainieren nun die Technologie, die ihre eigenen gut bezahlten Analysten ersetzen soll. Das schafft ein doppeltes Systemrisiko: Eine KI-Blase könnte nicht nur durch überbewertete Tech-Aktien platzen, sondern durch direkte Disruption der Institutionen, die diese Bewertungen überhaupt erst erstellen.

Die Illusion der Diversifikation bei ETFs: Was Anleger jetzt tun können

Viele Anleger glauben, mit dem MSCI World breit diversifiziert zu sein. Doch alternative Weltindizes wie der MSCI All Country World können das US-Problem nicht lösen, da sie laut Neuhaus „die Börse so abbilden, wie sie ist – und hier dominieren US-Aktien“. Die Korrelation zwischen dem MSCI World und dem MSCI All Country World beträgt 0,99 – die Kurse bewegten sich also „fast deckungsgleich“.

Die Kombination aus ETF-getriebenen Kapitalzuflüssen, aggressiven Share Buybacks und extremer Marktkonzentration schafft ein fragiles System.

Mit anderen Worten: Wer sein Geld breit gestreut anlegen wollte, läuft heute Gefahr, ungewollt in eine Wette auf die US-Tech-Konzerne verstrickt zu sein. Die starke Gewichtung von Apple, Microsoft und Nvidia im MSCI World und S&P 500 sorgt dafür, dass selbst konservative Anleger zunehmend von den Schwankungen des US-Marktes abhängig sind. Finanzexperten raten deshalb, die vermeintliche Sicherheit der Indexfonds kritisch zu hinterfragen. So lässt sich das Risiko besser streuen:

  • Neben dem MSCI World auch Schwellenländer-Indizes wie den MSCI Emerging Markets oder FTSE All-World berücksichtigen.
  • Kleine und mittlere Unternehmen (Small und Mid Caps) einbeziehen, um das Übergewicht der Tech-Giganten zu verringern.
  • Regionale ETFs – etwa auf Europa oder Asien – ergänzen, um weniger abhängig von den USA zu sein.
  • Tagesgeld oder Anleihen als stabilisierendes Element beimischen, um Kursrückgänge abzufedern.
  • Sachwerte wie Gold, Silber oder Immobilien als Inflationsschutz nutzen.

Langfristig orientierte Anleger sollten zudem nicht auf kurzfristige Hypes reagieren, sondern regelmäßig prüfen, wie stark ihr Portfolio tatsächlich diversifiziert ist. Denn ETFs sind kein Selbstläufer – sie spiegeln die Realität der Märkte, mit all ihren Verzerrungen. Oder, wie es Börsenaltmeister André Kostolany es einst formulierte: „An der Börse sind zwei mal zwei nicht vier, sondern fünf minus eins. Und man muss die Nerven haben, dieses minus eins auszuhalten.“ (ls)

Disclaimer: Die bereitgestellten Informationen stellen keine Anlageberatung, keine sonstige Empfehlung und kein Angebot zum Kauf von Wertpapieren oder zur Vornahme bestimmter Investitionen dar.

Rubriklistenbild: © IMAGO / UPI Photo

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